Mann sticht mehrere Menschen in Finnland nieder

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„Sie fühlt sich an wie meine eigene“: Bis die künstliche Nase auf seiner echten gut sitzt, kann für den Pinocchio-Darsteller Philip Dechamps schon mal eine Stunde vergehen.

Kinderpremiere am Staatsschauspiel

Blick hinter die Kulissen: Woher bekommt Pinocchio seine lange Nase?

München - Wie bekommt Pinocchio seinen riesigen Zinken? Vor der Kindertheaterpremiere am Residenztheater in München haben wir uns einmal hinter den Kulissen umgeschaut.

Mobbing. Knastaufenthalt. Morddrohungen. Sprachverlust. Sklaverei. Arbeitslager. Das klingt nicht nach einem lustigen Kinderbuch, steht aber in Carlo Collodis „Die Abenteuer des Pinocchio“ exakt so drin. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich das Werk aus dem Jahr 1883 als harter Erziehungsroman voller gespenstischer Metaphern und psychologischer Tiefe. Dass Pinocchio dennoch als Kindergeschichte funktioniert, liegt an den fantastischen Szenerien und dem versöhnlichen Ende.

Das Münchner Residenztheater gestaltet mit „Pinocchio“ seine große neue Kinderproduktion, Premiere ist am kommenden Samstag. Regisseur Thomas Birkmeir, der 2012 hier den Kästner-Klassiker „Pünktchen und Anton“ erfolgreich inszenierte, orientiert sich an Collodis Original, schuf jedoch eine eigene Fassung mit Tanz und Musik. Geheimer Star des Stücks ist freilich nicht Pinocchio selbst, sondern seine Nase. Diese wächst bekanntlich, wenn er lügt und sitzt ihm auch im Normalzustand als ausgeprägter Zinken im Gesicht.

Disneys Pinocchio etwa hatte eine freche Himmelfahrtsnase, die Holzpuppe in der japanischen Anime-Serie ein zylinderartiges Etwas mit runden Enden und die Originalfigur von 1883 eine Art Vogelschnabel. Da hat Philip Dechamps noch einmal Glück gehabt. Der gebürtige Münchner spielt den Pinocchio und bekam dafür ein langes, aber feingliedriges Riechorgan verpasst. Die Urheberin dieses Wunderwerks ist Resi-Maskenbildnerin Isabella Krämer. Insgesamt fünf Nasen hat sie für Birkmeirs Inszenierung entworfen. In die Endrunde schaffte es nur eine – und deren verlängerte Schwester.

„Eigentlich sollte die Nase groß und massiv sein“, sagt Krämer. „Aber das passte nicht zu Philips Körperbau.“ Das Ausgangsmodell, das Pinocchio nun im Normalzustand trägt, besteht aus Kaltschaum und fügt sich im Finalzustand perfekt in Dechamps’ Gesicht. Bis die künstliche Nase wie angegossen auf der echten sitzt, kann schon mal eine knappe Stunde vergehen. Für den ersten Schritt, das Aufsetzen der Kaltschaumform auf die Haut, braucht Isabella Krämer viel Konzentration und Ruhe. Wenn die Grundlage nicht stimmt, taugt auch der Rest nichts.

Dafür, dass Pinocchios Riesenriecher während der Aufführung nicht den Abflug macht und Dechamps quasi nackert dasteht, sorgt ein Spezialkleber. Dieser ist in Verbindung mit einer Grundierung und einem Verdickungsmittel auch nötig, um die Übergänge zwischen Kunstnase und Gesicht zu modellieren. Anschließend geht es an die Feinarbeit. Damit die Nase lebensecht wirkt, braucht Isabella Krämer Puder, Fettschminke und Spezialteint. „Alles, was man auf der Nase macht, muss man auch im Gesicht drumherum machen“, formuliert sie die goldene Regel des Nasenbaus. Will heißen: Ist die Nase speckig rot, muss es die übrige Haut auch sein. Sieht die Nase aus wie Porzellan, sollten die Schauspieler-Wangen nicht puterrot geschminkt werden.

Wenn Pinocchio lügt, wird sein Riechorgan bekanntlich länger. Dann kommt die zweite, riesige Nase zum Einsatz. Wie aus Dechamps’ kleinem Edelzinken auf der Bühne mit Hilfe von großer Raffinesse ein Gigant wird, will im Residenztheater keiner verraten. Das wäre glatt so, als ob ein Magier seine Tricks preisgäbe. Dafür verrät Philip Dechamps, was er machen würde, sollte es ihn im Scheinwerferlicht einmal unter dem Kaltschaum an der echten Nase jucken: „Ich würd’s in die Rolle einbauen und mich einfach kratzen.“ Größere Komplikationen mit seiner Kunstnase fürchtet er ohnehin nicht. „Sie fühlt sich fast schon wie meine eigene an – schön leicht.“

Premiere am 14. November, 16 Uhr; Telefon 089/ 2185-1940. 

Katrin Hildebrand

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