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Andrea Riseborough spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihren neuen Film „W.E.“ und die Zusammenarbeit mit Superstar Madonna als Regisseurin.

Interview mit Andrea Riseborough

"Sie hat uns enorme Freiheit ermöglicht"

München - Andrea Riseborough spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihren neuen Film „W.E.“ und die Zusammenarbeit mit Superstar Madonna als Regisseurin.

Mit Filmen wie „Brighton Rock“ oder „We Want Sex“ hat Andrea Riseborough bewiesen, dass sie eine geradezu beängstigend talentierte Schauspielerin ist. Im Gespräch zu ihrem neuen Film „W.E.“, der am Donnerstag anläuft, erweist sich die zierliche 30-Jährige als geradezu beängstigend eloquent: Ihre druckreifen, im Maschinengewehrtempo abgefeuerten Antworten unterbricht sie nur bisweilen mit einem überlauten, hysterisch anmutenden Lachen.

In Madonnas zweiter Regiearbeit „W.E.“ spielen Sie Wallis Simpson – die Frau, wegen der 1936 der britische König Edward VIII. abdankte. Hatten Sie Angst davor, als Britin eine amerikanische Ikone zu verkörpern?

Nein. Es ist nie gut, sich von Ängsten oder Zweifeln leiten zu lassen. Wer das tut, verpasst das Beste im Leben. Soll man etwa Tatar nur deshalb nicht essen, weil man eventuell davon krank werden könnte? Dann würde man ja nie erfahren, wie köstlich es schmeckt! Hahaha!

Hatten Sie Zugang zu den historischen Aufnahmen über Wallis Simpson?

Nein, ich habe mich einfach durch die Dreharbeiten hindurchgemogelt. (Pause.) Hahaha! Das war ein Witz! Natürlich habe ich alles akribisch studiert, was ich in die Finger bekommen konnte: Fotos, Film- und Tonbandaufnahmen, Briefe – und alles, was je über Wallis geschrieben wurde. Ich wollte genau wissen, wie sie sprach, wie sie sich bewegte, wie sie dachte und warum.

Was war das Wichtigste, das Sie über sie herausgefunden haben?

Dass sie ein Opfer ihrer Zeit war. Ihr Vater starb kurz nach ihrer Geburt; der einzige Weg, der ihr offenstand, war der, jemanden zu heiraten. Das tat sie auch. Doch ihr Ehemann entpuppte sich als extrem gewalttätiger Alkoholiker. Wallis hatte den großen Mut, sich scheiden zu lassen. Seitdem wurde sie wie eine Aussätzige behandelt. Hätte sie Kronprinz Edward 20 Jahre früher kennengelernt, dann hätte sie eine gute Königin werden können. Aber als geschiedene Frau war sie chancenlos.

Was hat Madonna so an Wallis Simpson fasziniert?

Ich glaube, sie kann besonders gut nachvollziehen, welche Opfer Wallis in ihrem Leben bringen musste. Auch Madonna steht ja extrem im kritischen Blick der Öffentlichkeit. Sie weiß, wie es sich anfühlt, ein Leben auf dem Präsentierteller oder im Goldfischglas führen zu müssen.

Ist Madonna als Regisseurin ähnlich perfektionistisch wie als Musikerin?

Ja. „Perfektionismus“ gilt heutzutage schon fast als Schimpfwort – völlig zu Unrecht, wie ich finde! Ich war jedenfalls sehr dankbar für Madonnas präzise Vorbereitung, für ihre Hartnäckigkeit und Hingabe: Sie hat uns Darstellern letztlich eine enorme Freiheit beim Spielen ermöglicht.

Sind Sie selbst auch eine Perfektionistin?

Ich versuche, es nicht zu sein. Ich kämpfe tapfer dagegen an. Hahaha!

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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