Die Sängerin und begnadete Entertainerin Ina Müller.
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Mit sich im Reinen: Sängerin und begnadete Entertainerin Ina Müller.

Neuerscheinung: So macht Altern Spaß: Ina Müller veröffentlicht ihr Album „55“

Ina Müllers starkes neues Album „55“: Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht!

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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Es müllert wieder! Der Nachfolger von Ina Müllers 2016er Gold-Albums „Ich bin die“ erscheint mit zwölf neuen Songs. Herzschmerz, eine Liebeserklärung an Hamburg und ganz viel Selbstironie: ein Muss für Fans!

  • Mit 55 nimmt die Sängerin die ersten Zipperlein in der Mitte des Lebens aufs Korn
  • Das Album ist in drei Ausführungen erhältlich: Als Standard-CD, limitierte 2CD Premium-Edition mit einer Bonus-CD, die neun Duette mit Gästen von „Inas Nacht“ bietet, sowie als limitiertes Doppelvinyl
  • 2022 möchte die Sängerin wieder auf Tour gehen

Allein der Titel ist so typisch Ina Müller. „55“. Eine Zahl wählt die lässigste Frau des deutschen Fernsehens als Überschrift für ihr heute erscheinendes neues Album, schon zum dritten Mal. Wieder ist das eine charmante, selbstironische Reverenz an die stimmgewaltige Adele, die alle ihre Alben mit Zahlen überschreibt. Bei der Britin heißt das dann: „19“, „21“, „25“. Bei der Müller: „Weiblich, Ledig, 40“, „48“, „55“. So selbstbewusst fegt man jeden Jugendwahn hinfort.

Derart klingt es also, wenn frau mit sich im Reinen ist. Na ja, wie man eben mit sich im Reinen sein kann. Ina Müller, die in ihrer unübertroffenen Trink-, Talk- und Träller-Sendung „Inas Nacht“ immer locker flockig (Tendenz mit jedem weiteren Glas steigend) wirkt, ist in Wahrheit bekennende Perfektionistin. Hier wird jede Sendeminute (selbst-)kritisch vor- und nachbereitet. Nun ist das mit dem Perfektionistentum, gerade wenn man älter wird, so eine Sache. Jedes Fältchen scheint für den auf Makellosigkeit Bedachten wie eine Provokation, jeder erhöhte Pulsschlag nach fünf Metern Joggen wie die Strafe für zu wenig Disziplin. Es sei denn, man hat – wie die Blondine aus dem Norden – kapiert, was allein gegen die ständige Selbstgeißelung hilft: Humor. Denn Lachen, das will uns die Schönheitsindustrie leider vergessen machen, verursacht immer noch die schönsten Furchen im Gesicht.

Ein bisschen Barbara Schöneberger, eine Prise Nena - und ganz viel Hamburger Mädchen

Also denn, mit 55, mitten im Leben, müllert es wieder: „Jeder hat sein Sixpack zu tragen“, singt sie in „Laufen“. Ein Lied, wie es auch von einer ihrer Altersgenossinnen im deutschen Showgeschäft hätte geschrieben werden können. „Ich hab irgendwann geplant/ Mal ’nen Marathon zu laufen/ Heut bin ich kurz davor/ Mir ’nen Treppenlift zu kaufen“ – das klingt nach ein bisschen Barbara Schöneberger, einer Prise Nena – und ganz viel Hamburger Mädchen.

Wir Romantiker schauen natürlich als Erstes aufs Kleingedruckte. Wer hat hier geschrieben und komponiert? Die meisten Texte kommen von der Sängerin selbst, in Kombination mit männlichen Helfern. Klare Worte, wenig Schnörkel. Dafür mit Hintersinn und Witz. An der Musik aber, an der hat immer Johannes Oerding mitgewirkt. Seit Jahren sind die zwei ein Paar – und dass er erst 38 ist, sollte eigentlich kein Thema mehr sein. Ist es aber doch. Eben weil es für sie beide keines ist. Wie wohl Nummern wie „Eichhörnchentag“ entstanden sind? Ein launiges Lied über das ständige Verlegen von Dingen, noch so eine Sache, die mit fortgeschrittenem Alter zunimmt. Man stellt sich die beiden zusammen vor, wie sie daraus einfach einen fröhlichen Song machen – die bezauberndste Werbung für Gelassenheit gegenüber Umständen, die man nicht ändern kann.

Viel Selbstironie - und Wehmut

Ina Müller ist stimmlich keine Adele. Auch deshalb der augenzwinkernde CD-Titel. Jede von ihr gehauchte Zeile erinnert an ein wildes Leben mit vielen Drinks und noch mehr Zigaretten. Ein Hoch auf die politisch unkorrekteste Nummer der neuen Scheibe: „Rauchen“ – eine Liebeserklärung an den Glimmstängel. Wunderbar.

Überhaupt, die Liebe. So lustig die begnadete Entertainerin ist, am schönsten sind doch immer ihre Balladen. „Wenn der liebe Gott will“ und „Fast hält länger als fest“ treffen genau ins gebrochene Herz. Und mag der Bruch auch seit Jahren verheilt sein – Müller schafft es, dass man sich zurückerinnert an große Gefühle, mit viel Wehmut, aber noch mehr Zuversicht. Denn: „Ab jetzt zählt jeder Tag so viel wie drei“ – Lächeln an und los.

Ina Müller:
„55“ (Sony). Zu kaufen gibt es das Album beim lokalen Händler um die Ecke hier.

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