Licht aus, Spot an: Ilja Richter präsentierte „40 Jahre Disco“ – auch wenn manchmal die Scheinwerfer besser ausgeblieben wären. foto: dorothee falke

Ilja Richter: Butterfahrt der Discosaurier

München - Nostalgie pur: Ilja Richter katapultiert das Publikum bei seiner Show im Circus Krone in die wilden Siebziger.

Licht aus, Spot an! Doch die Scheinwerfer wären besser ausgeblieben. Denn die Retro-Sause „40 Jahre Disco“ mit Ilja Richter im Circus Krone bewies: Nostalgie ist nicht zwangsläufig eine gute Idee und kultig. Vieles wirkte eher traurig auf der musikalischen Butterfahrt in die Siebziger, beim Jahrestreffen der Discosaurier. Und Iljas Sketche, schon 1971 gefürchtet, sind 2011 erst recht nur ein Fall für sehr hartgesottene Prilblumenzüchter und Flokati-Fetischisten.

Dabei hatten sich die Macher der Show im gut besuchten Krone durchaus Mühe gegeben - das Original-Disco-Logo schwebte über der Bühne, Iljas orange Moderatorenkanzel wurde ebenfalls ausgegraben. Der Look, ein Kessel Kunterbuntes, stimmte - die Musik leider nicht.

Sally Carr, Sängerin von Middle of the Road, die dolle Schotten-Blondine von einst, ist mit 66 stimmlich schwer mitgenommen, was für ein Jammer. Ihre Band irrte zudem arg arhythmisch durch „Soley Soley“, „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“ und „Sacramento“. Barfuß-Schwede Harpo (61), der durch einen Pferdetritt ein Auge eingebüßt hat, machte bei „Horoscope“ und „Moviestar“ auch einen eher mitgenommenen Eindruck. Nicht falsch verstehen: Wir werden alle älter und nicht schöner - dies aber hoffentlich mit einer gewissen Würde, die diesen Auftritten leider abging. Immerhin: Chris Andrews sieht mit 68 zwar gespenstisch wie eine Mischung aus Gerd Rubenbauer und allen drei Flippers aus, sorgte aber mit „Pretty Belinda“ und „Yesterday Man“ für Stimmung.

Den Rest der Sause bestritt die brave Showband „Night Fever“ - und natürlich Ilja Richter, der Heino, Hallervorden und die Biene Maja parodierte. Nostalgikern sei empfohlen: Kaufen Sie sich die „40 Jahre Disco“-DVD-Box, dann können Sie bei Iljas Sketchen vorspulen und noch einmal sehen, wie doll Sally Carr war, damals bei Disco ‘72.

Jörg Heinrich

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