Immer unbequem, ständig rastlos

- Von einem Ende zum anderen spannt sich das Spruchband: "Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke. Es gibt auch dann gewisse Möglichkeiten." Es sind Sätze Bertolt Brechts, die im Münchner Gasteig der Annäherung an eine Frau dienen: Hanne Hiob war Brechts erste Tochter und stets ebenso unbequem. Anlässlich ihres 80. Geburtstages widmen ihr das Kulturreferat und die Stadtbibliothek eine Ausstellung: "Brecht unliterarisch verwenden".

<P>Hanne Hiob wurde am 12. März 1923 in München als Tochter von Brecht und der Opernsängerin Marianne Zoff geboren, aber lange blieb der Vater nicht. Die Tochter war kaum zwei Jahre alt, da ließen sich die Eltern scheiden. Die Mutter heiratete 1928 Theo Lingen. Begegnet man Hanne Hiob heute, erlebt man eine ständig Rastlose, die nie länger an einem Ort verharrt und viele Fragen als nebensächlich empfindet.<BR><BR>Nicht ihre Vergangenheit ist ihr wichtig, sondern die deutsche; immer noch bedeutet der Faschismus für sie die größte Gefahr, deshalb hat sie nie aufgehört, daran zu erinnern: Hanne Hiob präsentiert seit Jahren politische Programme, liest Brecht oder Briefe von KZ-Insassen. "Ich mach' das weiter. Das ist sehr wichtig, weil viele Jugendliche nichts mehr wissen."<BR><BR>Nach einer Ausbildung zur Tänzerin und Schauspielerin trat Hanne Hiob im Theater auf. Mehrmals übernahm sie die Titelrolle in Brechts "Heiliger Johanna der Schlachthöfe", sie hatte Engagements bei Oscar Fritz Schuh in Berlin und Gustaf Gründgens in Hamburg. An den Münchner Kammerspielen war sie unter anderem in "Die Gewehre der Frau Carrar" zu sehen. Im Gasteig wird an diese Zeit mit einer kleinen Serie von Fotografien erinnert.<BR><BR>Ende der Siebzigerjahre begann Hanne Hiob mit dem Straßentheater. "Ich habe den Zufall, Brechts Tochter zu sein, mir zunutze gemacht, Brechts Literatur unliterarisch zu verwenden, wie er es wollte." Mit dem Gedicht "Der Anachronistische Zug oder Freiheit and Democracy" zog sie durch Deutschland. Brecht beschreibt in dem Werk von 1947 die früheren Täter, die nun für sich Freiheit und Demokratie einfordern.<BR><BR>In langen Schaukästen wurde versucht, dieses Straßentheater zu dokumentieren. Nur: Wie in der übrigen Ausstellung ist das Material nicht sehr reichlich. Bilder und Texte sollen wohl eher eine Stimmung erzeugen und nicht Informationen vermitteln. Für Letzteres ist schließlich ein umfangreiches Begleitprogramm vorgesehen. Auch Hanne Hiob findet alles ein bisschen "zu klein" und "zu wenig". Und dann redet sie schon wieder über etwas anderes. Schließlich: "Jetzt reicht's!" Nur für heute natürlich.<BR></P><P>Bis 30. März in der Glashalle des Münchner Gasteig. Täglich 8 - 23 Uhr, Eintritt frei.</P>

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