Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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"Ich möchte Schauspiel singen"

- "Ich möchte mich frei fühlen." Was das für sie persönlich bedeutet, weiß Anne Schwanewilms genau: "Das Singen muss sozusagen mit links funktionieren." Deshalb hat sie auch vor einiger Zeit die Partien "abgestoßen", mit denen sie sich ins Hochdramatische vortastete: Beethovens Leonore und Wagners Sieglinde. Mit der Marie aus Alban Bergs "Wozzeck", genauer den Bruchstücken op.7, ist sie heute Abend zu Gast bei den Münchner Philharmonikern (20 Uhr im Gasteig, Freitag ebenfalls, Samstag 19 Uhr). Sie freut sich, dabei zum ersten Mal mit Ingo Metzmacher zu musizieren, den sie seit langem sehr schätzt.

München ist für Anne Schwanewilms zwar kein Neuland, aber richtig Fuß gefasst hat die in Gelsenkirchen geborene, in Köln ausgebildete und in Berlin wohnende Sängerin hier nicht. "Mit Masur habe ich bei den Philharmonikern mal Mahlers Vierte gemacht, und als ich noch Mezzo war, sprang ich an der Staatsoper als Dorabella in der Generalprobe für Marilyn Schmiege ein", erzählt die Sopranistin lachend. Denn mittlerweile hat sich die selbstbewusste Künstlerin eine Etage höher angesiedelt. Mit beeindruckendem Erfolg. Als sie, die als Alt begann - "weil ich eine tiefe Sprechstimme habe" - 1995/96 entschied, vom Mezzo- ins Sopranfach zu wechseln, kam es sogar zum Bruch mit ihrem Lehrer Hans Sotin.

Auf eigene Faust arbeitete sie sich hinauf, testete ihre stimmlichen Möglichkeiten aus und wagte sich an die Grenzen. "Ich empfinde mich als lyrischen Spinto. Mir liegen die Strauss-Partien besonders, aber auch Desdemona, ,Figaro’-Gräfin und Wagners Elsa und Elisabeth." Die Saison 2005/06 bescherte Anne Schwanewilms gleich vier neue Partien: Bei den Salzburger Festspielen sang sie unter Kent Nagano in Schrekers "Die Gezeichneten" die Carlotta. Dazu gesellten sich die "Tannhäuser"-Elisabeth, Strauss' Danae und die Marschallin. Die hochgewachsene Sängerin ist eine blendende Bühnenerscheinung und liebt das Regietheater: "Ich möchte Schauspiel singen." Aber zum Ausgleich, zur strengen Konzentration auf das Musikalische, wechselt sie immer wieder gern aufs Konzertpodium, mit Mahler, Strauss, Berg, Schönberg. Festspielpläne (Bayreuth, Salzburg) werden für die Zukunft geschmiedet, und weitere Strauss-Damen sind auch in Sichtweite: die Arabella, die Kaiserin ("Frau ohne Schatten"), die Gräfin ("Capriccio").

"Die Stimme hat noch Entwicklungspotenzial", ist sich Anne Schwanewilms sicher. Doch wohin sie der Weg führen wird, das wartet sie ab. Seit einiger Zeit leistet sie sich einen Stimmcoach. "Ich habe mir lange Zeit die ganze Verantwortung selbst aufgebürdet, jetzt habe ich ein bisschen abgegeben."

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