Das Imperium

- Als Norman Mailer über das Thema "Heiliger Krieg: Amerikas Kreuzzug" nachdachte, da gab es noch Hoffnung, dass ein Irak-Krieg verhindert werden könnte. Jetzt, nachdem der Krieg so lange vorbei ist, wie er gedauert hat, ist sein ironisch zugespitzter Essay auf Deutsch erschienen, und man muss befürchten, dass er noch länger aktuell sein wird. Der Schriftsteller geht davon aus: "Krieg ist auch ein Geisteszustand." Über Kampfhandlungen hinaus befänden sich die USA im Krieg, und das bereits seit jenem die US-Identität erschütternden 11. September.

<P>Dort knüpft der Autor an, um sehr einleuchtend die innere Logik zu skizzieren, die einen George W. Bush zum Kriegstreiber macht: Blut nicht nur für Öl oder für kostbares Euphrat- oder Tigriswasser, von dem Israel profitieren würde, sondern für das "Imperium", lautet seine These. "Weltherrschaft", die nach dem Ende des Kalten Krieges möglich schien, verlocke heute die "Fahnenkonservativen". Als "Linkskonservativer" ist auch Mailer an Bewahrung gelegen, der US-Demokratie nämlich, die er nicht zuletzt durch die Macht der Großkonzerne bedroht sieht: "Wenn in einem Land die Werte verfallen, wird der Patriotismus zum Steigbügelhalter des Totalitarismus."</P><P> Kritische Urteilsfähigkeit statt bedingungsloser Liebe gegenüber dem eigenen Land propagiert er daher. Für Demokratie, die zu vollkommener Sicherheit immer im Widerspruch stehe, nimmt er gar "ein erträgliches Maß von Terrorismus" in Kauf. Zugunsten der Bürgerrechte, versteht sich.</P><P>Nur schade, dass ein so kluger Beobachter wie Norman Mailer sich am Schluss zu merkwürdig zwischen Ernst und Ironie wabernden Phrasen hinreißen lässt: "Satan war der Pilot, der die Flugzeuge in dieses gottlose Finale steuerte." Vielleicht, um die eigene Ratlosigkeit zu verbergen und sich vor einem pessimistischen Schlusswort zu drücken. </P><P>Norman Mailer: "Heiliger Krieg: Amerikas Kreuzzug". Deutsch von Willi Winkler. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg. 123 Seiten, 12,90 Euro. <BR></P>

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