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Matthias Lilienthal sieht mit Blick auf die Nachfrage keinen Grund zum Gruseln.

Vorschau auf die neue Saison der Kammerspiele München

Zweite Spielzeit für Lilienthal: Gespenster der Gegenwart

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München - Intendant Matthias Lilienthal präsentiert seine zweite Spielzeit an den Münchner Kammerspielen.

Schon die Besetzung des Podiums war ein Statement: Da wurde Englisch, Deutsch, Japanisch gesprochen und frisch drauf los übersetzt, damit gleich das richtige internationale Flair aufkommt. Wir sind global aufgestellt, wir machen hier Welttheater im buchstäblichen Sinn, so etwa lautete die unausgesprochene Botschaft der Spielzeit-Pressekonferenz, bei der die Münchner Kammerspiele ihr Programm der kommenden Saison vorstellten.

„Die nächste Spielzeit steht für mich unter dem Blickwinkel Migration und Flucht“, erklärte Intendant Matthias Lilienthal gleich zu Beginn – während natürlich alle begierig waren, zu hören, was er über seine noch laufende erste Spielzeit in München sagen würde. Aber als Profi in Sachen Dramaturgie sorgte Lilienthal erst mal für Spannungssteigerung, platzierte sich selbst am Rand und ließ die Regisseure reden, die in der kommenden Saison als Gäste am Haus arbeiten werden.

Eine Saison zu den Themenbereichen Migration und Flucht

So etwa der französische Nachwuchs-Star Julien Gosselin aus Lille, der erstmals an einem deutschen Theater inszeniert. Er wird die Romane „Unterwerfung“ und „Plattform“ von Michelle Houellebecq dramatisieren – ein Autor, der „naiver und romantischer“ sei, „als wir glauben“, sagte Gosselin. Extra aus Teheran eingeflogen war der Iraner Amir Reza Koohestani, der als gefragter Theatermacher viel in ganz Europa unterwegs ist, aber immer wieder nach Teheran zurückkehrt. „Ich habe keine andere Möglichkeit, ich fühle mich sehr allein, wenn ich im Ausland bin“, erklärte Koohestani. Er wird einen Roman von Kamel Daoud auf die Bühne bringen, in dem die Geschichte aus Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ aus algerischer Sicht weitererzählt wird.

Der Japaner Toshiki Okada wiederum interessiert sich für „Stücke, in denen Gespenster vorkommen“ und inszeniert darum in Anlehnung an den Stil des traditionellen japanischen Nõ-Theaters ein Werk über den GAU von Fukushima. „Welche Verantwortung haben wir für Menschen, die erst hunderte Jahre nach uns geboren werden?“, fragte der Regisseur, für den Gespenster nicht nur Menschen sind, die vor uns gelebt haben, sondern auch solche, die lange nach uns leben werden. Bei allem Respekt vor den Geistern der Vergangenheit und Zukunft scharrten die versammelten Journalisten doch mit den Füßen, weil sie endlich harte Fakten aus der Gegenwart erfahren wollten: Wie haben sich zum Beispiel die Besucherzahlen entwickelt? Aber siehe da, hier ist alles bestens, alles wie immer, kein Grund zum Gruseln. „Die Auslastung liegt bei über 75 Prozent“, erklärte Oliver Beckmann, Geschäftsführender Direktor der Kammerspiele. Ja, mit 98 000 Besuchern sei die Zahl sogar die höchste in den letzten vier Jahren.

Das Publikum wird jünger

Verändert habe sich dagegen die Zusammensetzung des Publikums: Während früher 13 Prozent Studentenkarten ausgegeben wurden, sind es jetzt 28 Prozent, das heißt es kommen mehr jüngere Zuschauer. Zwar seien die Besucher mit der „Theatercard“ weniger geworden, dafür gibt es nach Angaben des Theaters mehr „Vollzahler“, sodass sich die Einnahmen aus dem Kartenverkauf wieder ausgleichen.

Freudig überrascht war Matthias Lilienthal auch, dass die Auftritte freier Gruppen, die er besonders fördert, „im Prinzip voll“ sind. „In Berlin am HAU haben wir dagegen sieben Jahre gebraucht, um das durchzusetzen“, erinnerte er sich. Und dass das Presse-Echo auf seine erste Spielzeit nicht gerade euphorisch war, sieht der Intendant gelassen: „Die Rezeption ist euer Job, dazu sag ich nix. Alles, was ihr schreibt, ist richtig – für euch.“

Natürlich würden er und sein Team versuchen, auf die öffentliche Reaktion einzugehen, aber andererseits gehe es ihm „schon auch darum, ein ästhetisches Konzept einige Jahre zu behaupten“. Etwas offensiver formulierte es sein Chefdramaturg Benjamin von Blomberg, der meinte, die Kammerspiele wollten so etwas wie ein „Lebensgefühl 4.0“ vermitteln. Dass in der nächsten Saison auch alte Bekannte wie Christoph Marthaler oder Susanne Kennedy inszenieren, steht dem erfreulicherweise nicht im Weg.

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