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Pete Doherty (links) bei einem Auftritt mit den Libertines in Berlin.

Konzertkritik

„Idealzustand“: Pete Doherty in der Muffathalle

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Ganz nüchtern wirkte er nicht, der Anarcho unter den Rockstars. Pete Doherty lieferte in der Münchner Muffathalle eine Show an der Grenze zum Exzess. 

Mit einem „Guten Morgen“ begrüßt Pete Doherty (Foto: Ian Langsdon/ dpa) die Zuschauer nach den ersten Stücken. Blick auf die Uhr: kurz nach 22 Uhr. Langschläfer. Aber die Gäste in der Münchner Muffathalle dürfen sich trotzdem glücklich schätzen. Am Tag zuvor in Frankfurt ließ Doherty, so etwas wie der letzte Punk im Rock’n’Roll-Zirkus, seine Fans bis nach 23 Uhr zappeln, ehe er in halbtauglichem Zustand auf die Bühne trat. Begrüßt wurde er angeblich von entgegenfliegenden Bechern.

Das Münchner Publikum ist da schon versöhnlicher, auch wenn der britische Anarcho-Rockstar wieder nicht gerade nüchtern wirkt, als er mit offener Krawatte und Hose auf Halbmast über die Bühne torkelt. Aber was will man schon anderes erwarten von einem Pete Doherty, Verführer von Kate Moss und Amy Winehouse und Dauergast in der Entzugsklinik? „Idealzustand“, kommentiert ein Zuschauer. So kennen ihn seine Fans. So lieben sie ihn. Doherty, der personifizierte Exzess.

Der Mann mit dem Hut ist aber eben auch ein begnadeter Song-Schreiber. Und so führt er die rund 1100 Zuhörer durch einen Abend mit vielen neuen Stücken wie alten Hits, die er mit seinen Bands The Libertines und Babyshambles geschrieben hat. Dass seine Musiker immer wieder von vorne anfangen müssen, weil der Einsatz nicht stimmt oder Chef Doherty doch lieber erst ein anderes Stück spielen will, passt zur Attitüde. Als säße man in einem Bandkeller auf dem Sofa und beobachte einen Haufen Musikbegeisterter, die vorher fleißig den Getränke-Kühlschrank geplündert haben.

Musikalisch bleibt es bis zur Zugabe ein melancholischer, ja fast gediegener Abend. Aber dann packen Doherty und seine fünfköpfige Band erst ein beherztes Cover von Velvet Undergrounds „Ride into the Sun“ und danach die Babyshambles-Hymne „Fuck forever“ aus. Da lässt sich sogar das Publikum von seinem Lieblings-Langschläfer zu einem kleinen Exzess verleiten.

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