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Die Idee kam bei der Hochzeit

- Was für eine unternehmungslustige Frau. Sie spielt Klavier, sie malt, schreibt Gedichte, hält Vorträge an der Ludwig-Maximilians-Universität München über Kunstphilosophie im "Tao Te King" oder Musiktherapie in der traditionellen Medizin. Und initiierte 2001 die heuer noch bis Ende August laufenden "Chinesischen Kulturwochen": die Komponistin Aiqun Wang aus Xinjiang in Chinas fernem Westen, durch ihren deutschen Ehemann Wahl-Münchnerin seit 1994.

Schon im Jahr darauf veranstaltet sie im kleinen Gasteig-Konzertsaal einen Abend mit eigenen Liedern. 1998 dann die Gründung der "Akademie der Chinesischen Bunten Blätter" (CBB) - ihre erste größere Initiative, um Kultur- und Ausbildungsprojekte zu verwirklichen. "Die Idee dazu hatte ich schon bei unserer Hochzeit in Peking", sagt sie - in perfektem Deutsch.

Und so jugendlich schüchtern die zierliche 45-Jährige mit dem leicht mongolischen Mandelaugengesicht (ein paar Vorfahren sind aus dem Altai) auch wirken mag: Was sie plant, verwirklicht sich. Ihre unverkrampfte künstlerische Zielstrebigkeit sieht überall Vernetzungsmöglichkeiten. So entwickelte sie mit Yinan Li, einer studierten Germanistin mit US-Tanzausbildung und zur Zeit Dozentin an der LMU für zeitgenössisches chinesisches Theater, gerade ein Tanztheaterstück. Und startete bereits 2001 im Rahmen der Münchner Filmwochen mit dem Kino-Mann Stefan Döpke in der Pasinger Fabrik eine chinesische Film-Reihe. "Das Kulturreferat hat uns gleich unterstützt - aber selbst zu organisieren, das musste ich erst mal lernen." Und lächelnd: "In China ist alles staatlich organisiert." Von den "Volkskulturabteilungen" und den "Intellektuellen Zentren".

Die Tochter einer Musikerfamilie hat die Reglementierungen und Abartigkeiten der Kulturrevolution miterlebt. Eine Kindheit als Odyssee: Nach den Grenzzwischenfällen 1969 mit der UdSSR im Nordosten und Warnungen auch für Bewohner an der Nordwestgrenze, zunächst Evakuierung nach Peking, wo die Großmutter Verwandte hatte. Wegen der Umerziehung von Intellektuellen und Künstlern zu Arbeitern und Bauern geht es dann nach Hunan im Südwesten, nach Shanxi im mittleren Westen, wieder nach Peking und erst mit einer langsam sich beruhigenden Situation zurück in die Heimat.

"Für die Erwachsenen war es damals Feldarbeit, Studium der Mao-Bibel und endlose Fehlerbekenntnis-Sitzungen. Wir Kinder durften zur Schule gehen. Aber ich habe in diesen Jahren meine ganze Musikatmosphäre verloren", erzählt sie. Während dieser Zeit wird die kleine Aiqun von ihrer Großmutter betreut. Die Mutter, Pianistin und Musikpädagogin, tourt mit einem Ensemble durch ganz China - mit einem Programm aus Volksliedern. Auf dieses ungefährliche Musikgebiet hatte sie sich spezialisiert. Alles andere ist auch späterhin noch riskant. "Ich habe nach der Schule zu Hause verbotenerweise Klavier gespielt. Es klopften dann Leute an unsere Tür und fragten: Ist das kapitalistische oder revolutionäre Musik? Mit ,Fingerübungen für Kinder- haben wir uns aus der Klemme gezogen."

"Ich liebe Gedichte, sie inspirieren mich unmittelbar zur Musik."

Aiqun Wang

Eigentlich soll Aiqun Wang nach dem Abitur 1977 nochmal "aufs Land". Aber nach Maos Tod 1976 hatte sich einiges geändert. Sie kann gleich mit dem Musikstudium beginnen. Nur sind die akademischen Möglichkeiten zunächst karg: "Die Unis waren ja geschlossen worden, Hochschullehrer gab es keine mehr. Also holte man wieder die inzwischen umgeschulten ehemaligen Professoren, die in den 50er-Jahren ihre Ausbildung erhalten hatten."

Aiqun Wang beendet ihr Studium an der Pädagogischen Universität Xinjiang in den Fächern Klavier und Musikpädagogik 1982. Und ist dann zehn Jahre erfolgreich tätig an Akademien, Fachhochschulen, an der Staatsoper und für Staatsrundfunk und -fernsehen in Peking, sowohl als Korrepetitorin und Pädagogin, wie auch als Komponistin und Lyrikerin: "Ich liebe Gedichte, sie inspirieren mich unmittelbar zu meiner Musik. Für meine Oper ,Der Traum der Roten Kammer’ habe ich Gedichte aus dem gleichnamigen Roman von Cao Xue Qin vertont und erzählende Textpassagen poetisch umgeschrieben."

Gerade konzertant aufgeführt bei den "Chinesischen Kulturwochen" (wir berichteten), steht jetzt die Orchestrierung an "und die Suche nach einem Theater, auch nach Sängersolisten". Geld ist natürlich keines vorhanden - aber Aiqun Wang wird es doch irgendwie schaffen.

Noch bis 29. 8. Filme im Theaterzelt "Das Schloss". Für die Filme von Bingliu Hu und Zhou Sun werden am 30. 8., 14 Uhr, im Arri Kino Publikumspreise vergeben. Karten: 089/6907876 oder infochinesischebunteblaetter.de

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