Sperrung auf S4- und S6-Strecke – wann kommt Schienenersatzverkehr?

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An Ideen mangelt es nicht

- 75 Jahre Städtische Galerie im Lenbachhaus - das ist das richtige Datum für eine Bilanz und für eine Vorausschau gleichermaßen. Das Museum, das sich 30 Prozent der Ausgaben selbst erwirtschaftet und den Münchner mit rund drei Euro im Jahr belastet, steht vor einer dringend nötigen Sanierung. Momentan werden die Pläne hinsichtlich Einsparungsmöglichkeiten geprüft, im Frühjahr wird der Stadtrat darüber beraten. Direktor Helmut Friedel nutzt diesen Einschnitt dafür, seine Marschrichtung nicht nur für das nächste Jahr, sondern die nächsten Jahrzehnte vorzugeben.

Das Lenbachhaus hat sich von der Künstlervilla hin zu einem modernen Museum entwickelt. Was waren da die wichtigsten Meilensteine?<BR><BR>Friedel: Wir waren ursprünglich eine kommunale Galerie mit einem Schattendasein hinter den Pinakotheken und haben uns auf die Münchner Schule konzentriert. Nach den schrecklichen Nazijahren kam es zu einem raschen Neuanfang nach 1945. International wurde die Galerie durch die Schenkung Gabriele Münters 1957, die Erweiterung der Sammlung des Blauen Reiters und die Ausstellungen ab Mitte der 70er Jahre. 1980 ist dann mit Joseph Beuys der Kulturkampf entflammt, ob sich die Städtische Galerie nun öffnen soll. Ab 1994 wurden mit dem Kunstbau große Ausstellungen von internationalem Rang verwirklicht, viele Projekte entstanden zusammen mit den Künstlern. Zuletzt kam 2001 der Museumsplatz dazu.<BR><BR>Gibt es klare Highlights?<BR><BR>Friedel: Die höchsten Besucherzahlen hatten 1987 August Macke und 1998 Kandinsky. Aber das sagt nicht alles. Es gab bei uns wichtige thematische Ausstellungen wie die "Schattenrisse" oder "Der Kampf der Geschlechter", wo klar wurde, was in Bildern an Ideologie transportiert wird. Andere glückliche Momente sind, wenn Historie und Aktuelles zusammenfallen. Es wirkte sehr elektrisierend, wie die Klee-Zeichnungen von 1933 im Jahr des Irakkrieges gezeigt wurden. Man sah, wie schrecklich politische Auswirkungen für den Einzelnen sein können.<BR><BR>2005 haben Sie zehn sehr unterschiedliche Präsentationen vor . . .<BR><BR>Friedel: Der ehemalige Münchner Andreas Hofer wird zum ersten Mal in einem Museum präsentiert. Parallel dazu zeigen wir die junge Münchner Szene. Mit Phil Sims und Paolo Risi haben wir zwei Positionen zur abstrakten Malerei aus den USA und Italien. Trotz der schwierigen Finanzlage gibt es auch zwei Großprojekte klassischer Natur: Das ist Gerhard Richter, der 1973 seine erste Museumsausstellung im Lenbachhaus hatte und der sich selbst sehr stark engagiert hat. Die wohl attraktivste Schau für das Publikum wird Franz Marc sein. Seit Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Werkverzeichnis und präsentieren nun die umfangreichste Ausstellung seit der Retrospektive 1916 kurz nach seinem Tod.<BR><BR>Sie setzen also einerseits auf die großen Publikumsrenner, andererseits widmen Sie sich der ganz jungen Kunst. Sind diese Gegenpole Ihr künftiges Konzept?<BR><BR>Friedel: Wir werden weiterhin diesen Spagat wagen. Wir sind keine Ausstellungshalle, sondern eine Sammlung mit einer bestimmten Verpflichtung. Je älter wir werden, desto fundierter wird die Basis. Es ist dabei sehr spannend, die Kunst des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts der von heute gegenüber zu stellen. Das ist auch die einzige Chance, unsere Position gegenüber anderen Häusern zu halten. Im Unterschied zur Pinakothek der Moderne beispielsweise bleiben wir, mit einer gewissen Risikobereitschaft, noch mehr an den ganz jungen Künstlern dran.<BR><BR>Sehen Sie das immer größer werdende Angebot in München eher als Konkurrenz oder als Ansporn?<BR><BR>Friedel: Als Ansporn. Es ist doch für alle gut, wenn mehr los ist. Bisher konnten wird dadurch das eigene Profil behalten und schärfen. An Ideen mangelt es auch nicht, da ist man eher froh, wenn andere Bereiche von Kollegen übernommen werden.<BR><BR>Welche Ziele wollen Sie im eigenen Haus verwirklichen?<BR><BR>Friedel: Wir sind ein Haus für eine lebendige Auseinandersetzung. Unser Angebot an Künstlergesprächen und Diskussionsabenden wird zunehmend angenommen. Es ist mit eine der großen Aufgaben des Museums der Zukunft, Lernprozesse zu begleiten. Es ist eine Bereicherung des Lebens, wenn man über Kunst mehr erfährt.<BR><BR>Und wie schauen dazu die konkreten Ausstellungsvorhaben aus?<BR><BR>Friedel: Das wäre die ultimative Kandinsky-Ausstellung, zusammen mit dem Guggenheim-Museum, dem Centre Pompidou und der Eremitage: die hundert wichtigsten Werke mitsamt den gewaltigen neuen Erkenntnissen. Dann haben wird auch mit dem Münter-Werkverzeichnis angefangen, das sind die sicheren Projekte. Noch spannender aber ist das Unsichere, das die Zukunft bringt. <BR><BR>Das Gespräch führte Freia Oliv

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