Der Inbegriff einer europäischen Ballerina

- Ganz große Ballettwochen-Stimmung bei "Dornröschen" mit Maria Eichwald - leider von Stuttgart abgeworben, aber hoffentlich auch künftig häufiger München-Gast. Die Eichwald, Inbegriff einer europäischen Ballerina. Mühelos makellose Technik paart sich bei ihr mit einer wunderbar warm strahlenden Weiblichkeit. Blendender Prinz Dé´siré´ Alen Bottaini, der, ernst gereift, den jugendlich prallen Gestus des Virtuoso-Solisten seiner ersten Jahre ganz abgelegt hat.

<P>Das Münchner Nationaltheater im Applausorkan. An die etwas lauen Feen-Variationen (schön wär's, wenn ein paar Schwerfälligkeiten abgeändert werden könnten) hat man sich gewöhnt. Insgesamt jedoch hält Ballettchef Ivan Liskas "Dornröschen" auch nach mehrmaligem Sehen stand: blitzsauber getanzt vom Ensemble die Polonaisen, Girlanden-, Bauern- und Nymphen-Tänze. Quecksilbrig der "Pas Fabergé" von den Damen (Dimova, Bridel-Picq, Divina, Poncet). </P><P>Für den Kavalier bringt der "Stürmer & Dränger" Lukas Slavicky noch nicht die aristokratische Gelassenheit auf. Norbert Graf, obwohl kein brillanter Techniker wie Slavicky, aber Aristo-Gentleman, sah darin besser aus. Graf war jedoch diesmal wieder die unübertroffen hochexpressive böse Carabosse - jede Ausdrucksgeste filmreif. Gestochen scharf der über die Bühne blitzende Däumling von Guan Deng. </P><P>Pikant die zierliche Fiona Evans mit dem ganz jungen Sprungtalent Juan Eymar als "Blaue Vögel". Und hoch über allem - "la Eichwald". Fast ist sie ja für Aurora schon eine Hauchspur zu sehr Frau. Aber was tut's, wenn sie mit ihrem himmelwunderbaren Schmelz jeden Schritt, jede Geste, jeden flirtenden Blick dem Hofstaat, ihrem Prinzen (und uns) wie eine Kostbarkeit "darbietet". Alles so federleicht. Und so mühelos formvollendet jede Hebung, jeder Griff von Bottaini. </P><P>Dass er, vom Typ her ja gar kein "Dé´siré´", sich mit zunehmend verfeinerter Allüre absolut den Prinzen-Status erobert hat - alle Hochachtung. Nach diesem Super-"Dornröschen" hatte es die neue Solistin Natalia Kalinitchenko, wenn auch starke Technikerin, mit ihrem Aurora-Debüt schwer. Trotz Prinz Roman Laziks zärtlich aufmerksamer Geste kam es nur zu süßlichem Kunst-Happy-End. Wahrscheinlich muss man ihr auch erst einmal eine Eingewöhnungs-Zeit lassen. Das Staatsorchester unter Myron Romanul neigt bei diesem Tschaikowsky des öfteren zu unschönen Lautstärken. </P>

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