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Intendant Paul Müller

Münchner Philharmoniker

Intendant über schwere Lage nach Maazel-Rücktritt

München - Der Rücktritt von Chefdirigent Lorin Maazel stellt die Münchner Philharmoniker vor gewaltige Probleme. Weite Teile der kommenden Spielzeit sind Makulatur. Am meisten Arbeit hat nun Intendant Paul Müller. Ein Interview.

Wie viele Konzerte haben Sie schon umbesetzt? 

Das kann ich noch nicht beantworten. Wir schauen gerade, welche Dirigenten in unserer nächsten Saison zur Verfügung stehen. Üblicherweise werden sie zwei bis drei Jahre im Voraus gebucht. Das heißt: Sie sind eigentlich schon andernorts verpflichtet. Das alles ergibt eine Art Puzzle. Wir hatten 45 Konzerte mit Lorin Maazel inklusive Tournee-Abende geplant. Beim Chef sind außerdem Verzahnungen üblich: Manche Programme werden geprobt und erst zu einem späteren Zeitpunkt, etwa auf Reisen, gebraucht. Überdies kann ein Chefdirigent Repertoire relativ kurzfristig abrufen. All das verkompliziert die Sache zusätzlich. 

Fallen Konzerte aus?

Wir tun alles, um es zu vermeiden. Ich wäre ein Prophet, wenn ich sagen könnte: Definitiv fällt keines aus. Logischerweise ist das der schlimmste Fall. Wir brauchen zwei bis drei Monate, um Konkretes sagen zu können.

Wie sehr sind Sie von Lorin Maazels Rücktritt überrascht worden? 

Ich habe die Entwicklung natürlich mit großer Sorge beobachtet. Es gab allerdings keinerlei Anzeichen, dass es sich um ein mittel- bis langfristiges Problem handeln könnte. Wir gingen fest davon aus, dass er die kommende Saison übernehmen kann. Da kann man nur sagen: C’est la vie, wir müssen nun sehen, wie wir das managen können.

Wie krank ist er? 

Er ist auf gutem Wege der Besserung. Die genauen Hintergründe sind  mir nicht bekannt. Krankheiten sind eine vertrauliche Angelegenheit.  Das BR-Symphonieorchester geht relativ offen mit den Erkrankungen von Mariss Jansons um. Eine weitere Konkretisierung kann ich Ihnen nicht geben. Ich denke, es wird alles gut werden. Niemand kann aber eine Aussage treffen, wann. 

Rechnen Sie mit einer Rückkehr? 

Meine Verantwortung ist immens. Ich muss die nächste Spielzeit zu einem relativ späten Zeitpunkt vollkommen neu bauen. Ich beschäftige mich mit den Fragen, die ich managen kann. 

Sie planen vorerst also ohne ihn.   

Ja. Aber wenn er wiederkommen sollte, dann planen wir ihn immer gerne ein.

Schlägt jetzt die Verpflichtung eines älteren Chefdirigenten aufs Orchester zurück?

Ganz klar: nein. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir ihn verpflichtet haben, gab es für eine solche Entwicklung keinerlei Anzeichen.

Trotzdem hätte das Engagement eines jüngeren Dirigenten ein geringeres Risiko bedeutet. 

Na ja. Sie wissen, wie ein Orchester und ein Chef zusammenkommen. Das Alter und das damit zusammenhängende Risiko sind eine individuelle Angelegenheit und vielleicht eher eine philosophische Diskussion, die wir hier nicht entscheiden können. Alles deutete damals darauf hin, dass diese drei Jahre fantastisch funktionieren könnten. 

Unabhängig davon, ob das alles Schicksal war: Wie stark leidet die Marke Münchner Philharmoniker unter den vielen Problemen mit den Chefdirigenten in der jüngeren Zeit?

Gar nicht. Ich kann dieses Leid nicht feststellen. In so einer Situation wie jetzt helfen alle. Maestro Maazel genießt weltweit höchsten Respekt. Ich kann nur guten Willen feststellen, diese Probleme zu lösen. Tatsache ist natürlich: Tourneen sind sehr finanzintensiv, auch auf Seiten der Veranstalter. Und die haben die Philharmoniker mit Maazel gebucht... 

Trotzdem: War es nicht ein Risiko, Maazel in seiner letzten Saison für so viele Konzerte einzuplanen? 

Zum Zeitpunkt unserer Planung war das nicht abzusehen. Wir haben die Saison so auf ihn fokussiert, weil er im März 2015 seinen 85. Geburtstag feiert. Außerdem: Wir hätten nicht so viele Konzerte mit ihm, wenn nicht die Nachfrage so hoch wäre. 

Und was machen die Leute, die das Chefdirigenten-Abo haben?

Dazu haben wir Szenarien entwickelt. Aber hier Entscheidungen zu treffen, ist erst sinnvoll, wenn wir wissen, wer wann dirigiert. Das Chef-Abo, das ist mir klar, kann es so nicht geben.

Wann erfahren wir Genaueres über die Saison? 

Wir würden gern vor den Sommerferien ein paar klare Signale setzen.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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