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Seit 20 Jahren eine Institution in der Musikbranche: Die Sportfreunde Stiller bringen ein neues Album heraus.

20 Jahre Bandgeschichte

Interview mit den "Sportis": "Immer verkatert aufwachen"

München - Seit 20 Jahren gibt es die Sportfreunde Stiller. Das Trio meldet sich mit einem neuen Album zurück. Wir haben die Band zum Interview geladen.

War es nicht gestern, als wir mit den Sportis Wellenreiten gingen? Tja. Aus den Jungs von einst, die im Atomic Café bedienten, um ihr Studium zu finanzieren, sind inzwischen Väter geworden. Auf der Bühne verströmt das Trio aber nach wie vor die Energie ewiger Jugend. Und so sind auch sie von ihrem eigenen Jubiläum überrascht: Die Sportfreunde Stiller gibt es seit 20 Jahren. Zum Jubiläum erscheint am 7. Oktober das Album "Sturm & Stille". Wir trafen uns mit Florian Weber (Schlagzeug) und Rüdiger Linhof (Bass).

Seht ihr eure Anfänge mittlerweile durch die rosarote Brille?

Florian Weber: Wir werden natürlich jetzt oft darauf angesprochen und stöbern nach Fotos. Es sind heiße Erinnerungen. In Hannover, in der Küche auf dem Boden pennen vor 18 Jahren, so etwas prägt. Wir haben am Boden angefangen und vor drei Leuten gespielt - und jetzt sind wir immer noch dabei. Furchtbar hat sich immer angefühlt, wenn man schrecklich gesoffen hat und am nächsten Morgen 700 Kilometer mit dem Sprinter fahren musste. Da hat schon mal einer aus dem Fenster gekotzt.

Rüdiger Linhof: Die Erinnerungen sind immer noch sehr bunt, und sie riechen stets irgendwie nach verrauchten Läden. Immer verkatert aufwachen.

Ihr habt es immer hinbekommen, euer Privatleben aus der Öffentlichkeit rauszuhalten …

Weber: Da bin ich auch ganz zufrieden. Es liegt aber auch an unserem Wesen, dass wir keinen Bock haben, so galamäßig über rote Teppiche zu laufen. Wir haben Kinder, bewegen uns ganz normal herum. Man nimmt uns eher als bodenständige Typen wahr. Da ist es dann auch nicht spannend, im Supermarkt rüberzugehen und zu sagen: "Ui Flo, du kaufst ja Klopapier …"

Linhof: Wenn ich mit dem Fahrrad vorbeifahre, heißt es manchmal: "Hi, Rüde!" Passt schon.

War es schwer, sich wieder für ein Album zusammenzufinden? Ihr wart ja ewig auf Tour …

Weber: Schwieriger war's nach dem Unplugged-Album. Diesmal hatten wir nur eine sechsmonatige kreative Pause, vom Tour-Ende bis zu dem Punkt, als wir uns trafen, um uns die Ideen vorzuspielen.

Linhof: Wir hatten uns auf einer Berghütte zum Skifahren verabredet. Wenn uns nichts eingefallen wäre, wären wir eben nur Ski gefahren.

Ihr engagiert euch gegen Gentrifizierung und für eine Willkommenskultur. War es schwierig, sich auf dem Album politisch zurückzuhalten?

Weber: Der Einfluss ist da. Etwa bei Liedern wie Zwischen den Welten. Da geht es um den Anschlag in Frankreich auf den Club Bataclan. Da wurde die Musikszene erstmalig zum Ziel für Terroristen. Wir waren sehr geschockt. So entstand das Lied.

Linhof: Ich muss kein politisches Lied machen, weil ich politisch engagiert bin. Diese Themen packen mich, aber ich äußere mich dazu lieber als Mensch oder Bürger.

Weber: Wenn wir uns über Lieder zu Wort melden, dann ist es ein akuter Anlass. Wie bei Dienstag im April. Das entstand, als eine traurig hohe Zahl Flüchtlinge ertrunken sind. Gleichzeitig kam die Nachricht, dass sich die Bundeswehr über mangelhafte Gewehre beklagt. Da dachten wir: Wo leben wir?

Gibt's da auch Kritik?

Weber: Die Kritik, wir seien Gutmenschen, hören wir seit 20 Jahren.

Linhof: Das sagen dann ein oder zwei Personen, und man glaubt, dass die viel lauter sind als die Leute, die das freut. Man hört immer zu bei den Leuten, die negativ sind. Künstlerneurosen. Man muss sich daran gewöhnen, wenn man eine Sache langfristig durchziehen will.

Interview: Antonio Seidemann

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