Innige Zwiesprache

- Schwestern sind sie nicht. Schon eher Kusinen - die Klarinette und die Bratsche, die sich in ähnlichem Tonumfang bewegen und beim Akademiekonzert am Sonntagvormittag im Münchner Nationaltheater zusammenfanden. In einem spätromantischen, kaum gespielten, gemeinsamen Konzert von Max Bruch in e-moll. Zubin Mehta, der das Bayerische Staatsorchester leitete, hatte sich für diese Rarität zwei Meisterinnen ihres Fachs gesichert: Sharon Kam an der Klarinette und Tabea Zimmermann an der Viola.

In schönster Harmonie - geprägt von einem flexiblen, ausdrucksintensiven Bläser- und einem verführerisch-samtigen Streicher-Ton - hielten sie Zwiesprache, kantabel und innig, virtuoser erst im Finale. Meldete sich das Orchester hier durchaus als ernst zu nehmender Partner, so war es zuvor, in Webers Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur, nur schlichter Begleiter. Da brillierte Sharon Kam, die sich ohne "Netz" und Rücksicht temperamentvoll und spontan ins Allegro warf und im Finale Alla Polacca keck, fast koboldhaft durch die Punktierungen hüpfte. Ihr angenehm modulierter Ton, ihre stilsichere Phrasierung kamen in den weiten Bögen des melancholiegetränkten Mittelsatzes vorzüglich zur Geltung. <BR><BR>Zum Auftakt der Matinee für die Freunde des Nationaltheaters hatte das Staatsorchester Webers "Oberon"-Ouvertüre - ein heikles Aufwärmstück - von Mehta angefeuert als pralle Theatermusik intoniert. Zum Abschluss zog Tabea Zimmermann in Berlioz' "Harold en Italie" als hochkarätige Besetzung der Solobratsche ihre Kreise - mit betörendem Ton, organischer Linienführung und selbstverständlicher technischer Behändigkeit. Dennoch deckten Mehta und das Orchester sie zuweilen mit knalliger Farbigkeit zu.

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