+
Bald kehrt das Publikum zurück: Blick in den Zuschauerraum des Münchner Gärtnerplatztheaters.

Ausblick auf die Spielzeit 2017/18

So plant das Gärtnerplatztheater seine Rückkehr

  • schließen

München - Im Herbst kehrt das Münchner Gärtnerplatztheater in sein renoviertes Stammhaus zurück. Jetzt hat Intendant Josef E. Köpplinger seine Pläne für die erste Spielzeit in der Heimat nach fünfjähriger Wanderschaft durch die Stadt vorgestellt. 

Wie genau der Schlüssel aussieht, ob groß und golden oder klein und sicherheitsgezackt, das ist nicht klar. Fest steht: Am 22. Juni wird er übergeben. Dann kann das gesamte Gärtnerplatz-Team endlich zurück in die Heimat, nach fünfjähriger Wanderschaft durch Reithalle, Cuvilliés- und Prinzregententheater, Theaterzelt und Circus Krone. Anders als im Falle der Berliner und Kölner Musentempel steht der Einzugstermin für Münchens renovierte Volksoper also fest. Und dann dürfte der Betrieb dank der Intensivproben erst richtig heißlaufen. Neun Premieren hat Intendant Josef E. Köpplinger für die nächste Saison angekündigt, dazu kommen zwölf Wiederaufnahmen. Letzteres ist nicht ohne: Alle Inszenierungen, die in den vergangenen Jahren herauskamen, müssen ins Stammhaus mit seinem anderen Bühnenformat eingepasst werden.

Am 14. und 15. Oktober gibt es eine Eröffnungsgala 

Wiedereröffnet wird das Gärtnerplatztheater nicht mit einem Premierenspektakel für Münchens Adabeis, sondern am 14. und 15. Oktober mit einer Eröffnungsgala. Das ganze Ensemble wird sich dabei präsentieren, schon am 8. Oktober gibt es einen Tag der offenen Tür. Eigentliche Eröffnungspremiere ist dann am 19. Oktober Franz Lehárs „Lustige Witwe“, die Köpplinger selbst inszeniert. Die Wahl hat es in sich. Das Stück war Hitlers Lieblingsoperette, die er sich besonders gern am Gärtnerplatz gönnte. Der Intendant dürfte darauf reagieren. Köpplinger will die Handlung ins Jahr 1914 verlegen und einen stummen Tod auftreten lassen.

Josef E. Köpplinger

Überhaupt traut sich der Prinzipal so einiges. „My fair Lady“ als weitere Premiere, da denkt jeder sofort an die legendäre Everding-Produktion mit Helmut Griem, Cornelia Froboess und Lambert Hamel. Köpplinger selbst riskiert eine Neudeutung, die Froboess kehrt dafür in der kleinen Rolle der Mrs. Higgins wieder. Außerdem gibt es keine Berliner, sondern eine bayerische Fassung.

Mutig ist es auch, John Neumeiers jahrzehntelang laufendem „Nussknacker“-Hit an der Bayerischen Staatsoper eine Version entgegenzusetzen, Karl Alfred Schreiner, Ballettchef am Gärtnerplatz, choreografiert. Und ganz besonders stark müssen Operettenfans im Juni 2018 sein. Zeichnete sich die leichte Muse in der Ära Köpplinger durch hochklassiges Handwerk mit Wohlfühlgarantie aus, legt nun Peter Konwitschny Hand an „Der tapfere Soldat“ von Oscar Straus. Jener Regisseur also, der nicht nur die Regie-Geschichte der jüngeren Zeit prägte mit seinen intelligenten bis schonungslosen Stückbefragungen, sondern 1999 der Dresdner Semperoper mit der „Csárdásfürstin“ einen Aufreger bescherte: Konwitschny schickte etwa einen kopflosen Soldaten über die Bühne.

„Die weiße Rose“ als Aufführung für Schulen

Gewohnt umfangreich ist das Begleitprogramm, wobei Köpplinger die erste Zeit auf die Bremse treten möchte: Man wisse ja nie, ob ein saniertes Haus wirklich bis ins Detail funktioniere, wie er auf der Saison-Präsentation erläuterte. Immerhin bietet man zum Beispiel die Münchner Wiederaufführung von Udo Zimmermanns „Die weiße Rose“. Die Kammeroper kommt im März 2018 auf der neuen Studiobühne heraus und kann im Rahmen der Aktion „Musiktheater mobil“ von Schulen gebucht werden.

Trotz der überlangen Sanierungsphase verzeichnet man eine Platzauslastung von knapp 88 Prozent. Die Spielzeit 2017/ 2018 mit ihren über 200 Vorstellungen bietet übrigens auch einen musikalischen Neuanfang. Als Chefdirigent kommt Anthony Bramall, der drei Premieren betreut. Köpplinger selbst ist auch eine Art Frischling im Stammhaus. Dort war er bislang nur zweimal als Gast-Regisseur aktiv: Seine Intendanz startete gleichzeitig mit der sanierungsbedingten Exil-Phase. Die war bekanntlich viel kürzer gedacht, eigentlich sollte „eines der schönsten Theater Europas“ (Köpplinger) im vergangenen Herbst wiedereröffnet werden. Wenn der Vorhang also in diesem Herbst aufgehe, dann, so der Hausherr, „ist wirklich Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Namenstag zusammen“.

Die Premieren im Überblick

Musiktheater:

„Die lustige Witwe“ von Lehár am 19.10.2017 (Dirigent: Anthony Bramall, Regie: Josef E. Köpplinger) 

„Priscilla – Königin der Wüste“ von Elliott/ Scott am 14.12.2017 (Jeff Frohner, Gil Mehmert) 

„Der Wildschütz“ von Lortzing am 20.1.2018 (Michael Brandstätter, Georg Schmiedleitner) 

„My fair Lady“ von Loewe am 13.2.2018 (Andreas Kowalewitz, Josef E. Köpplinger) 

„Maria Stuarda“ von Donizetti am 22.3.2018 (Anthony Bramall, Michael Sturminger) 

„Pumuckl“ von Wittenbrink/ Weber am 19.4.2018 (Andreas Kowalewitz, Nicole Claudia Weber) 

„Der tapfere Soldat“ von Straus am 14.6.2018 (Anthony Bramall, Peter Konwitschny).

Ballett: 

„Der Nussknacker“ zur Musik von Tschaikowsky am 23.11.2017 (Dirigent: Kiril Stankow, Choreografie: Karl Alfred Schreiner) 

„La Strada“ nach Fellini am 12.7.2018 (Michael Brandstätter, Marco Goecke).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker setzen ihren Bruckner-Zyklus mit der Achten fort. Eine Enttäuschung.
Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Christine Nöstlinger ist gestorben
Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Freitag der Residenz-Verlag in Wien. 
Christine Nöstlinger ist gestorben
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Das ist auch eine kulturpolitische Entscheidung mit Blick auf den Konzertsaal: Mariss Jansons bleibt seinem Orchester ungewöhnlich lang erhalten.
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.