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Katia und Marielle Labèque spielen am 12. Juli bei Münchens „Klassik am Odeonsplatz“ Francis Poulencs Doppelkonzert.

Interview zum Konzert der Schwestern Labèque

Das Klavierduo Katia und Marielle Labèque spricht im Interview über Freiluft-Konzerte und die Liebe ihrer Mutter zum Piano.

Gerade erst haben Katia und Marielle Labèque den Münchner Fans ihre neueste CD vorgestellt, da wirft bereits das nächste große Ereignis seine Schatten voraus. Am 12. Juli wird das französische Klavierduo bei „Klassik am Odeonsplatz“ Francis Poulencs Doppelkonzert interpretieren.

-Dieser Auftritt ist keineswegs Ihr erstes Open-Air-Erlebnis.

Marielle Labèque: Unser erstes Open Air war in Chicago, wo es furchtbar heiß war. Aber unter freiem Himmel zu spielen, ist wundervoll, einfach wegen der Atmosphäre. Manchmal wünsche ich mir dann fast, ich würde auch da unten sitzen, wenn ich die Leute mit ihren Weingläsern sehe.

Katia Labèque: Außerdem spielt man dabei oft vor einem völlig neuen Publikum. Menschen, die nicht unbedingt die typischen Konzertgänger sind. Ihnen die Musik näherzubringen, ist sehr aufregend.

Katia Labèque: Die Auswahl der Stücke ändert sich, aber nicht unsere Art zu spielen. Wir würden hier zum Beispiel nie eine Schubert-Fantasie spielen. Aber das Poulenc-Konzert ist für solche Gelegenheiten einfach ideal.

Marielle Labèque: Wir haben kurz an Mozart oder Mendelssohn gedacht, waren uns aber schnell einig, dass Poulenc das beste Stück ist, weil es eine sehr mitreißende, fröhliche Musik ist, beinahe wie ein Glas Champagner.

-Viele sehen das Klavier als Solo-Instrument.

Marielle Labèque: Ja, leider. Die meisten wissen überhaupt nichts von Stücken wie dem Poulenc-Werk. Als Klavierduo hat man nur selten die Chance, mit Orchester zu spielen. Deshalb hört man solche Kompositionen eben nicht so oft wie ein Solo-Konzert von Chopin oder Schubert.

-War das schmale Repertoire für Klavierduo für Sie je ein Problem?

Marielle Labèque: Eigentlich nicht, weil wir sehr viel unterwegs sind und in Europa und den USA mit allen großen Orchestern auftreten können.

Katia Labèque: Es gibt genügend interessante Stücke für uns. Trotzdem haben wir eine Stiftung gegründet, deren Ziel es ist, mehr Repertoire für Klavierduo zu schaffen.

-Auch Orchesterwerke?

Katia Labèque: Mit Konzerten ist es immer schwieriger. Allein vom Aufwand her. Für Solo-Abende haben wir mehr im Angebot und auch mehr Freiheiten. Als Nächstes erarbeiten wir etwa „Iberia“ von Albéniz. Auch das ist ein Werk, das man nur noch selten hört. Wer außer Alicia de la Rocha spielt das schon?

Marielle Labèque: Wenn Sie ihre Aufnahme hören, ist unglaublich, wie sie das macht. Wir spielen eine Version für vier Hände, und sogar das ist wahnsinnig schwer.

-Ihre Mutter spielte auch Klavier. War es immer klar, dass Sie ebenfalls beide dieses Instrument wählen würden?

Marielle Labèque: Ich hätte auch gerne Cello gespielt, aber es war unmöglich, unserer Mutter standzuhalten. Sie liebte das Klavier so sehr, und alles um sie herum hatte mit diesem Instrument zu tun. Katia war in der Hinsicht trotzdem viel ehrgeiziger. Ich habe das alles erst später entdeckt.

 -Hat Sie Ihre Mutter ermutigt, als Duo zu spielen?

Marielle Labèque: Ja, aber als wir Kinder waren, hat das nie so richtig funktioniert. Wir mussten erst lernen, für uns selbst zu spielen, ehe wir zusammen auf die Bühne gehen konnten. Es ist hart, so eine Karriere allein durchzuziehen. Aber wir können zum Glück immer miteinander reden und unsere Ideen austauschen.

-Trotzdem gehen Sie ab und zu getrennte Wege.

Katia Labèque: Ich liebe Kammermusik, weil es eine schöne Gelegenheit ist, Freunde zu treffen und mit ihnen zu spielen, so wie Marielle das tut. Aber ich improvisiere dann doch lieber mit meiner Jazz-Band. Das ist der einzige Punkt, in dem wir uns unterscheiden. Wenn sie alleine spielt, ist das eher Brahms als Beatles.

-Bleibt bei Ihrem vollen Terminkalender dafür überhaupt noch Zeit?

Katia Labèque: Nicht mehr so oft, aber ich liebe den Jazz. Obwohl er nicht meine Spezialdisziplin ist. Er ist sehr kompliziert, mindestens so schwer wie das klassische Repertoire. Und viele junge Musiker sind heute nicht mehr so mutig, wirklich Neues zu schaffen wie früher ein Charlie Parker.

-Auf der anderen Seite werden im klassischen Bereich immer wieder die gleichen Stücke auf CD gebannt.

Katia Labèque: Wenn man etwas spielt, das sehr bekannt ist, dann muss man es so machen wie Glenn Gould. Mit Traditionen brechen und völlig neu an die Sache herangehen. Es ist natürlich nicht immer leicht, einen neuen, frischen Zugang zu finden, aber wenn einem das nicht gelingt, kann man es gleich bleiben lassen.

Das Interview führte Tobias Hell

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