„Ich will mich nicht spezialisieren“: Cornelius Meister (29) dirigiert in München Mozart, Martin und Mussorgsky. f: bodmer

"Ich will noch in 30 Jahren dirigieren"

München - Er ist der jüngste Generalmusikdirektor Deutschlands: Cornelius Meister springt beim Symphonieorchester des BR ein. Mit dem Münchner Merkur sprach er im Interview über Zukunftspläne und Respekt.

Schlagzeilen gemacht hatte Cornelius Meister erstmals, als er 2006 mit 25 Jahren in Heidelberg zum jüngsten Generalmusikdirektor der Nation gekürt wurde. Ein Titel, den ihm so schnell keiner streitig machen dürfte. Nachdem man ihm am Münchner Nationaltheater schon ein paar Mal begegnen konnte, gibt es nun ein unerwartetes Wiedersehen beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Dort wird Cornelius Meister heute und morgen den an Krebs erkrankten Seiji Ozawa ersetzen.

-Ein Debüt ist dies aber nicht.

Nein, ich war vor zwei Jahren schon einmal hier und habe das Preisträgerkonzert beim ARD-Wettbewerb dirigiert. Zu meiner großen Freude haben wir uns damals so gut verstanden, dass wir ohnehin bereits im Gespräch waren, wann ich wieder kommen könnte. Es ging jetzt nur ein wenig schneller als erwartet.

-Wie gehen Sie mit der Einspringersituation um?

Einerseits ist es sehr schmerzlich, wenn man auf diese Weise erfährt, dass es einem verehrten Kollegen schlecht geht. Und ich habe Seiji Ozawa auch geschrieben, um ihm das Beste zu wünschen. Andererseits ist es natürlich eine große Freude zurückzukommen.

-Gibt es Änderungen im Programm?

Ozawa hätte Bruckners Dritte dirigiert. Aber ich habe mir immer gesagt, dass ich keine Bruckner-Sinfonie aufführen will, bevor ich 30 bin. Und weil ich erst nächste Woche 30 werde, stand das nicht zur Diskussion. Frank Martins Konzert für sieben Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streicher war allerdings klar. Und dann haben wir uns gemeinsam überlegt, was dazu passen würde. Ich glaube, dass diese Kombination mit Mozart und Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“ sehr gut funktionieren wird.

-Sie haben als Deutschlands jüngster GMD schnell Karriere gemacht. Etwas zu schnell?

Ich hatte das Glück, dass ich schon relativ früh Erfahrung als Pianist sammeln konnte. Für Dirigenten, die zuvor nie als Solisten aufgetreten sind, ist das schwieriger. Wenn man also noch nie mit der Situation konfrontiert war, allein einen ganzen Abend zu gestalten. Das kannte ich zum Glück schon, und mit 17 habe ich dann angefangen, das Dirigierhandwerk von Grund auf zu lernen. Ich sage bewusst Handwerk, weil es etwas ist, das man wirklich in der Praxis lernt.

-Als nächste Station geht es für Sie nach Wien, wo Sie bald das RSO übernehmen...

Darauf freue ich mich sehr, weil es ein Orchester ist, das ein sehr interessantes Repertoire pflegt. Gerade ist übrigens auch unsere erste gemeinsame CD mit Werken von Gottfried von Einem erschienen, mit der ich sehr glücklich bin. Genau wie der Martin hier eine wunderbare Musik, die man erst noch entdecken muss.

-Muss man sich erst den Respekt der Musiker erarbeiten?

Alle haben irgendwann mal angefangen. Und von den großen Dirigenten, mit denen ich gesprochen habe, erzählt fast jeder ähnlich von seinen ersten Erfahrungen. Wir alle wissen, dass Dirigieren etwas ist, das man über Jahrzehnte lernt. Ich hoffe natürlich, dass ich auch in 30 Jahren noch dirigieren werde, weil ich dann künstlerisch einfach weiter sein werde. Aber von alleine kommt das nicht. Dafür muss ich schon jetzt etwas tun.

-Haben Sie deshalb schon früh mit den großen Brocken von Wagner und Strauss begonnen?

Wagner hatte für mich eine viel geringere Hemmschwelle, weil ich mit seinen Opern aufgewachsen bin und unter anderem auch bei Pierre Boulez in Bayreuth assistiert habe. Dafür musste ich mir aber andere Sachen aus dem französischen oder italienischen Repertoire härter erarbeiten. Man muss für sich selber entscheiden, wohin man gehen will und sehr gut planen. Ich möchte mich gar nicht spezialisieren und drei Jahre nur Beethoven dirigieren. So lange die Leute also unterschiedliche Sachen von mir hören wollen, bin ich sehr glücklich.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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