+
Nah ran ans Bühnengeschehen im Residenztheater: Kameras nehmen Details für den „Räuber“-Film auf, der an diesem Sonntag beim Berliner Theatertreffen uraufgeführt wird. Die Fernsehausstrahlung ist für 11. November geplant.

Die „Räuber“ aus dem Residenztheater kommen ins Fernsehen

Filmreifes Theater

  • schließen

In Berlin wird an diesem Sonntag eine Aufzeichnung der „Räuber“ gezeigt – Wir waren bei den Dreharbeiten in München dabei.

„Räuber“-Regisseur Ulrich Rasche (li.) und Fernsehmann Peter Schönhofer.

Hektisch putzt Schlagzeuger Fabian Löbhard seinen Notenständer, als sich die Kameras auf ihn richten. Wenn Theater ins Fernsehen kommt, werden Dinge sichtbar, die sonst niemand sieht – Staub zum Beispiel. Zugleich geht bei der Verfilmung einer Inszenierung einiges verloren: Das Beben etwa, das spürbar wird, wenn bei den Münchner „Räubern“ die monotonen Trommelschläge gepaart mit chorischem Sprechgesang durchs Residenztheater dröhnen, ist auch mit der besten Technik nicht übertragbar.

Trotzdem wird ausgerechnet Schillers Drama „Die Räuber“, Glanzstück der aktuellen Spielzeit am Bayerischen Staatsschauspiel, vom ZDF für den Spartenkanal 3sat verfilmt. Der Grund: Ulrich Rasches Produktion ist über die Grenzen der Stadt hinaus sehenswert und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen, als eine der „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ der Saison. Ein großes Lob – und ein noch größeres Problem. Denn wie berichtet, ist keine Bühne Berlins, die zu der Zeit frei ist, groß genug, um dem Bühnenbild mit zwei insgesamt neun Meter breiten und jeweils zehn Meter langen Laufbändern Platz zu bieten. Zur Enttäuschung aller reist das Residenztheater also nicht in die Hauptstadt. Stattdessen wird an diesem Sonntag (21. Mai, 19.30 Uhr) im Haus der Berliner Festspiele der Film der Inszenierung gezeigt, den 3sat am 11. November um 21 Uhr ausstrahlen wird. Zudem erscheint er auf DVD.

Blick in den Regie-Wagen auf dem Marstallplatz, hier wird der Ton gemischt.

Der Aufwand für die Aufzeichnung ist enorm: Es werden nicht nur zwei komplette „Räuber“-Vorstellungen aus der Regieloge gefilmt, sondern auch bei einer Aufführung am Nachmittag ohne Publikum sieben Kameras für Nahaufnahmen und Perspektivwechsel am vorderen und seitlichen Bühnenrand aufgestellt. Eines ist den Machern dabei wichtig: Die Produktion soll die Inszenierung dokumentieren – und keine eigene Verfilmung sein.

Das ist hier besonders anstrengend, weil sich diese „Räuber“ durch die permanente Bewegung der Laufbänder und die dominierenden Chorszenen nur bedingt in kleine, einzeln zu filmende Szenen aufteilen lassen. Es muss also von Anfang bis Ende durchgespielt werden. Für die Schauspieler, die dadurch zweimal an diesem Samstag den knapp vierstündigen Marathon zurücklegen müssen, ist das ein Kraftakt, bestätigt Franz Pätzold, der Karl Moor spielt und gerade verschwitzt vom Laufband kraxelt. „Die Kameras stören mich nicht und ändern auch nichts an meiner Spielweise“, sagt er. „Aber zweimal Räuber sein an einem Tag, ist schon eine besondere Herausforderung.“

„Räuber“-Regisseur Ulrich Rasche und Fernsehmann Peter Schönhofer arbeiten im Residenztheater besonders eng zusammen, da eine Theaterverfilmung eine Art „Regie der Regie“ sei, wie Schönhofer sagt. „Die eigentliche Inszenierung und Kreativität ist und bleibt das Werk von Ulrich Rasche“, betont jedoch der TV-Regisseur, während er im Ü-Wagen auf gut 20 Monitoren jede Kameraaufnahme mitverfolgt. „Ich versuche, das, was ihm wichtig ist, rüberzubringen und so viel Theatergefühl wie möglich zu transportieren.“ Das sei nicht einfach, fügt er hinzu: „Theater ist Theater, Fernsehen ist Fernsehen. Eine zweidimensionale Verfilmung wird nie das Theatererlebnis ersetzen – aber sie soll ihm nahekommen.“

Ein Vorteil des Films sei, dass er durch Nahaufnahmen und Schnitte Möglichkeiten habe, Momente zu erschaffen, die das Theater nicht bieten könne. „Die Kunst ist aber, nicht zu weit zu gehen. Jede Nahaufnahme fokussiert die jeweilige Person, setzt sie für den Fernsehzuschauer ins Zentrum. Da nehme ich als Regisseur also direkt Einfluss. Der Theaterzuschauer hingegen entscheidet selbst, wen er fokussiert.“

Die ZDF-Mitarbeiter wählen bereits während des Drehs Szenen aus und schneiden sie – wie bei einer Live-Show. Was dabei entsteht, wird später mit Totalaufnahmen kombiniert und poliert, bis der Film fertig ist. „Trotzdem rate ich allen, die die Möglichkeit haben, sich die Inszenierung auf der Bühne anzuschauen“, betont Pätzold, als er erschöpft von den Dreharbeiten das Haus für ein paar Stunden verlässt, bevor die Abendvorstellung beginnt. „So ein Film ist toll. Aber Theater bleibt halt doch Theater.“

„Die Räuber“

sind am 10. und 11. Juni wieder im Residenztheater zu sehen; Telefon 089/21 85 19 40.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rapper schaut ohne Brille Sonnenfinsternis - mit verheerenden Folgen
Ein Rapper hat sich die totale Sonnenfinsternis in den USA absichtlich und trotzig ohne spezielle Schutzbrille angesehen - und musste jetzt wegen Augenproblemen drei …
Rapper schaut ohne Brille Sonnenfinsternis - mit verheerenden Folgen
Zum Tod von Margot Hielscher: Eine Dame und Diva
Trauer um die Münchner Schauspielerin, Sängerin und Talkshowmoderatorin Margot Hielscher.
Zum Tod von Margot Hielscher: Eine Dame und Diva
Schauspiel-Legende Margot Hielscher gestorben
Sie war eine deutsche Diva und ein Multitalent: Margot Hielscher. Die Grande Dame der Leinwand, Showbühne und des Fernsehens war jahrzehntelang erfolgreich. Nun ist sie …
Schauspiel-Legende Margot Hielscher gestorben
„Lear“ in Salzburg: Apokalypslein now
Die letzte Premiere der Salzburger Festspiele bringt ein Schlüsselwerk der Moderne auf die Bühne, Aribert Reimanns „Lear“. Während Bariton Gerald Finley triumphiert, …
„Lear“ in Salzburg: Apokalypslein now

Kommentare