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„Emilie ist die Frau im Hintergrund“, sagt Thomas Morse über die Titelfigur seiner Oper „Frau Schindler“. Sie wird bei der Uraufführung von Katerina Hebelková gesungen.

Interview zur Uraufführung am Münchner Gärtnerplatztheater

Oskars Schindlers Frau wird Opernstoff

München - Mit „Schindlers Liste“ setzte Steven Spielberg 1993 Oskar Schindler ein filmisches Denkmal. Kaum Erwähnung findet dabei Emilie Schindler, die mit ihrem Mann 1200 jüdische Zwangsarbeiter rettete. Ihre Geschichte erzählt der Komponist Thomas Morse in seiner ersten Oper, „Frau Schindler“, die das Gärtnerplatztheater nun in der Münchner Reithalle uraufführt. Wir trafen den US-Amerikaner zum Gespräch.

Wie kam es, dass Sie gerade dieses Sujet für Ihre erste Oper gewählt haben?

Thomas Morse: Es fing alles mit Spielbergs Meisterwerk an, das mich, wie wahrscheinlich alle, die den Film gesehen haben, tief bewegt hat. „Schindlers Liste“ eins zu eins auf die Bühne zu bringen, würde meiner Meinung nach allerdings nicht funktionieren. Als ich mich näher mit dem Thema befasst habe, bin ich auf Emilie gestoßen und fand, dass auch ihre Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.

Ist Ihr Werk Emilies Rehabilitation auf der Opernbühne?

Thomas Morse: Ich denke, man kann nach Spielberg keinen weiteren Schindler-Film drehen, daher erschien mir Oper als das richtige Medium. Es ist kein Stück über Faschismus oder den Holocaust. Aber wir zeigen die Verhältnisse, in denen sich Faschismus entwickelt, wie Menschen lernen, in die andere Richtung zu schauen, und in welche moralischen Konflikte sie ihre Handlungen stürzen.

Wie wichtig ist die Balance zwischen privaten Schicksalen und politischem Diskurs?

Thomas Morse: Es ist nicht meine Aufgabe, über Faschismus zu predigen. Ich bin vor allem ein Komponist, der eine Oper über eine sehr interessante Frau geschrieben hat. Als ich mit der Arbeit begonnen habe, sah ich das Projekt als historisches Drama, das uns daran erinnert, niemals zu vergessen, wie schnell Faschismus entstehen kann. Auch wenn ich mir vor zehn Jahren nicht ausmalen konnte, dass die Welt je so aussehen könnte, wie sie heute aussieht.

Welche Dynamik herrschte in der Familie Schindler?

Thomas Morse: Das Paar ist eine Art Mikrokosmos. Emilie ist die Frau im Hintergrund, die Heldin hinter dem Helden, die ihrem Mann den Rücken stärkt. Das ist bei mir privat nicht anders, auch wenn ich mich nicht als Helden bezeichnen würde. Ich darf Opern schreiben, Interviews geben und all das. Doch in Wahrheit ist es meine Frau, die unsere Welt und unsere Familie zusammenhält.

Erleben wir durch den Perspektivenwechsel eine neue beziehungsweise eine andere Geschichte?

Thomas Morse: Wir sehen die Geschehnisse aus Emilies Perspektive, doch ich denke, dass wir trotzdem sehr fair und unparteiisch erzählen. Aber weil wir durch ihre Augen sehen, haben wir eine deutlich komplexere und kompliziertere Sicht auf Oskar. Neben seinen guten Seiten zeigen wir eben auch die moralischen Grauzonen.

Es gab bereits einen ersten Workshop in den USA, hat sich das Stück seitdem verändert?

Thomas Morse: Nein, nur die deutsche Fassung. Man kann ein Libretto nie wörtlich übersetzen, weil es singbar bleiben muss. Das Team hier hat großartige Arbeit geleistet. Wir haben viel Rezitativ, aber wenn es passt, gibt es die großen Opernmomente. Generell erschien es mir jedoch nicht passend, eine klassische Nummernoper zu schreiben, in der die Zwangsarbeiter auf einmal einen großen Chor anstimmen.

Es gibt also keinen „Va pensiero“-Moment?

Thomas Morse: Nein, wir haben lange diskutiert, ob die Gefangenen überhaupt singen oder doch stumm bleiben sollten. Ich selbst war bei fast allen Proben anwesend, was nicht unbedingt die Regel ist. Aber weil wir hier ein so wichtiges, ich möchte fast sagen heiliges Thema haben, wollte ich der Sache besondere Aufmerksamkeit widmen. Es ist eine Geschichte, die man auf gar keinen Fall oberflächlich behandeln darf.

Wie war für Sie der Wechsel von der Filmmusik zur Oper?

Thomas Morse: Ich habe in Los Angeles viel im Filmbereich gearbeitet. Dadurch habe ich früh gelernt, dass die Geschichte immer zuerst kommt. Im Film hat man fertig geschnittene Szenen, um die herum man komponieren muss. Bei meiner Oper hatte ich mehr Einfluss auf das Timing und den Ablauf eines Dialogs. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

Wie würden Sie selbst Ihre Musik beschreiben?

Thomas Morse: Das ist eine schwierige Frage. Ich würde es vielleicht als modernen neo-romantischen Minimalismus bezeichnen. Ich mag es, wie zugänglich etwa die Werke von Philip Glass sind. Aber ich als Komponist möchte meine Musik auch thematisch entwickeln. Da sind wir dann bei der Neo-Romantik. Es ist eine sehr amerikanische Musik. Meine Lehrer haben bei Copland und Howard Hanson studiert und diesen Einfluss spürt man bei mir. Es war für mich nicht der Moment, eine neue Art Musik zu entwickeln oder irgendjemandem etwas zu beweisen. Ich wollte einfach der Geschichte und ihrem emotionalen Gehalt dienen.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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