"Ihr seid so unsexy"

- Die Teppichböden - 10 000 Quadratmeter Foyer-Fläche in Rottönen, mit Winkel- oder Punktmustern à` la 70er-Jahre, seit dem Saisonstart der Philharmoniker heftig umstritten: Das ist das Deutlichste, was dem Besucher des Münchner Gasteig derzeit ins Auge sticht. Auch die neuen Buffet-Theken mit eingebauten Glas-Vitrinen, dahinter große, weiß illuminierte Flächen.

<P>Überdies die nun helle, freundliche Büro-Situation bei der VHS-Einschreibung. Dazu die Beleuchtung am Carl-Orff-Saal - indirektes oder direktes Licht in verschiedenen Farben aus dafür eigens konstruierten Lampen in der Kassettendecke: Rund zehn Millionen Euro investiert die Stadt in diesen Innenumbau des trutzigen Klinker-Klotzes an der Isar. Doch ein höherer Betrag, 11,8 Millionen nämlich, fließt in die technische Modernisierung, in Maßnahmen also, von denen der Gasteig-Gänger nichts mitbekommt. Brigitte von Welser, Geschäftsführerin des Kulturzentrums, nennt unter anderem: "ein einheitliches Streckennetz für die Datenverarbeitung, die neue Telefonanlage und die neue Brandmeldetechnik."</P><P>Jetzt ist Halbzeit bei der Renovierung des Gasteig, man liege "mit minimaler Verzögerung" (von Welser) im Zeitplan, in der gerade beendeten Sommerpause, bei ruhendem Konzert-Betrieb also, wurde besonders intensiv gearbeitet. Zum Leidwesen der dort beheimateten Institutionen: Allein 100 Klaviere mussten für einige Zeit aus dem Richard-Strauss-Konservatorium geschafft werden. Während des Filmfestes war der Gasteig bereits Baustelle, derzeit sitzt die Philharmoniker-Verwaltung in Containern, beschönigend "Interimsgebäude" genannt: "Unsere Mieter ziehen trotzdem großartig mit", lobt die Gasteig-Chefin.</P><P>Brigitte von Welser schwebt nicht nur eine Modernisierung, sondern vor allem eine Verschönerung der Innenarchitektur vor. "Ihr seid so unsexy", habe sie oft von Veranstaltern zu hören bekommen. Die interessierten sich nämlich nicht nur für die Säle, sondern auch für die Foyers. "Kultur-Veranstaltungen werden immer mehr ,eventisiert. Diese Nachfrage wollen wir bedienen." Heller, luftiger, freundlicher, ein bisserl bunter solle der Gasteig werden, weshalb sämtliche Infotheken, bald auch Tages- und Abendkassen einem Lifting unterzogen werden. Ungewöhnlich verspricht die Außenverkleidung der Black Box zu werden. Die nämlich kann demnächst über eine elektronische Steuerung in verschiedenen Farben oszillieren - was die spezielle Studio-Situation dieses Raumes innerhalb des Gasteig-Gefüges noch unterstreicht.</P><P>Brigitte von Welser ist froh, dass der Innen-Umbau von der Stadt vor dem großen finanziellen Einbruch abgesegnet wurde. Im März 2005 sollen, nach der Renovierung des Café´s und der Kantine, alle Maßnahmen abgeschlossen sein. "Im November 2005, beim 20-jährigen Jubiläum des Gasteig, haben wir dann definitiv ein neues Haus."</P><P>Sie selbst habe sich für die Foyers Holzböden gewünscht. Doch aus Gründen der Lärmverträglichkeit seien Teppiche notwendig. Wie überhaupt Brigitte von Welser noch eine lange Wunschliste für "ihr" Kulturzentrum in der Schublade hat. Darauf finden sich etwa eine in den Innenhof erweiterte Glashalle unter anderem für Ausstellungen, eine Überdachung des gesamten Forums, damit Veranstaltungen ins Freie verlagert werden können. Und sogar ein Dachrestaurant. Doch die Gasteig-Chefin weiß selbst: "Das sind die ganz großen Blütenträume. OB Christian Ude hat schon gesagt: Jetzt ist erst einmal Schluss."</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach dem Aus für den Echo: Darum muss ein neuer Preis her
Der Echo hat wegen der Preisverleihung für die Rapper Kollegah und Farid Bang schweren Schaden genommen. Jetzt wird der Award eingestampft. Doch das kann nicht der …
Nach dem Aus für den Echo: Darum muss ein neuer Preis her
Schormann soll neue documenta-Geschäftsführerin werden
In Kassel, der Stadt der Weltkunstausstellung namens documenta, steht die Kulturszene kurz still. Denn des gibt eine neue documenta-Geschäftsführerin.
Schormann soll neue documenta-Geschäftsführerin werden
Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Verhandlungen beendet: Das Bregenzer Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur erhält wohl endgültig den Zuschlag für das Münchner Konzerthaus. Am kommenden Mittwoch debattiert …
Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
Nach dem Kollegah und Farid Bang einen Echo bekommen haben, stehen die beiden nun ohne Plattenfirma da. Das Musikunternehmen BMG stoppte die Zusammenarbeit mit den …
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang

Kommentare