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Stohead hat nicht nur die Fassade des neuen Museums gestaltet, sondern auch bei der Vernissage gezeichnet. 

So ist die erste Ausstellung in Münchens neuem Museum für Streetart

Im MUCA ist nicht alles Dose

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Mit der Calligraffiti-Schau „The Art of Writing“ feiert das MUCA, Münchens neues Museum für Streetart, die Schrift. Ein Rundgang durch die Ausstellung: 

Am Anfang war das Wort. Und als die Menschen anfingen, Erzähltes aufzuschreiben, brachten sie die Zivilisation ein ordentliches Stück voran. Es ist daher ein schlauer Gedanke, dass sich Münchens neues Museum, das MUCA, in seiner ersten Ausstellung nach mehrmonatiger Aufwärmphase der Kunst des Schreibens widmet. Außerdem war das – zugegeben nicht immer legale – „Tagging“ und „Writing“ von Beginn an elementarer Baustein der Straßenkunst sowie der damit eng verbundenen Hip-Hop-Kultur.

Deutschlands erstes Museum für Streetart

„Characters – The Art of Writing“ heißt die Schau, die von heute an im MUCA zu sehen ist. Der Name des Hauses steht für „Museum of Urban and Contemporary Art“ und ist nach eigenen Angaben Deutschlands erstes Museum für Streetart. „Nicht alles ist Dose“, erläutert Stephanie Utz, die das Haus zusammen mit ihrem Mann Christian gegründet hat, das Konzept – und meint damit: Graffiti, die Kunst aus der Spraydose, ist eine Ausdrucksform der Urban Art, aber nicht die einzige.

Die Auftakt-Ausstellung ist angenehm großzügig eingerichtet und gibt so den oft großformatigen Arbeiten den Raum, den diese benötigen. Alle sieben Künstler und Künstler-Duos, die gezeigt werden, eint die Hinwendung zur Schrift als bildnerischem Element. Eine Entdeckung sind dabei Tarek Benaoums Bilder. Der Marokkaner, Jahrgang 1978, schöpft aus der Detailversessenheit der arabischen Kalligrafie, die er mit lateinischen Buchstaben und geometrischen Formen kraftvoll verschmilzt. Das mag dekorativ ausschauen – ist vor allem aber: eine Feier des niedergeschriebenen Wortes, das es vermag, die Welt ebenso klar zu strukturieren wie fantasievoll auszuschmücken.

„Wir zeigen zu 99 Prozent lebende Künstler“

Mit der heutigen Vernissage endet für das Museum an der Hotterstraße in der Münchner Innenstadt auch die lange Zeit des Vorlaufs. Seit vergangenem Dezember waren einzelne Räume des ehemaligen Umspannwerks der Stadtwerke öffentlich zugänglich. Das Publikum, so die Idee der MUCA-Macher, sollte am Entwicklungsprozess des neuen Ausstellungsortes beteiligt werden. Mit einer ersten, eher didaktisch konzipierten Schau wurden die Besucher in den zurückliegenden Monaten herangeführt an Streetart, an ihre Bildsprachen und Darstellungsformen.

Deren Vertreter sind längst auf dem Weg aus der Illegalität und rein in die Museen sowie in den lukrativen Kunstmarkt. „Wir zeigen zu 99 Prozent lebende Künstler“, weist Stephanie Utz auf einen Unterschied zu vielen etablierten Kunsttempeln hin. Ein Vorteil, den die Verantwortlichen nutzen wollen, um für ihre Besucher die Entstehung einzelner Werke unmittelbar erfahrbar zu machen.

Said Dokins gestaltet ein Mural

Gegenüber dem Gebäude arbeitet Said Dokins noch bis zum 14. Juli an einer eindrucksvollen Wandmalerei, einem sogenannten Mural. Was dort letztlich zu sehen sein wird, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Der Mexikaner beschäftigt sich ebenso intensiv mit mittelalterlicher europäischer Kalligrafie wie mit arabischer, aber auch mit asiatischen Schriftzeichen. Alle sechs bis zwölf Monate wollen die Museumsleute künftig andere Künstler einladen, um Dokins’ Arbeit zu ergänzen – vielleicht sogar zu übermalen.

Das Mural bringt dank der großzügigen Verglasung des Museums die Straße zurück ins Haus. Ein schöne Idee, obgleich die Debatte, ob Streetart überhaupt ausgestellt werden sollte, eine eher akademische ist. Zahlreiche Künstler suchen längst Museen als eine Art Schutzraum, berichtet Stephanie Utz – um ohne Sorge vor juristischem Ärger und Zerstörung ihrer Arbeiten experimentieren zu können. In München haben sie nun eine spannende, lebendige Heimat.

Informationen:

„The Art of Writing“ ist bis 31. August in der Hotterstraße 12 zu sehen, Öffnungszeiten täglich außer Di. von 10-20 Uhr.

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