"Idomeneo" in Berlin wieder aufgeführt

- Berlin - Massiver Polizeischutz, die Weltpresse war gekommen, Blitzlichtgewitter für Promis und Politiker - doch am Ende blieb von der mit Spannung erwarteten Wiederaufführung der umstrittenen "Idomeneo"-Inszenierung in Berlin nicht mehr als eine politische Demonstration für die Freiheit der Kunst. Künstlerisch enttäuschte die Aufführung der Mozart-Oper am Montagabend in der nicht einmal ausverkauften Deutschen Oper - etwa 250 von 1800 Plätzen blieben leer.

Nur etwas Buhgeschrei und "Aufhören"-Rufe begleiteten die Rückkehr der Inszenierung von Regisseur Hans Neuenfels auf den Spielplan. Wegen des abgeschlagenen Kopfs des Propheten Mohammed im Schlussbild hatte das Haus die Produktion aus Angst vor islamistischem Terror vor drei Monaten gestrichen.

Rund um das Opernhaus herrschte Ausnahmezustand. Kontrollen wie auf dem Flughafen, Leibwächter in Zivil und Uniformierte in Grün: Zahlreiche Politiker und etwa 250 Journalisten aus aller Welt hatten sich für die Wiederaufführung angekündigt. Kamerateams und Reporter befragten das Publikum, die TV-Sender 3Sat und der Rundfunk-Berlin- Brandenburg sendeten live aus dem Foyer. Die Gäste mussten Metalldetektoren passieren und Taschenkontrollen über sich ergehen lassen. "Noch nie haben wir eine Opernveranstaltung derart abgesichert", sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski.

Die Absetzung der Oper hatte nach dem Streit um die Mohammed- Karikaturen Sorgen um die Kunstfreiheit neu entfacht. Nach der Schlussszene, in der die abgeschlagenen und Blut triefenden Köpfe der Religionsstifter Jesus, Buddha und Mohammed sowie des griechischen Gottes Poseidon präsentiert werden, übertönte ein langer und demonstrativer Applaus die vereinzelten Unmutsrufe.

Zwischen Sicherheitsschleusen und Sektgläsern waren unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) gekommen. "Das war eine politische Demonstration für die Kunstfreiheit", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klas Wowereit (SPD). Als Zuschauer könne man über die Aufführung jedoch geteilter Meinung sein. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erneuerte seine Kritik an der Absetzung und sprach von einer "unvernünftigen" Entscheidung. Schäuble sagte, es sollte jedem frei gestellt werden, sich die Inszenierung anzuschauen. "Es muss keiner in die Deutsche Oper kommen, der das nicht will", sagte der Minister.

Der Minister hatte auf Anregung muslimischer Teilnehmer alle Mitglieder der Deutschen Islam-Konferenz dazu eingeladen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, und der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, sagte jedoch ab. Vertreter beider Kirchen zeigten Verständnis für die Ablehnung. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, sprach von einem "religionsfeindlichen Spektakel".

Intendantin Kirsten Harms meinte, es sei Zeit wieder über Kunst zu sprechen. Die blieb bei der von ihr verantworteten Aufführung allerdings auf der Strecke. Ein äußerst schwaches Ensemble präsentierte sich dem Publikum. Das Orchester unter Leitung von Ralf Weikert schleppte sich dahin, Raúl Gimenez in der Titelpartie war hörbar überfordert, nur Nicole Cabell als trojanische Sklavin Ilia strahlte musikalischen Glanz aus.

Harms, die wegen der Absetzung heftig kritisiert worden war, rechtfertigte erneut ihre damalige Entscheidung. Im Grunde wisse niemand, "wie man sich auf die neue Situation von Terrorismus und gewaltbereiten Menschen einstellen soll". Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, äußerte sich zurückhaltend. Er habe die Inszenierung "gut" gefunden, die Absetzung im September aber für überzogen gehalten. "Abstrakt gefährdet sind wir alle zu jeder Zeit", unkte Staeck. Als nach dem Schlussvorhang sich die Buhrufe und der Applaus mischten, seufzte eine ältere Opernbesucherin laut: "Macht mir den Mozart nicht kaputt."

www.deutscheoperberlin.de

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