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Piotr Beczala wurde im Juni mit dem Europäischen Kulturpreises geehrt - in Dresden, am Ort seines Lohengrin-Debüts.

BAYREUTHER FESTSPIELE

Piotr Beczala: „Ich sehe das nicht als Genugtuung“

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„Eine schwere Geburt“ sei dieses Bayreuth-Debüt gewesen, sagt Piotr Beczala. Ein Interview mit dem neuen Bayreuther Lohengrin.

Bayreuth - Als er am Mittwoch zur ersten Probe erschien, habe es eine Art Freudenkundgebung gegeben, so wird erzählt. Für die Bayreuther Festspiele ist Piotr Beczala (51) der Retter aus höchster Not – was ja ganz gut zur Handlung von Wagners „Lohengrin“ passt. Kurz ist die Probenzeit am Grünen Hügel und deshalb ziemlich knackig. Trotzdem fand der neue Schwanenritter Zeit für ein Gespräch.

Viele hätten Sie gern von vornherein als Premierenbesetzung gesehen. Fühlen Sie jetzt Genugtuung?

Beczala: Ich sehe das nicht so. Ich nehme es, wie es ist, und will mich nicht in irgendeiner Form bestätigt wissen. Wenn man an einem solchen unglaublichen Ereignis wie Bayreuth teilnehmen kann, dann ist das wunderbar.

Nun ja, die meisten denken sich aber: Warum nicht gleich so?

Beczala: Die Vorgeschichte meines Engagements ist ziemlich kompliziert. Ich selbst kenne auch nicht alle Einzelheiten. Ich war 2015 für vier Tage in Bayreuth, um mit Christian Thielemann inkognito zu proben. Er brachte mich dazu, die Rolle überhaupt anzunehmen. Mein Debüt in Dresden 2016 war dann auch als eine Art Generalprobe für Bayreuth gedacht. Dann hat sich alles weiterentwickelt – und ich war nicht auf der Bayreuther Besetzungsliste. Es war wirklich ein bisschen mysteriös. Und ich war sehr enttäuscht, weil da etwas wieder zurückgepfiffen wurde.

Was hat letztlich den Ausschlag gegeben für Ihre Entscheidung jetzt?

Beczala: Es war eine schwere Geburt. Ich habe zwei Tage lang Nein gesagt. Die Entscheidung fiel auch schweren Herzens, weil ich ja noch einige Termine in diesem Sommer habe. Irgendwann in der letzten Zeit gab es dann Signale, dass der Kollege die Rolle vielleicht etwas unterschätzt haben könnte. Ich will das gar nicht kommentieren, es ist halt so. Wenn man die Partitur ganz nüchtern betrachtet, ist der höchste Ton ein A: Was, so denkt sich womöglich mancher, kann da schiefgehen? Aber dieses A taucht eben ständig auf. Der Lohengrin liegt unangenehm, gegen Ende wird es immer schwieriger. Dazu der Text – man muss sich das alles einteilen können. Christian Thielemann hat dann große Überzeugungsarbeit geleistet bei mir. Was das angeht, hat er ein vulkanisches Temperament. Ich musste außerdem die Partie dringend wieder auffrischen. Vor zwei Jahren habe ich sie nämlich das letzte Mal gesungen. Das Einspringen dazwischen in Zürich zählt nicht, da habe ich ja von der Seite und mit Noten gesungen. Also hieß es Lernen. Es wäre sonst merkwürdig gewesen, wenn schon wieder ein Tenor mit Textproblemen auf den Hügel kommt.

Können Sie Ihre anderen Sommertermine trotz Bayreuth alle wahrnehmen?

Beczala: Schwierig. Die Festspiele werden jetzt die Verantwortung übernehmen. Einen Liederabend in Paris habe ich abgesagt. Und man überlegt, ob der Münchner Liederabend am 23. Juli, also zwei Tage vor der Bayreuther Premiere, auf 2019 verschoben wird. Ich bin ja kein Übermensch. Ich muss ökonomisch denken, weil es in erster Linie um die Qualität geht. Ein Konzert irgendwie über die Runden bringen, das ginge vielleicht, wäre aber nicht gut. Ich konzentriere mich nun auf die Probenarbeit. An meinem ersten Tag hier hatte ich zwölf Stunden zu tun, am nächsten gleich wieder. Das ist ziemlich stressig.

Und wie sieht es mit den kommenden Bayreuther „Lohengrin“-Jahren aus?

Beczala: Ohnehin hatte ich für 2019 schon für zwei Bayreuther Gala-Vorstellungen mit Anna Netrebko als Elsa unterschrieben. Mehr wäre nächstes Jahr nicht gegangen, weil ich bis Ende Juli in Barcelona den Rodolfo in „Luisa Miller“ singe. Es kam aber von Christian Thielemann bereits eine vorsichtige Formulierung, ob ich in den darauf folgenden Bayreuther „Lohengrin“-Spielzeiten zur Verfügung stehen könnte. Ich kann nur sagen, dass ich mich gerade in Bayreuth wohlfühle. Bei der ersten Probe haben sich alle riesig gefreut, und das baut auf.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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