"Ich möchte unterwegs sein"

- Irgendwann einmal muss er sich ein Jahr jünger gemacht haben. Nach den einschlägigen Lexika hätte er erst im kommenden Jahr runden Geburtstag. In Wirklichkeit aber feiert der Schauspieler Klaus Maria Brandauer bereits an diesem Sonntag seinen 60. Heute ein eher umstrittener Star; in den 70er-Jahren einer, der Publikum wie Kritiker zu Ovationen hinriss. Von welch besonderer künstlerischen Klasse Brandauers Schauspielertum ist, das vermittelt sich gegenwärtig mehr auf der Leinwand beziehungsweise dem Bildschirm als auf der Bühne. In beiden Genres aber fühlt er sich gleichermaßen zu Hause - als Darsteller wie übrigens auch als Regisseur.

<P>Mag sich der Name Brandauer vor allem mit einer Figur verbinden - dem Hendrik Höfgen alias Gustaf Gründgens in dem Oscar-gekrönten Film "Mephisto" -, so ist er doch immer auch ein nimmersattes "Bühnentier" geblieben. Gerade war er noch Jahwe, Hiob und Satan an einem Abend beim Feldkirch Festival. Schon ist er Bassa Selim in Mozarts "Entführung" am Opernhaus Zürich. "Ich möchte unterwegs sein können", sagte der österreichische Star einmal über sich. Und so pendelt er zwischen Bühne und Film, Poesie und großem Drama, Shakespeare und Rilke, New York, Wien und Bad Aussee, wo er zu Hause ist. Seine steile Karriere startete Brandauer als 20-jähriger in "Maß für Maß" in Tübingen. Salzburg, München, Wien - Petrucchio, Hamlet, Romeo, Lessings Gonzaga, Büchners Leonce, Nestroys Leim - und immer wieder mit Glanz und Gloria der Jedermann. Brandauer bestach mit einer ambivalenten Ausstrahlung, die Bubencharme und jugendliche Energie mit Abgründigkeit verband. Eine Mischung, die ihn auch später für Machtfiguren und Bösewichte prädestinierte. Dem Ensemble des Burgtheaters gehört er seit 1972 an.</P><P>In seiner Filmkarriere verkörperte Brandauer mit Vorliebe zwielichtige Gestalten. Er war Sean Connerys Gegenspieler im James-Bond-Streifen "Never Say Never Again" und der ungeliebte Ehemann in "Out of Africa". Einen tiefen Einschnitt in sein Leben bedeutete für den rastlosen Schauspieler der Krebstod seiner Ehefrau, der Regisseurin Karin Brandauer, im Jahr 1992.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Münchner Volkstheater wird unbeschreiblich weiblich
München - Das Volkstheater lädt neun Inszenierungen zur 13. Auflage seines Regie-Festivals „Radikal jung“ nach München ein. Das erwartet die Besucher vom 28. April bis …
Das Münchner Volkstheater wird unbeschreiblich weiblich
Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
München - Am Donnerstagabend waren die Nordiren von Two Door Cinema Club in der Tonhalle in München. Sie wussten, was die Fans wollten. Eine Konzertkritik.
Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
Trauer um den bayerischen Welt-Bildhauer
München - Für das World Trade Center in New York schuf er die Skulptur „Sphäre“, im Münchner Olympiapark erinnert seine Arbeit „Klagebalken“ an die bei den Olympischen …
Trauer um den bayerischen Welt-Bildhauer
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Deutschlands Jazz-Hoffnung Michael Wollny improvisiert in München die Filmmusik zum Kinoklassiker „Nosferatu“. Die Faszination für das Unheimliche zieht sich durch …
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror

Kommentare