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Thomas Hahn hat ein Flügelhorn in Arbeit. Beulen werden herausgeklopft. Dazu kommen Bunsen – die Metallkugeln im Bild unten links – als Gegenstück in den Schallbecher.

Instrumentenbauer: Es geht um tausendstel Millimeter

Auch Instrumente müssen zum Kundendienst, überholt und nachjustiert werden. Aber was passiert beim Instrumentenbauer? Welche Ausbildung braucht man für diesen Beruf? Wir haben die Handwerker im Dienste der Musik besucht und stellen sie in loser Folge vor. Heute: Thomas Hahn, Chef der Meisterwerkstatt „Münchner Blech“.

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Eine Fritteuse für die Flöte

Es sind Ferien und die Werkstatt ist voll: Instrumentenkoffer türmen sich im Flur, sind im Maschinenraum gestapelt und säumen den Weg in die Werkstatt. Trompeten, Posaunen, Hörner und Tuben, aber auch Flöten, Oboen und Klarinetten werden von zahlreichen Musikschulen aus dem Umland in der Münchner Gebsattelstraße angeliefert, um in der Sommerpause gerichtet und gewartet zu werden. Hier, bei „Münchner Blech“, der 1993 gegründeten Firma – Werkstatt und Geschäft – von Thomas Hahn werden die Instrumente wieder flottgemacht.

Der 48-jährige Metallblasinstrumentenbauer lernte sein Handwerk in der legendären Münchner Firma Ganter, in der Trompeten noch vom ersten bis zum letzten Handgriff manuell hergestellt wurden. „Dort durften wir als Lehrlinge schon am richtigen Produkt arbeiten“, strahlt Hahn, der später bei der Firma Melton in Geretsried seinen Meister machte und anschließend (zunächst an der Franziskanerstraße) seinen eigenen Betrieb eröffnete. Als Meister seines Fachs versteht er sich natürlich aufs Fertigen von Trompeten und Flügelhörnern, aber mittlerweile baut er nur noch wenige Instrumente pro Jahr.

Die meiste Zeit widmet Hahn der Pflege und Reparatur unterschiedlicher Blechblasinstrumente. Dennoch erklärt er mit sichtlicher Freude, wie aus einem 0,4 bis 0,5 Millimeter dünnen Messingblech der Schallbecher einer Trompete ausgeschnitten wird. „Meist wird Goldmessing verwendet. Das enthält 85 Prozent Kupfer und macht den Ton wärmer“, erklärt Hahn. Mit einer Spezialzange „beißt“ der Instrumentenbauer an den Rändern kleine Zähnchen heraus, fügt die Ränder dann zusammen und verlötet sie. „Vor 20 bis 30 Jahren hat man versucht, sämtliche Lötnähte zu verstecken. Das tut man heute nicht mehr, denn sie zeugen von Handarbeit“, berichtet der Meister.

Die Spezialisierung ist auch in seinem Handwerk weit fortgeschritten und so beziehen die meisten Trompetenbauer die fertigen Schallbecher von einer anderen Firma. Doch diese matten „Rohlinge“ müssen dann in seiner Werkstatt gebogen werden. Dafür wird der obere, enge Teil des konischen Rohrs mit flüssigem Blei ausgefüllt. Nach dem Erkalten ist es möglich, das Rohr in einer Holzschablone in Form zu biegen. „Früher“, so Hahn, „machte man das mit Sand oder Teer, der sehr schwer wieder zu entfernen war. Heute biegt man in großen Betrieben mit Eis. Das Wasser läuft hernach einfach aus dem Rohr. Das ist die sauberste Lösung.“

Im nächsten Schritt wird der Trompeten-Torso poliert. „Es ist der Moment, der das Instrument zum Glänzen bringt, aber uns völlig schmutzig macht“, lacht Hahn. Deshalb werden Schutz-Brille, Ohr- und Mundschutz angelegt, bevor die Schallbecher mittels Pasten und Polierscheibe ihr strahlendes Äußeres bekommen. Auch die Drehventil-Maschinen, die nach dem Stimmzug – einer rohrartigen Verlängerung – an den Schallbecher angepasst werden, bezieht die Münchner Werkstatt von einem Spezialisten aus dem Allgäu. „Bei diesen Maschinen aus Neusilber ist höchste Präzision gefordert. Sie müssen perfekt und sauber eingeschliffen sein. Wir rechnen hier mit tausendstel Millimeter“, erläutert Hahn.

Kein Wunder, denn Ventile und Ventilklappen bestehen aus Metall, das ohne Dämm-Material (anders als bei der Flöte) aufeinanderstößt. Dass sogar der Speichel des Bläsers hier als Dichtungs-„Mittel“ wirkt, wissen die Profis und benetzen ein neues Instrument, bevor sie es ausprobieren. Viele von ihnen verzichten auf eine Lackierung ihres Instrumentes, dessen Ton der Lack ein bisserl matter, dunkler macht. Wird die Trompete versilbert, klingt sie heller. Eine Vergoldung, die teuerste Variante, sorgt für einen Klang, der der unbehandelten Trompete am nächsten kommt. Ein vergoldetes Instrument kostet etwa 4500 Euro, das schlichteste 3000 Euro.

Zu guter Letzt muss das Mundstück am Mundrohr angepasst werden. „Für Bobby Shew, einen amerikanischen Jazz-Trompeter, muss ich die Mundstücke so manipulieren, dass der Eingang zum Mundrohr ein wenig verengt wird. Das schärft den Klang.“ Thomas Hahn weiß, dass jeder Profi sein Mundstück finden muss und dass der Verlust eines solchen eine Krise hervorrufen kann. „Natürlich spielt da die Psyche mit. Es gibt Musiker, die nie glücklich werden“, verrät er und versucht doch immer wieder, auf all ihre Wünsche einzugehen und zumindest in winzigen Nuancen die ebenfalls von verschiedenen Spezialanbietern aus dem Vogtland oder den USA angelieferten Mundstücke „mundgerecht“ zu machen.

„Ich muss mich auf jeden Spieler einstellen und muss erfahren, was will er und wo will er hin.“ Thomas Hahn, der selbst als Hobbymusiker in der Stadtkapelle Dachau das Waldhorn bläst, zählt zu seinen insgesamt 7000 Kunden auch Eric Terwilliger, den Solo-Hornisten der BR-Symphoniker und Bob Ross, „Blechschaden“-Chef und Münchner Philharmoniker. Außer den Jazz-Trompetern Bobby Shew und Claudio Roditi, dem Linzer Jazz-Professor Peter Tuscher und dem Jazz-Posaunisten Jay Ashbey gehören auch die klassischen Trompeter vom Münchner Gärtnerplatztheater oder von der Oper von Venedig zu seinen Kunden. Zusammen mit einem Gesellen betreut er die Blechbläser. Sein Meisterkollege Stefan Helmig (Holzblasinstrumentenbau) kümmert sich zusammen mit einer Auszubildenden um die Holzbläser, die „München Blech“ – seinem Namen zum Trotz – von Beginn an unter seine Fittiche genommen hat.

Von Gabriele Luster

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