Auf der Insel

- Diese spärlichen Worte, die kaum das entblößte Innerste ihrer Sprecher bedecken, hat Martin McDonagh von Beckett. Und den verzweifelten Humor ebenfalls. Vielleicht ist es auch so etwas wie irischer Humor, den der in London lebende Sohn irischer Eltern mit dem großen Beckett gemeinsam hat.

<P>Während dieser der Realität das Absurde abgeschaut und es für die Bühne isoliert hat, gibt McDonagh dem Alltagsleben seiner Stücke die Absurdität zurück. Der 33-Jährige traut sich gar, das beliebte, aber nun abgefressene Feld der Business- und Lifestyle-Themen der Gegenwartsdramatik links liegen zu lassen und fruchtbaren Boden auf einer kargen irischen Insel der 30er-Jahre zu suchen. Mario Andersen hat das schrullige Stück "Der Krüppel von Inishmaan" für die Halle 7 des Münchner inkunst vereins inszeniert: mit einer so packenden Tragikomik, solcher Spiel- und Gestaltungfreude, dass man dieses Inishmaan nach zweieinhalb Stunden gar nicht mehr verlassen mag. </P><P>Wären seine Bewohner nicht gar so garstig. Besonders Krüppel-Billy hat unter ihrer Häme zu leiden. Der geistig Gesündeste unter ihnen wagt und schafft, vorläufig, den Ausbruch nach Hollywood. Was ihn bei seiner Rückkehr freilich umso verhasster macht. Konsequent bis in die Finger- und Fußspitzen seiner missgebildeten Gliedmaßen spielt Frank Ehrhardt die Opferrolle. Und ganz ohne Sozialpathos, was auch der unverblümt harsche Text nahe legt. Von Jonnypateenmike, der Neuigkeiten-Schleuder der Insel, bis zur versoffenen Mammy - ausnahmslos jeder Schauspieler hat in diesem Stück seine schräge Type einfach prächtig ausgemalt. <BR>Allen voran die Tanten des verwaisten Krüppel-Billy: Hildegard Schroedter und Michaela Auinger, das mit Steinen redende, dicke Sensibelchen und die sie befehligende Schwester, geben in ihrem hübsch stilisierten Kaufmannsladen (Bühne: Carmen Riehl) ein Gespann ab, das allein schon für Stunden unterhalten könnte.</P><P>Bis 30. November. Telefon 089/ 53 29 78 29.<BR></P>

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