Idylle, Ideal und Sehnsucht

- "Wenn man diese Bilder anschaut, so fühlt man, warum die Natur schön ist." So schrieb 1838 Bettina von Arnim über die idyllischen Italienbilder des Malers Carl Blechen. Mit ähnlicher Begeisterung kann man heute gleich zwei Sehnsucht schürenden Ausstellungen begegnen, die in München einmal mehr die Zitronen zum Blühen bringen.

<P class=MsoNormal>"Kennst du das Land", fragt nicht nur der große Dichtungsreisende Johann Wolfgang von Goethe, sondern auch die Neue Pinakothek im Titel "Italienbilder der Goethezeit". Die Antwort auf diese Frage ist: nein. Denn in einer solchen Bilder-Farben-Fülle, in der sich hier der schöne Süden präsentiert, möchte man ihn immer wieder neu entdecken. Als "topographische Bilderreise durch Italien" gliedert sich die große Entdeckungsschau der Landschaftsmalerei - entstanden unter der Betreuung auch von 13 Promotionsstudenten der Ludwig-Maximilians-Universität als Einblick in die museale Vermittlungsarbeit - in vier Stationen: Von den Ideallandschaften Hackerts oder Kochs mit ihren Ziegenhirten, Regenbögen und heroischen Felsen, führt der Weg nach Rom.</P><P class=MsoNormal>Hier erfrischen etwa die lieblichen Stadtansichten Johann Georg von Dillis'; Ausflüge in die Campagna zeigen nun auch eine wilde Idylle fernab des paradiesischen Ideals. In einem gelb-weiß gestreiften Sonnenzelt behaupten Johann Christian Reinharts großformatige Ausblicke von der Villa Malta einen neuen, majestätischen Platz.</P><P class=MsoNormal>Im Rom-Raum kann die Neue Pinakothek fast ausschließlich auf Bestände der Staatsgemäldesammlungen zurückgreifen; beim dritten Thema "Golf von Neapel, Sorrent und Capri" sprüht der Vesuv hingegen höchst bedrohlich etwa in Leihgaben aus Kassel, Wien und Frankfurt. Der letzte Bereich schließlich erzählt von der späten malerischen Entdeckung (1770/80) eines karg antiken Siziliens in Ölgemälden wie Grafiken von Schinkel bis zu Goethe selbst.</P><P class=MsoNormal>Das gleiche Land, die gleichen Motive, ein paar Jahrzehnte und ein neues Medium später: Im Keller der Neuen Pinakothek verbreiten 140 Rom-Fotografien aus der Sammlung Dietmar Siegerts ein geheimnisvolles Licht, erobert zwischen 1846 und 1870. Im Mittelpunkt der hier präsentierten Malerfotografen: der Brite James Anderson (1813-1877). Wie viele seiner Kollegen war er ausgebildeter Maler, suchte nun geometrische Schönheit und natürlichen Beleuchtungszauber auch im gerade erst entdeckten fotografischen Verfahren festzuhalten. Seine Bilder strahlen den menschenleeren Frieden einer nachmittäglichen Siesta aus, gleichzeitig erzählen sie von der Zerbrechlichkeit des Alters. Genau wie Carl Blechens friedlich leuchtender "Nachmittag auf Capri" oder Goethes "Italienische Reise" sind sie die Dokumente eines tiefen Fernwehs namens Italien. </P>Vom 4. Mai bis 31. Juli. Info: 089/ 23 80 51 95; Kataloge: 39,90, 28 Euro.<P class=MsoNormal> </P><P class=MsoNormal> </P>

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