"Idomeneo" bald wieder auf dem Spielplan der Deutschen Oper

- Berlin/Paris - Die aus Furcht vor Islamisten abgesetzte Mozart-Oper "Idomeneo" wird vermutlich bald wieder auf dem Spielplan der Deutschen Oper Berlin stehen. "Der frühestmögliche Zeitpunkt ist Dezember, sobald wir Grünes Licht von Landeskriminalamt und der Innenverwaltung mit einem entsprechenden Sicherheitskonzept haben", sagte Opernsprecher Alexander Busche am Mittwoch der dpa. Die Intendantin Kirsten Harms sei sich mit dem Berliner Kultursenator Thomas Flierl darin einig, die Oper so bald wie möglich wieder aufzunehmen.

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Die Inszenierung von Hans Neuenfels war von der Intendantin nach einem warnenden Anruf von Berlins Innensenator Ehrhart Körting vom November-Spielplan abgesetzt worden. Eine konkrete islamistische Bedrohung gab es aber nicht. Im Schlussbild der Inszenierung werden die abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha, Mohammed und Poseidon auf die Bühne gebracht. Die Absetzung war bei Künstlern und Politikern bis hin zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf heftige Kritik gestoßen.

Auch Generalmusikdirektor Daniel Barenboim von der Staatsoper Unter den Linden kritisiert die Absetzung massiv als eine Beleidigung der "Intelligenz einer Großzahl von Muslimen". In einem Beitrag für die Pariser "Le Monde" (Donnerstagausgabe) schreibt Barenboim: "Der Furcht nachzugeben wird die Fundamentalisten nicht beschwichtigen, die in jedem Fall keinerlei Absicht haben, sich zu beruhigen, und es wird auch in keiner Weise den aufgeklärten Muslimen helfen, die den Fortschritt und den Dialog anstreben." Geschehen sei das "genaue Gegenteil eines Dialogs", bemängelt der israelische Künstler, der seit langem für eine Annäherung von Arabern und Israelis eintritt.

Jetzt will Körting eine neue Gefährdungsanalyse für die Deutsche Oper "zeitnah" erstellen. "Die Gefährdungseinschätzung soll es der Oper ermöglichen, eine Entscheidung zu treffen", sagte Körting am Mittwoch der dpa.

Details zur eventuellen Absicherung der Opernabende könnten aber erst in einem zweiten Schritt festgelegt werden. Dies hänge beispielsweise davon ab, ob an einem solchen Abend eine Demonstration geplant sei. Körting fügte ergänzend hinzu, dass die Oper und die Kulturverwaltung von der Sicherheits-Einschätzung der Innenverwaltung unterrichtet würden. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme sei jedoch Sache der Oper.

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