Idealismus gefragt

- Für Anja Hilling ist es Luxus: Sie setzt sich regelmäßig mit fünf anderen Schriftstellern zusammen, um zu arbeiten und sich gegenseitig die Meinung zu sagen. "Normalerweise ist das ein sehr einsamer Beruf. Wir profitieren von diesem Zusammensein im Studium und geben uns gegenseitig Mut und Selbstbewusstsein mit auf den Weg", sagt Hilling. Die 30-Jährige ist eine angehende Theaterautorin und studiert in Berlin an der Universität der Künste "Szenisches Schreiben". Für ihren Erstling "Sterne", bisher nur als szenische Lesung aufgeführt, erhielt sie beim Berliner Theatertreffen 2003 den Preis für junge Dramatik.

<P>"Mein junges, idiotisches Herz" ist ihr zweites Stück. Es wurde beim Wochenende der jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen im Oktober vorgestellt und hat am Dienstag um 20.15 Uhr im Werkraum Premiere: Eine Frau, die sterben will, setzt mit einem Paket, das sie stellvertretend für den Empfänger animmt, eine Kettenreaktion in ihrem Mietshaus in Gang. Die Bewohner geraten in merkwürdige Interaktionen, am Ende ist der Postbote tot.</P><P>Anja Hilling ist in München aufgewachsen. Zum Germanistikstudium ging sie nach Berlin. Und noch bevor sie ihren Magister machte, bewarb sie sich für das "Szenische Schreiben", dabei hatte sie zuvor noch kein einziges Theaterstück verfasst. Dass es mit dem Ausnahmestudium geklappt hat, empfindet sie als Geschenk. Die Frage, was sie am Schreiben für die Bühne reizvoll findet, hält sie für falsch gestellt: "Es ist einfach das, was ich machen will." Geschrieben hat sie schließlich schon immer. Dabei hat sie keine Vorbilder, fasziniert aber ist sie von der verstorbenen Sarah Kane. Und die Werke der Kollegen liest sie doch eher zu Studienzwecken. "Ein Stück zeichnet sich ja nicht dadurch aus, dass es gute Lektüre ist. Es beweist sich auf der Bühne", rechtfertigt sie sich. "Selten", gibt sie zu, "sehe ich auf der Bühne ein zeitgenössisches Stück, das ich wirklich gut finde." </P><P>Hat sie Angst, das eigene Stück auf der Bühen zu sehen? "Nein, ich finde es sehr reizvoll, es aus den Händen zu geben. Die Interpretation von jemand anderem ist ja keine falsche, nur eine andere." Anderthalb Jahre Schonfrist hat sie noch, um sich innerhalb des Studiums einen Namen zu schaffen. Und der Idealismus muss noch länger vorhalten: "Wenn man einen Preis gewinnt, heißt das noch lange nicht, dass man im Gespräch bleibt." Vielleicht trägt diese Münchner Werkstattinszenierung ein wenig dazu bei.</P>

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