Internet-Schabernack

- BallettTheater-Chef Philip Taylor nennt es "Workshop". Bescheiden. Denn was seine Tänzer im fünften Jahr im Akademietheater zeigten, ist eine wahre Choreographen-Talenteplattform. Von den neun Stücken fünf rausgesucht - und das Stammhaus, Münchens Gärtnerplatztheater, hätte einen neuen hinreißenden Abend.

<P>Wer nicht choreographierte, half bei Licht, Ton, Kostümen und flottem Ablauf. "Tanzen allein genügt nicht", Taylors fruchtbare Maxime hat die Kreativität seines Ensembles prächtig angeschoben.</P><P>Gewiss, Erst-/Zweitversuche sind stellenweise noch etwas "schwach auf den Beinen". Darf sein. Gerade durch das Kämpfen-um wächst die Kraft, erlernt sich das Handwerk. Schwierigste Hürde für die meisten: einen künstlerischen logischen Schluss zu finden. Und gerade der ist wichtig. Den nimmt der Zuschauer mit nach Hause. Aber fast alle diese Tänzer, weil das ihr tägliches Medium, beherrschen das Kyliá´n/Taylor-Modern-Dance-Vokabular, nutzen es - auch im Raum, in der Musik - erstaunlich sicher. Darüber hinaus die Freiräume des Modernen: für feine Kontaktimprovisation (Gesinge Moog), subtile Tanztheatermittel und Gefühlsdramatik (Annett Göhre), für spezifisch auf Körper & Psyche der eingesetzten Tänzerkollegen (mein Gott, sind die alle super) hin gefundenen Bewegungen (Ihsan Rustem, Artemis Sacantanis). </P><P>Unsere persönlichen "Winner" diesmal: Cayetano Soto, durch seine Stücke fürs große Haus ja schon Semi-Profi, mit "Conte d'Amor" zu einem herben Klavier-Quintett von Gideon Lewenson. Ein neoklassischer Liebes-Pas-de deux, neo-expressionistisch überhaucht, sublim getanzt von Göhre und Rustem. Damien Liger, der zu Vivaldis "Nisi Dominus" ein wunderbar harmonisch-selbstverständlich fließendes Sextett gezaubert hat.</P><P>Und: David Middendorp. Die Qualen am Computer, ein Jahr lang, haben sich gelohnt: wie drei Tänzer hinter einem Bildschirm verschwinden, dort als kecke Animations-Alter-Egos ihren Schabernack treiben, auch mal flink das Geschlecht wechseln und, selbst erstaunt, wieder in den Live-Body zurückkehren, da ist mal Tanz und Technik mit Köpfchen zusammengebracht. Weiter so!<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

ESC zum Gähnen - nur die Bühne sorgt für Erregung
Absicht oder Malheur? Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest stach das Bühnendesign deutlich hervor und sorgte nicht nur im Netz für Spott. 
ESC zum Gähnen - nur die Bühne sorgt für Erregung
Eran Shakines Gentlemen bitten ins Museum
Das Jüdische Museum München ermöglicht mit „A Muslim, a Christian and a Jew“ eine Begegnung mit dem Werk des Künstlers Eran Shakine. Lesen Sie hier unsere …
Eran Shakines Gentlemen bitten ins Museum
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Selbst der grausigste Tragödienbrocken bekommt bei Regisseur David Bösch etwas Verspieltes. Sein Nürnberger „Idomeneo“ überwältigt vielleicht nicht, wirkt aber trotzdem …
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow

Kommentare