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Achtung, diese Aufnahme ermöglicht nur eine kleine Ahnung davon, wie die 3D-Videoinstallation von Kraftwerk im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses wirkt. Die Besucher der Ausstellung tragen 3D-Brillen, so scheint es dann, als griffen die Roboter weit in den Raum hinein. Unser Motiv ist ein Ausschnitt aus dem Bilderreigen zu dem Titel „Die Roboter“ vom Kraftwerk-Album „Die Mensch-Maschine“ (1978).

Im-Puls der Zeit: Kraftwerk bespielen Lenbachhaus

München - Ein Glücksfall: Die Musiker von Kraftwerk bespielen den Kunstbau des Lenbachhauses mit einer 3D-Videoinstallation. Was genau geplant ist:

Nein, das Folgende ist keine Übertreibung: Die neue, von der Band Kraftwerk konzipierte Ausstellung im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses kommt dem, was gemeinhin als „Sensation“ bezeichnet wird, wirklich schon sehr, sehr nahe. Und das in zweifacher Hinsicht. Allein, dass Lenbachhaus-Chef Helmut Friedel und sein Kurator Matthias Mühling die vier „Musik-Arbeiter“ (Kraftwerk über Kraftwerk) dazu überreden konnten, für den Kunstbau eine 3D-Videoinstallation zu entwerfen und einzurichten, ist bemerkenswert. Die Schau selbst ist es auch.

Kraftwerk wurde im Jahr 1970 gegründet – und sind damit quasi Adam und Eva der elektronischen Musik in Personalunion. Die Band aus Düsseldorf bereitete den Weg für Stile wie Hip-Hop, House, Techno oder Synthie-Pop. Mit Stücken wie „Autobahn“ (1974) oder „Das Model“ (1978) schrieb Kraftwerk Musikgeschichte.

Doch was hat das alles nun mit bildender Kunst zu tun? Sehr viel. Denn von Beginn an war Kraftwerk eine Band, die visuell dachte und arbeitete. In der stilisierten Zeichensprache moderner Computer- und Arbeitswelten fand und findet das öffentlichkeitsscheue Quartett die Bilder zu ihrer Musik, ihren Themen. Kraftwerk-Konzerte (etwa gestern in Münchens Alter Kongresshalle, die Kritik lesen Sie morgen) sind multimediale Performances und brachten der Band bereits eine Einladung zur Biennale nach Venedig.

Bezugspunkt von Kraftwerk sei schon immer auch die künstlerische Vorkriegs-Avantgarde gewesen, erklärt Kurator Matthias Mühling: Kandinsky und Mondrian etwa, aber auch Fritz Langs expressionistischer Stummfilm „Metropolis“ aus dem Jahr 1927, dem Kraftwerk auf der Platte „Die Mensch-Maschine“ (1978) ein musikalisches Denkmal setzte.

Da ist es also nur logisch, den Kunstbau jetzt für Kraftwerk leerzuräumen, nachdem zuletzt an selber Stelle „Mondrian und De Stijl“ gefeiert wurde. Für ihre 3D-Videoinstallation lassen die Künstler an alle Besucher 3D-Brillen verteilen. Während im Ausstellungsraum – erstaunlich gut ausgesteuert – viele der wichtigsten Kraftwerk-Nummern zu hören sind, erlebt der Besucher auf drei großen Projektionsflächen die Videoarbeiten – raumgreifend, weil dreidimensional: Da pulsiert das Atomzeichen bei „Radioaktivität“ aus der Wand, da schwimmen die Augen bei „Computerwelt“ in der puren, den Raum flutenden Schönheit reduzierter Ästhetik: Der Titel stammt aus dem Jahr 1981, nach den Enthüllungen um den „Staats-Trojaner“ klingt er aber wie ein aktueller politischer Kommentar.

Die „Verschränkung der Künste“ sei eine immer wieder einzulösende Forderung, zitierte Lenbachhaus-Direktor Helmut Friedel aus dem im Jahr 1912 von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“. Die Kraftwerk-Installation erfüllt diese Forderung. Eindrucksvoll.

Bis 13. November,

Telefon 089/ 233 320 00.

Von Michael Schleicher

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