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Im Tanz mit den Elementen: Ditta Miranda Jasifi in einer Szene in „Pina“. Wim Wenders’ Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

Interview: Regisseur Wim Wenders über seinen Tanzfilm „Pina“

München - Er war in Berlin, um seine 3D-Hommage an die legendäre Pina Bausch bei der Berlinale vorzustellen. Doch die Gerüchteküche um seine mögliche Inszenierung des „Ring" in Bayreuth 2013 brodelte auch während der Filmfestspiele.

Wim Wenders äußerte sich dazu nur knapp: „Da wird sicher bald etwas spruchreif sein, im Moment aber noch nicht. Wir befinden uns nach wie vor in Gesprächen, und ob ich das wirklich mache, wird sich sehr bald herausstellen. Erst dann kann ich mehr darüber sagen.“ Glücklicherweise war der 65-jährige Regisseur auskunftsfreudiger als es um seinen Tanzfilm „Pina“ ging, der am Donnerstag startet.

Wie wurden Sie auf Pina Bausch aufmerksam?

Darum geht es in „Pina“

„Pina“ ist eine Huldigung der Choreographin Pina Bausch und ihres Tanztheaters in Wuppertal. Der mit beeindruckenden Effekten aufwartende 3D-Film ist überschattet von ihrem Tod, wurde aber noch mit ihr konzipiert. Zu sehen sind Ausschnitte aus den Bausch-Inszenierungen „Café Müller“, „Sacre du Printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“. Die Tänzer erobern nicht nur die Bühne, sondern auch den öffentlichen Raum.

Alle Welt hatte mir von Pina erzählt. Aber da ich damals in Los Angeles lebte, wo man sich zwar für den Mittelpunkt der Welt hält, tatsächlich aber eher Provinz ist, habe ich das verpasst. In Venedig hatte ich 1985 erstmals die Gelegenheit, tatsächlich eine Vorstellung zu sehen. Da gab es eine Retrospektive mit fünf oder sechs Stücken von ihr. Was ich sah, hat mich komplett umgehauen. Beim Verlassen des Theaters war ich überzeugt, dass dies das Schönste war, was ich je gesehen habe. Und dass ich sofort mein Hotel verlängern müsste, um alle anderen Sachen zu sehen.

Was hat Sie derart begeistert?

Wie genau da jemand mit der Sprache der Körper umgehen konnte. Pina hat einen involviert. Im Theater war ich vorher immer „draußen geblieben“. Jetzt war ich körperlich dabei.

Haben Sie Pina Bausch damals kennengelernt?

Ja, irgendwann in diesen Tagen. Ich habe ihr sofort meine Begeisterung kundgetan und geplappert, dass man unbedingt einmal gemeinsam einen Film drehen müsste.

Warum hat es so lange gedauert, bis das Projekt konkret wurde?

Wim Wenders

Weil ich nicht wusste, wie ich’s machen sollte! Ich habe mir einige Tanzfilme angeschaut, war wiederholt in Wuppertal. Aber ich wusste nicht, wie man es besser machen sollte als in den Fernsehaufnahmen ihrer Aufführungen, die es bereits gab. Graduell besser, vielleicht. Aber de facto wäre es nicht anders geworden. Ich wollte aber, dass es anders werden würde. Der Lebendigkeit und Körperlichkeit ihrer Arbeit wollte ich gerecht werden. Über die Jahre gab es unseren Running Gag, wenn Pina fragte: „Wann?“, und ich antwortete: „Ich weiß nicht wie.“

Dann hatten Sie eine Idee...

Das war in Cannes 2007. Dort lief der Konzertfilm „U2 in 3D“. Mir war vom ersten Moment an klar: Das ist die Antwort. Ich rief Pina sofort nach dem Film an und sagte: „Ich weiß jetzt, wie es gehen kann.“ 3D war zwar noch nicht so weit, wie es für meinen Film nötig wäre. Aber wir haben ganz optimistisch einen Drehplan für 2009 festgelegt. Und ich habe mich erst einmal intensiv mit der Technik beschäftigt.

Es passierte das Schlimmstmögliche - Ihre Hauptfigur starb kurz vor Drehbeginn.

Pina war nicht nur das, sie war der eigentliche Grund für das Projekt. Plötzlich schien alles hinfällig.

Sie haben Ihr Konzept geändert?

Ja, es wäre in keiner Weise einzuhalten gewesen. Ihre Stücke stehen nach wie vor im Zentrum. Aber um die Leerstelle, die Pina gelassen hat, habe ich mit Hilfe ihrer Tänzer etwas herumgebaut. Pinas Arbeitsweise bestand darin, die Tänzer zu befragen, und die sollten mit Bewegungen antworten. Das habe ich ebenso umgesetzt. Diese getanzten Antworten zu Pina machen nun einen Großteil des Films aus.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

Wim Wenders im Gespräch: Am Samstag, 26. Februar, ist Wim Wenders um 20 Uhr in den Kinos an der Münchner Freiheit zu Gast, um mit dem Publikum über „Pina“ zu sprechen. Am Sonntag, 27. Februar, findet ein weiteres Publikumsgespräch um 11 Uhr im Rio Palast statt.

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