Immer ein Stück weiter

- Sie ist zwar die älteste, berühmteste und am schönsten gelegene Kunst-Biennale der Welt, trotzdem will sich "la Biennale di Venezia" im Reigen der globalen Groß-Ausstellungen noch besser positionieren. Ab 12. Juni ist es wieder so weit. Dann wird die Schau in der Serenissima eröffnet sein, und man wird feststellen können, ob sich die neue Biennale-Stiftung schon bewährt hat. Sie hat nicht nur die bildende Kunst, sondern auch Film, Architektur, ja Tanz und Theater im Auge und will über längere Zeiträume hinweg planen können. Unter Präsident Davide Croff sind heuer zwei Spanierinnen am künstlerischen Kuratoren-Zug: die Direktorinnen María de Corral und Rosa Martínez.

Traditionell sind alle Nationen in Venedig unabhängig: Sie besitzen in den Giardini - ein herrlicher Park im urbanen Stein-Gebirge Venedigs - ihre eigenen Mini-Hallen und entscheiden allein, wer dort präsentiert wird und wie. Kurator für den Deutschen Pavillon ist wie vor zwei Jahren wieder Julian Heynen, künstlerischer Leiter von K21 Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Er bringt für die 51. Biennale Thomas Scheibitz und Tino Sehgal zusammen. Beide leben in Berlin. Scheibitz, 1968 in Radeberg geboren, ist ein Maler-Skulpteur, wenn man so will. Das Tafelbild changiert bei ihm nicht nur zwischen Wiedererkennbarkeit und Abstraktion, sondern wandelt sich auch zum dreidimensionalen Gemälde-Bau. Von Sehgal, 1976 in London geboren, existiert nichts Greifbares. Er denkt sich Perfomances aus, die jedoch weder per Video noch Foto dokumentiert werden dürfen. Galeristen können lediglich Handlungsanweisungen verkaufen. Bei der Biennale 2003 musste zum Beispiel das Aufsichtspersonal immer mal wieder "Das ist Propaganda" schreien. <BR><BR>Allein in den Gärten haben 31 Nationen ihren Auftritt. Wer dort nicht unterkommt, sucht sich ein Plätzchen in den Kirchen und Palazzi der Stadt. Das sind noch einmal 42 Länder mit ihren Künstlern. Venedig wird also zum Entdeckungsparcours für die Schnitzeljagd namens Kunst.<BR><BR>De Corral und Martínez aber haben ihre, mit persönlicher Handschrift ausgezeichneten Expositionen entwickelt. Beide sind trainierte Vollprofis, was Ausstellungskonzepte und -gestaltung angeht, sie haben zugleich Erfahrungen mit dem Aufbau von Sammlungen und der Entwicklung eines Museums. De Corral, die etwas Ältere, will im Zentralpavillon in den Giardini "L'esperienza dell'arte" ("Kunsterfahrung") sichtbar und nachvollziehbar machen: "Ich will Intensität statt Kategorisierung, und ich will, dass die Kunst nachdenklich und dennoch Spaß macht." 42 internationale Künstler hat sie ausgewählt. Es sollen Tendenzen in den verschiedenen "Kunst-Sprachen" von 1970 bis heute sichtbar werden. Viele Arbeiten wurden extra für die "51. esposizione internationale d'arte" geschaffen. Es wird Berühmtheiten geben wie den schon verstorbenen Francis Bacon oder Barbara Kruger, die den Ehren-Löwen bekommt, und Unbekannte wie zum Beispiel Maiden López aus San Sebastian oder Jun Yang aus China, der in Wien lebt. <BR><BR>Den Blick von heute in die Zukunft will Martínez wagen. "Sempre un po' piu' lontano" ist ihr Motto, und sie fasst damit den heiligen Kuratoren-Status ein wenig ironisch auf. Schließlich stammt das Zitat von Corto Maltese, einer Comicfigur des Venezianers Hugo Pratt. "Immer ein Stück weiter" sollen also die Arbeiten gehen, die sie in den weitläufigen Gefilden des Arsenales, den antiken Hallen der einst ruhmreichen Flotte der Serenissima, kombiniert. Auch sie bietet ein paar wirkungsmächtige Alte auf. Da sind Samuel Beckett (1906-1989) oder die 94-jährige Louise Bourgeois. Beteiligt sind überall Deutsche wie Gregor Schneider, der vor vier Jahren den Deutschen Pavillon komplett verwandelte. Noch mehr freut man sich aber auf die vielen Künstler von Kolumbien bis zu den Philippinen, die bisher noch nicht im Ausstellungsreigen mittanzten.

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