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Alexander Krampe

Interview zur Premiere

Schuberts ungeschriebene Oper

München - Arrangeur Alexander Krampe spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über „Kaspar Hauser“ und die Chance von nicht subventioniertem Theater.

Seit ihrer Gründung im Jahre 2003 ist Alexander Krampe aus dem Ensemble der Kammeroper München nicht mehr wegzudenken. Die Arrangements des studierten Philosophen, Pianisten und Jazzsängers für das kleine Orchester wurden schnell zum Markenzeichen der Truppe. Krampe, Jahrgang 1967, stammt aus Graz. Heute feiert im Hubertussaal des Nymphenburger Schlosses sein neuester Streich, das Traumspiel „Kaspar Hauser“, unter der Leitung von Nabil Shehata Premiere.

Für „Kaspar Hauser“ haben Sie Musik von Franz Schubert bearbeitet und neu arrangiert. Wie kam es dazu?

Unser Librettist und Regisseur Dominik Wilgenbus macht immer den Witz: „Wir machen Opern, die der Komponist gerne geschrieben hätte.“ Wir nehmen also Musik eines Komponisten und kombinieren sie mit einem anderen Stoff, sodass eine Oper herauskommt. Die könnte, wenn man es nicht wüsste, durchaus als Repertoirestück durchgehen. So haben wir schon Mozart mit Goldoni oder Marivaux mit Haydn kombiniert. Haydn hatte ja leider nie einen guten Librettisten. Schubert ging es da bei seinen Opern ähnlich. Und so folgt der „Kaspar Hauser“ unserem bisherigen Konzept.

Die Idee war also, eine Schubert-Oper neu zu schaffen?

Wilgenbus überlegte zunächst Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ als Textgrundlage zu nehmen. Das erwies sich jedoch vom Stoff her als ungeeignet. Und dann kam er auf die Geschichte von Kaspar Hauser. Da steckt ja ungemein viel drin. Ein Mensch, der als unbeschriebenes Blatt in die Welt geht und dann von der Welt beeinflusst, gelenkt, manipuliert und zerstört wird.

Also eine Tragödie?

Absolut. Das ist auch für uns ein Novum. Bisher haben wir uns an die Komödien gehalten, die zwar sehr schwierig zu machen sind, aber wenn sie gut sind, doch leichter den Weg zum Publikum finden. Die Tragödie birgt ganz andere Herausforderungen. Auf einer kleinen Bühne zu sterben, ist schwer. Das kann leicht unfreiwillig komisch werden.

Welche Schubert-Werke haben Sie verwendet?

Dominik Wilgenbus hört viele Stücke durch, auch um Vorlagen für seine Textadaptionen zu bekommen. Ich äußerte Wünsche und beteiligte mich an der Suche. Er wollte unbedingt das fragmentarisch erhaltene Oratorium „Lazarus“ mit drin haben. Diese Auferweckungsgeschichte passt ja auch dramaturgisch gut zum Kaspar Hauser. Ansonsten haben wir uns viel bei leichteren, luftigeren Werken bedient, damit das Stück nicht allzu dunkel wird.

Ist ein guter Arrangeur immer auch ein bisschen Trüffelschwein?

Na ja, für mich ist es viel interessanter, einfach das zu bearbeiten, was mir gefällt. Es geht mir weniger darum, große Entdeckungen zu machen. So lernt man über sich selber auch am meisten.

Lässt sich denn das Arrangieren lehren?

Akademisch nicht. Natürlich braucht man eine gewisse Fertigkeit. Aber danach lernt man es am besten, während man es macht. Bei mir hat es zehn Jahre gedauert, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt habe ich die erste Lehrzeit hinter mir.

2005 wurde mit „Der Fatzke“ Ihre erste komplett selbst komponierte Oper aufgeführt. Wo ist die Trennlinie zwischen Arrangeur und Komponist?

Als Arrangeur darf man nie krampfhaft versuchen, originell zu sein. Das hat auch viel mit Demut zu tun, denn meistens war der Komponist auf seine Weise besser als man selbst. Beim Komponieren muss man vor einem leeren Blatt Papier sitzen wollen und können. Das Problematische ist für mich aber, dass die heutige Komposition im klassischen Sinn restaurativ ist, die letzten Jahrzehnte der Musikgeschichte werden oft komplett ausgeblendet. Musik ist heute elektronisch, auch ein DJ ist im Prinzip ein Komponist. Solchen Elementen, genau wie dem Jazz und anderen Stilen, darf man sich als zeitgenössischer Komponist nicht verschließen. Die Realität sieht leider häufig anders aus.

Was ist für Sie nicht mehr arrangierbar?

Wichtig ist, dass man eine Atmosphäre schafft, die dem Werk entspricht und berührt. Grundsätzlich kann man jedes Stück arrangieren. Die größte Herausforderung besteht dabei, wie bei aller Kunst, im Weglassen.

Die Kammeroper München ist ein kleiner Theaterbetrieb ohne Subventionen. Wie sehen Sie die staatlich geförderte Oper?

Die Oper generell kann man nicht mit Subventionsästhetik vorantreiben und erneuern. Auch hier ist die angesprochene Restauration spürbar. Klar gab es Errungenschaften in den vergangenen 50 Jahren, zum Beispiel lustigerweise die historische Aufführungspraxis, auch ganz neue schauspielerische Ansprüche an die Sänger. Wir bei der Kammeroper müssen mit unseren beschränkten Mitteln arbeiten, wollen künstlerische Qualität liefern und an das Publikum denken. So werden viele Entscheidungen aus rein pragmatischen Gründen getroffen, etwa auch das Arrangieren. Man hat halt schlicht kein Geld für ein ganzes Orchester und hilft sich kreativ. Aber so entsteht auch Kunst, so werden neue Formen des künstlerischen Ausdrucks kreiert. Vieles Großartige in der Oper entstand aus reinem Pragmatismus, weil man mit dem Vorhandenem auskommen musste. Darin liegt für mich ein großer Reiz der Kunst und auch der Lebendigkeit des Theaters.

Das Gespräch führte Maximilian Maier

Vorstellungen bis 13. September,

www.kammeroper-muenchen.com,

Telefon 089/ 54 81 81 81.

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