„Ich halte mich für sehr locker“: Star-Tenor Jonas Kaufmann (40) gastiert am kommenden Dienstag mit einem Arien-Abend im Münchner Gasteig. foto: Dietmar Scholz

Interview mit Jonas Kaufmann: „Einfach den Turbo zuschalten“

München - Karten für die anstehenden Staatsopernauftritte von Tenorstar Jonas Kaufmann in „Carmen“ und „Tosca“ sind schon jetzt Mangelware. Vor seinem Auftritt sprach der Künstler über sein Münchner Konzert, Italienisches bei Wagner und den hohen Erwartungsdruck.

Auf was darf sich das Publikum bei diesem Konzert freuen?

Man muss sich ja immer ein Motto geben. Sinn und Zweck meiner letzten CD, an der sich jetzt auch das Programm für das Konzert orientiert, war es zu zeigen, was in der deutschen Oper alles unter dem Begriff „Romantik“ gefasst werden kann. Das reicht vom „Parsifal“ bis zur „Zauberflöte“ und Schubert.

Nach dem Erfolg als Lohengrin 2009 kommen jetzt wahrscheinlich vor allem Wagner-Angebote.

Natürlich, doch das war jetzt mit „Werther“ in Paris genau das Gleiche. Da gab es viele, die mir gesagt haben: nur noch französische Opern. Aber das wäre furchtbar langweilig. Eine Oper kann noch so gut sein, wenn ich sie zwei Jahre lang ausschließlich singen müsste, ich würde sie hassen lernen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn etwas zur Routine wird und keine Kreativität mehr dahinter steckt. Das hat kein Stück verdient.

Nach dem „Lohengrin“ hieß es, Sie sollten bei Wagner bleiben.

Das werde ich sicher nicht machen. Ich glaube, dass ich diesen Partien nur dann etwas Besonderes geben kann, wenn ich versuche, die Erfahrungen aus dem italienischen und französischen Fach oder auch vom Lied mit hineinzubringen. Außerdem hat Wagner selbst immer wieder betont, dass eine ideale Interpretation seiner Musik auf dem italienischen Gesang beruht.

Das dürfte in der Praxis nicht immer einfach sein.

Es ist klar, dass das bei vielen Stücken sehr schwierig zu erreichen ist, weil es oft sehr lange Passagen gibt, bei denen man einfach den Turbo zuschalten muss. Deshalb darf man die Italianità aber nicht aus den Augen verlieren. Ich habe neulich eine historische Aufnahme von Alessandro Ziliani gehört, „Lohengrin“ auf Italienisch. Das hatte eine solche Weichheit, dass es schon fast in Richtung Puccini ging.

Da scheint es konsequent, dass vor Ihrem diesjährigen Bayreuth-Debüt für München noch eine neue „Tosca“ ansteht.

Generell steckt da schon Konzept dahinter, dass ich versuche, verschiedene Operngattungen möglichst abwechselnd zu machen. Das ist sicher manchmal extrem, wenn es dicht aufeinander kommt. Ich glaube trotzdem, dass es mir gut tut. Auf die „Tosca“ freue ich mich vor allem, weil es meine erste große italienische Premiere in München sein wird. Gerade weil ich hier geboren bin und es das Haus ist, in dem ich Oper kennengelernt habe, liegt mir das besonders am Herzen.

Hier galt für Sie ja lange der Spruch vom Propheten im eigenen Lande...

Es hat eine Weile gedauert, umso mehr genieße ich das jetzt. Als Kind träumt man ja nicht gleich von der Met, sondern man träumt von dem Haus, das man kennt. Also hätte es für mich gar nicht besser laufen können.

Wie gehen Sie mit Druck um?

Inzwischen sind die Erwartungen sehr hoch: Wenn Jonas Kaufmann singt, muss es ein Event sein. Von solchen Gedanken muss ich mich frei machen, weil ich sonst nur noch an Töne und Technik denken würde. Ich halte mich da aber für sehr locker. Ich mache das, was ich kann, so gut, wie ich es kann. Nur weil der Druck größer wird, kann ich nicht versuchen, die Sache jedes Mal noch spektakulärer zu machen. Gerade die besonderen Momente können auf der Bühne nur spontan aus der Situation heraus entstehen.

Gab es auch so einen besonderen Moment, der Ihre Liebe zur Oper geweckt hat?

Als Kind habe ich viel im Nationaltheater gesehen. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine wundervolle „Carmen“ mit Carreras. Später habe ich während der Schulzeit am Gärtnerplatz im Chor gesungen und durfte an der Staatsoper einen der Bauern im „Ubu Rex“ machen. Das war natürlich klasse. Umso mehr hat es mich später gewurmt, dass ich nach dem Studium lange keinen Fuß in die Tür der Münchner Oper bekommen habe. Ich hoffe wirklich, dass München so etwas wie ein Stammhaus wird. Wir planen schon bis 2015, man wird mich hier also in Zukunft auf alle Fälle regelmäßig sehen. So viel darf ich schon verraten.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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