„Ich bin ein Perfektionist“

München - Der schnellste Geiger der Welt: David Garrett über große Meister und U- und E-Musik

Das Guinness-Buch führt David Garrett (28) als „schnellsten Geiger der Welt“. Auch seine CDs verkaufen sich inzwischen mit Rekordgeschwindigkeit. Trotzdem hat der Deutsch-Amerikaner noch viel vor und versucht, nach ausverkauften Gastspielen im Zenith und Herkulessaal am Wochenende erstmals die Münchner Olympiahalle zu füllen.

Gibt es nach diesem Konzert überhaupt noch eine Steigerung?

Keine Ahnung. Aber wahrscheinlich nicht mehr. Sicher gibt es immer wieder Herausforderungen, aber die müssen ja nicht unbedingt mit der Größe der Halle zu tun haben. Ich bin ein Perfektionist, will mich musikalisch weiterentwickeln und bei jedem neuen Konzert ein noch besseres Programm bieten. Aber jetzt hoffe ich natürlich erst einmal, dass die Olympiahalle voll wird.

Was erwartet dort das Publikum?

Wir haben uns eine nette Show einfallen lassen. Aber für mich ist der Sound das Wichtigste, damit die Arrangements richtig ’rüberkommen. Außerdem habe ich diesmal ja nicht nur meine Band dabei, sondern auch ein großes Orchester. Das muss einfach gut klingen.

Lassen sich mit Crossover  wirklich neue Hörer für die Klassik gewinnen?

Ich kann nur sagen, dass ich nach der ersten Crossover-Tour Ende des letzten Jahres mit einem rein klassischen Programm unterwegs war, und auch da waren die Säle voll. Ich will das Interesse wecken. Ob die Leute das dann weiter hören wollen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Und wenn Sie jetzt AC/DC spielen?

Keine Ahnung, was dann passieren wird. Da muss ich mich auch überraschen lassen, ob vielleicht sogar jemand den Refrain mitsingt...

Ihr München-Debüt hatten Sie schon mit 13 bei den Philharmonikern.

Das war ein Einstieg auf einem sehr hohen Level. Mit Dirigenten wie Mehta, Dutoit oder Sinopoli – und dann auch gleich die erste CD. Als Kind bin ich von vielen Seiten gepuscht worden. Jetzt muss ich mich eben selber richtig puschen.

Sie haben einmal beklagt, dass die Interpreten heute wichtiger sind als die Komponisten.

Im Grunde promoten wir die großen Meister. Natürlich sind die Interpreten diejenigen, die vorne stehen und die Musik nach außen tragen. Aber ohne die Komponisten würde es diese schönen Werke nicht geben. Ich finde Paul Potts ein gutes Beispiel. Das ist eine schöne Geschichte, aber auch die Musik hat die Menschen gefesselt. Da sieht man wieder, dass Klassik, wenn sie richtig präsentiert wird, bei den Leuten immer noch zieht.

Der große Karriereschub kam aber auch bei Ihnen vor allem durch die beiden Crossover-Alben.

Ja, aber ich muss mich nicht verstellen für das, was ich jetzt mache. Ich mache das, weil ich Spaß daran habe und das für mich ein schöner Ausgleich ist. Das ist viel entspannter als bei einem klassischen Konzert, wo du auf die Bühne kommst und dann 40 Minuten hochkonzentriert am Stück spielst. Ein Violinkonzert von Brahms oder Tschaikowsky zu gestalten, ist schon eine echte Herausforderung. Ein André Rieu kann so etwas nicht mehr, weil er zu fest in seiner Nische drinsteckt.

Ist die strikte Trennung von E- und U-Musik ein deutsches Problem?

Ein bisschen schon, weil es hier eine große Tradition gibt. Und wenn man die Regeln bricht, wird das für manche ein wenig problematisch.

In Ihrer zweiten Heimat, den USA, scheint man damit weniger Schwierigkeiten zu haben.

Leichter wäre es dort, aber ich habe es doch lieber so, wie es in Deutschland ist, weil man in Amerika manchmal eine Spur zu naiv an die Dinge herangeht. Denn auch wenn man „nur“ Crossover musiziert, muss man das richtig machen. Wenn du etwas nur tust, weil es Knete bringt, aber nichts zu sagen hast, dann finde ich das schade.

Das Gespräch führte Tobias Hell

Konzert: 11. Januar, Olympiahalle; Karten: 0180 / 54 81 81 81.

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