"Ich möchte zu den Hörnern"

- Ein Kanadier, ein Spanier und ein Japaner stehen auf dem Vormittagsprogramm: Es ist die zweite Runde im Internationalen Musikwettbewerb der ARD im Fach Horn. Betritt man auf der Suche nach unentgeltlichem Musikgenuss und Spannung in der Luft die Musikhochschule München - einen der Austragungsorte-, trifft man in der Eingangshalle bereits auf Gleichgesinnte: "Wo geht es zum kleinen Saal? Ich möchte zu den Hörnern."

Ein bisschen Geduld braucht der Neugierige, er ist zu früh. So schlendert er durch die Halle, nimmt die Stellwände unter die Lupe: welches Fach, welcher Musiker, welche Stücke? Um ihn herum stehen vereinzelt Betreuer oder Künstler. Andere sind in den Übungsräumen, bereiten sich vor. So auch Szabolcs Zemplé´ní´, sein Auftritt ist an diesem Samstag: "Nervös bin ich noch nicht, aber ungeheuer motiviert. Ich war bereits vor fünf Jahren hier, kenne die Räumlichkeiten und fühle mich sehr wohl."

Viertel vor zehn, die Tür zum Saal öffnet sich: Die Bühne befindet sich rechts, die Jury - darunter unter anderen Alun Francis, Hermann Baumann, Gerd Seifert und Marie-Luise Neunecker - sitzt hinten links; in der Mitte neun Stuhlreihen für die Zuschauer. Noch stehen die Fenster weit auf, und der Zementmischer von nebenan rattert gemächlich vor sich hin. Bald aber sind alle im Saal bereit. Die Darbietungen werden vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten. Die Zuhörer warten, werden ernst, leise, beinahe regungslos, bleiben neugierig.

"Es fühlt sich ein bisschen verrückt an, hier zu sein."

Wettbewerbsteilnehmer

Eine Stimme aus dem Hintergrund: "Guten Morgen meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur zweiten Runde des ARD-Musikwettbewerbs im Fach Horn." Still ist es, mucksmäuschenstill im kleinen Saal der großen Musik. Die hintere Tür öffnet sich behutsam, einen kleinen Spalt breit nur und . . . und ist schon wieder zu, bis der erste Kandidat des vormittags, Louis-Philippe Marsolais, mit blitzenden Augen und sicherem Schritt auf die Bühne geht, sich leicht vor dem bereits klatschenden Publikum verbeugt. Er sucht den Blick der Erwartungsvollen, der Zuschauer, der Jury, schließlich den seiner Begleitung am Klavier, lächelt, beginnt mit Paul Hindemiths Sonate Es-Dur und Oliver Knussens op. 28. Und als er aufhört: Wieder Stille, kurz nur, aber tief und gehaltvoll - da hat ein ganzer Saal eine Erfahrung geteilt. Erste Reihe Mitte: zwei Bravos.

Jose Vicente Castello Vicedo ist als Nächster gefordert. Er beginnt, womit sein Kontrahent schloss: mit Robert Schumanns Adagio und Allegro As-Dur op. 70. Ist er aufgeregter als sein Vorgänger? Im Gespräch später sagt der 27- jährige Spanier: "Es ist mein erster Wettbewerb und dann noch der renommierteste für das Fach Horn. Es fühlt sich ein bisschen verrückt an, hier zu sein. Ich brauche aber die Aufregung, die Nervosität, da spielt es sich viel emotionaler." Als nach ihm Hiroshi Kigawa antritt, ist der Publikumsandrang so groß, dass es kaum noch freie Plätze gibt. Und die Frage des Tages bleibt: Wer kommt weiter, für wen endet der Wettbewerb?

Fortsetzungen der Runden diesen Samstag: 2. Runde Horn, Hochschule für Musik und Theater München; 1. Runde Violine, Bayerischer Rundfunk (BR) Studio 1; 1. Runde Cello, BR Studio 2. Sonntag: 1. Runde Violine, BR Studio 1; 2. Runde Cello, BR Studio 2; ab 10 und 16 Uhr. Semifinale für Klavierduo am Sonntag, 17 Uhr, Musikhochschule. Dafür wird Eintritt verlangt: 089/ 59 00 45 45.

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