Internationales Figurentheaterfestival: Im Zeichen des Golem

München - Ein unheimliches Maskottchen lacht vom 16. Programm des Internationalen Figurentheaterfestivals in München: der Golem, jene riesenhafte Lehm-Kreatur des Prager Rabbi Löw.

Das junge israelisch-finnische Sixfingers Theater leiht ihm in "Golemanual" seine eigenen Hände, um sich in einem plastischen Traumspiel der geheimnisvollen Macht zu nähern. Denn auch der Golem ist eine vom Menschen gemachte Puppe. Sie entwickelt ein Eigenleben und muss vom Menschen schließlich wieder bezwungen werden.

Der legendäre Stummfilm, in dem Paul Wegener 1920 den Golem zum Leben erweckte, wird neben einer Reihe von Animationskurzfilmen im Begleitprogramm des Festivals gezeigt.

Doch auch thematisch ruht der Golem - in seiner jüdischen Herkunft sowie in seinem Mit- wie Gegeneinander - im Festival: "Gegen Über Neben An" lautet das diesjährige Motto. Um das zu finden, reichte der künstlerischen Leiterin Mascha Erbelding und dem Miniaturtheaterspieler Jörg Baesecke, Präsident der Münchner Gesellschaft zur Förderung des Puppenspiels (GFP), ein Blick aus dem Fenster des Stadtmuseums auf den St.-Jakobs-Platz.

Denn da wartete schon die neue Nachbarschaft des Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums wie des Jüdischen Museums und die alte Nachbarschaft des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums wie des Alten- und Service-Zentrums Altstadt. Überall hier finden sich vom 7. bis 11. November die Wirkstätten des Figurentheaterfestivals.

Gewissermaßen als thematischer Nachbar beteiligt sich erneut die Schauburg: mit dem eigenen Kinderstück "Spatz Fritz" sowie mit zwei Gastspielen, darunter die "Passion der Schafe" des Ensemble Materialtheater Stuttgart und internationalen Gästen. Eine atheistische Entdeckungsreise durch biblische Geschichten, gespielt aus ungewöhnlichen Blickwinkeln.

Das Festival wendet sich vor allem an Jugendliche und Erwachsene und beschäftigt sich dabei auch mit Figurentheaterformen, bei denen nicht die Puppe, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht und zur Puppe wird. So etwa in "Intimitäten", einer Art Video-Performance, bei der Iris Meinhardt mit einer Finger-Kamera sich selbst als Fremde erforscht. Auch für Kinder spielt hingegen die sanfte französisch-israelische Koproduktion von Compagnie Ambulo und Train Theater: "A Touch of light/Ein Licht in der Nacht" bringt das Leben von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, ans Kerzenlicht.

Zwei Ausstellungen stimmen nachdenklich: Das Stadtmuseum zeigt Babuschka-Zeichnungen der Jerusalemer Künstlerin, Lyrikerin und Puppenspielerin Hamutal Fishman, die nach einer Heimat in der Fremdheit fragen. Im Jüdischen Museum sind derweil Grafiken und Figuren des "Münchner Marionettentheaters Jüdischer Künstler" (1934-1937) zu sehen, geschaffen von Maria Luiko (1904-1941), der es die Nazis verboten aufzutreten.

Karten unter:

089/ 23 32 52 69, www.figurentheater-gfp.de.

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