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"Privat bin ich ganz anders. Ich bin schüchtern, man glaubt es nicht" : Elina Garanca steht im Mittelpunkt des ARD-Neujahrskonzerts.

Interview mit Mezzo-Star Elina Garanca

Extreme liegen mir

Mezzo-Star Elina Garanca über Regisseure, ihre Schauspiel-Träume und die dunkle Seite des Klassikmarkts.

Eng ist es geworden im Fach der Mezzosopranistinnen. Doch um eine reißen sich die internationalen Opernhäuser und Konzertveranstalter ganz besonders: um die Lettin Elina Garanca. Gerade hat die 32-Jährige als Charlotte in Massenets "Werther" die Münchner Fans begeistert, nun wendet sie sich auf ihrer neuen CD den Belcanto-Rollen zwischen Rossini, Donizetti und Bellini zu.

Interview mit Mezzo-Star Elina Garanca

Und am 1. Januar ist sie ab 10 Uhr im ersten Neujahrskonzert der ARD zu erleben - Elina Garanca steht im Mittelpunkt einer Gala aus dem Festspielhaus Baden-Baden.

Vor einiger Zeit haben Sie über Ihre Karriere gesagt: Es geht mir wie einer Katze, die sich vorsichtig übers Eis tastet. Und jetzt?

Das Eis wird immer fester. Auch wenn ich die End-Dicke noch nicht kenne. Das Repertoire hat sich erweitert. Ich bin reifer geworden. Mein Traum bleibt nach wie vor Amneris in Verdis "Aida". Sie kann wahnsinnig arrogant sein, neidisch, eifersüchtig, verzweifelt, liebend bis zum Geht-nicht-mehr. Diese Extreme liegen mir.

Sie wollten früher einmal Schauspielerin werden. Wie lange haben Sie das verfolgt?

Das tue ich immer noch. Ich glaube nicht, dass ich singen kann, bis ich 80 bin. Ich hoffe, dass ich es schaffe, rechtzeitig von der Opernbühne abzutreten. Und dann bin ich hoffentlich noch gesundheitlich o.k. - warum dann nicht Schauspiel? Ich könnte mir auch vorstellen, Regie zu führen. Das allerdings würde ich wirklich lernen wollen, also nicht einfach als Quereinsteigerin anfangen. Eine alte Ex-Sängerin, die nur daheim sitzt und sich alte Fotos anschaut - das möchte ich jedenfalls nicht sein.

Was stört Sie denn an Regisseuren?

Oft sind sie so pingelig, so mit Kleinigkeiten beschäftigt. "Geh’ zwei Schritte nach rechts" oder "Dreh’ dich in diesem Takt um" - das bekomme ich manchmal zu hören ohne eine Begründung, ohne einen Entwurf vom ganzen Stück. Wir Sänger sind voller Emotionen. Und die müssen genutzt werden. Die besten Regisseure sind gute Beobachter.

Sind Sie eine schwierige Sängerin?

Das müssen die Regisseure beantworten. Ich frage halt immer "Warum, warum, warum". Wenn ich gute Antworten bekomme, bin ich für Regisseure ein Traum. Wenn einer sagt "Ich weiß nicht", bin ich ein Albtraum.

Christa Ludwig meinte im Interview mit unserer Zeitung, Hosenrollen wie Oktavian oder Cherubino habe sie nicht gemocht. Da habe sie sich nämlich immer in "Pressleiberl" stecken lassen müssen...

(Lacht.) Außer der Sache mit den Busenquetschern liebe ich die Partien wirklich. Es macht Spaß, die naiven Buben zu spielen. Wo kann ich sonst mal breitbeinig dasitzen? Oder als Cherubino die Frauen begrapschen? Damit darf ich mich ja indirekt über Frauen lustig machen. Diese Partien bieten Unmengen von Humor.

Ihre Karriere hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm rasant entwickelt. Haben Sie sich das alles so ausgemalt? Oder vielleicht erhofft?

Ich erwarte oder hoffe gar nichts. Sonst wird man zu oft enttäuscht. Natürlich freut man sich über die Popularität. Aber ich bin mit der Zeit noch realistischer geworden. Ich begreife auch, wie falsch dieses ganze Drumherum sein kann und wie viele Leute von einem profitieren, nur weil man einen Namen hat. Inzwischen bin ich verheiratet (mit dem Dirigenten Karel Mark Chichon, d. Red.) und denke über Familie nach. Deshalb will ich nicht nur Sängerin, sondern auch Frau sein. Wenn die Stimme mal weg ist, muss das Leben ja noch weitergehen.

Aber wie entwöhnt man sich von den Drogen Applaus und Ruhm?

Deshalb ist es ja so wichtig, den Alltag gerade jetzt zu pflegen. Nur sich als Carmen oder Rosenkavalier zu sehen, jeden Tag aufzustehen und zu sagen: Mein Gott, bin ich schön - das wäre nichts für mich. Vielleicht sind wir Sänger da egoistischer, selbstschützender geworden. Wir opfern uns nicht mehr nur für die Bühne. Manchmal, wenn ich so ein Poster mit mir sehe, das für einen Auftritt oder eine CD wirbt, ist mir das richtig unangenehm. Als ob das eine andere Frau wäre.

Das ist ja das Prinzip der Marketing-Industrie: ein bestimmtes Image zu verkaufen. Sind Sie manchmal sogar froh darüber, weil Sie sich dahinter verstecken können?

Ich trenne ja sowieso immer privates und öffentliches Leben. Auf der einen Seite gibt es Elina mit Mann, Familie und Freunden, auf der anderen Seite Frau Garanca für das Äußerliche, das man verkaufen kann. Privat bin ich ganz anders. Ich bin schüchtern, werde rot, wie es gar nicht röter geht... Man glaubt es nicht (lacht).

Sie leben in Wien, stammen aus Riga: Was heißt Heimat für Sie?

Wir ziehen nächstes Jahr um, weil mein Mann Chef des lettischen National-Symphonieorchesters wird. Wir werden uns in Riga etwas suchen - und vielleicht auch in Spanien. Ich bin seit zehn Jahren von Riga weg, hatte mich aber nie ganz abgekoppelt und war zwei-, dreimal pro Jahr dort. Mir gefällt die Denkweise der Letten - auch wenn wir manchmal etwas melancholisch oder depressiv sein mögen. Irgendwie habe ich gerade das Gefühl: Ich will das, woher ich komme, wieder in mich aufsaugen. Es ist eine Frage der Balance.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

Elina Garanca: "Bel Canto". Filarmonica del Teatro Comunale di Bologna. Die CD erscheint am 9.1., das Münchner Konzert ist am 23. März in der Philharmonie.

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