Die Regisseurin Kim Duddy.

Interview: "Wir haben Unglaubliches gesehen"

Die Regisseurin Kim Duddy will mit „Rockville“ den Erfolg von „Carmen Cubana“ im Deutschen Theater fortsetzen. Ein Interview mit ihr.  

„Ein Engel muss kein Heiliger sein“. Und das schon gar nicht, wenn er zu Lebzeiten als fluchender und Kette rauchender Rockstar von einem Bett ins nächste unterwegs war, so wie Brian Carr. Bevor sich für ihn im neuen Musical „Rockville“ also die Himmelstüren öffnen, muss der Engel wider Willen noch einmal zurück auf die Erde, um dort seinen guten Kern unter Beweis zu stellen. Die kreativen Köpfe hinter der Show, die beim diesjährigen Musicalsommer in Amstetten ihre Uraufführung feierte, sind Regisseurin Kim Duddy sowie das Komponistenduo Martin Gellner und Werner Stranka. Jenes Team, das bereits 2006 mit „Carmen Cubana“ einen echten Publikumshit gelandet hatte, der auch bei uns im Deutschen Theater für Begeisterungsstürme sorgte. Kein Wunder also, dass Kim Duddy der Münchner Premiere von „Rockville“ mit großer Vorfreude entgegensieht.

-Bei „Rockville“ sind Sie zum zweiten Mal Autorin und Regisseurin. Bedeutet das doppeltes Lampenfieber?

Bei unserem ersten Musical, „Carmen Cubana“, war das eine neue Erfahrung. Und ich habe mich schon gefragt, ob es vielleicht nur ein einmaliger Erfolg war oder ob wir so etwas noch einmal hinkriegen. Aber es hat geklappt. Vor allem, weil wir ein gutes Team sind, Martin, Werner und ich. Wenn man zu dritt an so einem Projekt arbeitet, fühlt man sich gleich viel sicherer.

-Wie können wir uns die Entstehung von „Rockville“ vorstellen?

Diesmal war es schwieriger, weil es die Story vorher nicht gab. Bei „Carmen Cubana“ wussten wir, dass wir eine Geschichte haben, die schon einmal funktioniert hat und an der wir uns festhalten können. Für „Rockville“ haben wir praktisch bei null begonnen. Wir wussten aber von Anfang an, dass es etwas Rockiges werden soll. Unser Arbeitstitel war „Smoke on the Water“, weil das für alle Kinder der erste Song ist, den sie auf der E-Gitarre lernen. Davon sind am Ende aber nur noch ein paar Akkorde geblieben, die die Großmutter auf der Gitarre ihres Enkels spielt. Die restliche Musik ist komplett von uns.

-Hatten Sie beim Schreiben spezielle Darsteller im Hinterkopf?

Wir haben dieses Stück gewissermaßen für unseren Hauptdarsteller Alex Melcher geschrieben, der auch in München wieder dabei ist. Ich habe schon öfter mit ihm gearbeitet und halte ihn für einen fantastischen Schauspieler. Dazu ist er ein echter Rocker, der in dieser Rolle voll aufgeht. Und das hilft natürlich enorm, sowohl beim Schreiben als auch bei den Proben. Mit den meisten im Ensemble habe ich schon oft zusammengearbeitet und kenne ihre Stärken. Trotzdem lasse ich sie jedes Jahr wieder zum Vorsprechen kommen.

-Und wie sieht es mit den Kindern aus, die ja bei „Rockville“ ebenfalls eine wichtige Rolle spielen?

Einige davon müssen wir für München neu besetzen. Aber ich denke nicht, dass das ein Problem wird. Ich sehe gerne unterschiedliche Typen auf der Bühne. Deshalb werden die Nummern ganz auf die speziellen Talente unserer Kids zugeschnitten. Bei den „Auditions“ haben wir unglaubliche Sachen gesehen, vom Beatboxing bis zur Akrobatik. Es wäre dumm, so etwas nicht für die Show zu nutzen.

-Beim Rest des Ensembles gibt es aber keine solchen Zugeständnisse.

Nein, da bin ich sehr streng. Ich möchte einfach sehen, ob ich die Ideen aus meinem Kopf auch genau so auf der Bühne umsetzen kann.

-Hilft es dabei, dass Sie selbst als Darstellerin begonnen haben?

Auf jeden Fall. Ich stelle mir immer vor, wie ich selbst in einer Szene auftreten möchte und wie ich einen Song am besten gestalten könnte. Meistens haben dann auch meine Leute ihren Spaß daran. Ich sehe mich nicht unbedingt als die große Regisseurin, ich mache einfach gerne Theater. Da war es eine natürliche Entwicklung, dass ich nach dem Choreographieren auch Regie führe. Weil es eine weitere Möglichkeit ist, um Geschichten zu erzählen.

-Sie haben auf der Bühne unter Musicallegenden wie Hal Prince oder Bob Fosse gearbeitet. Hat das Spuren hinterlassen?

Ja, weil beide großen Respekt vor dem Theater und vor den Menschen hatten. Es ging bei ihnen nie um Machtspiele, sondern immer darum, wie man das Stück am besten umsetzen kann. Diese Philosophie möchte ich weitergeben. Sehen Sie, wir verbringen in der Probenzeit fast zwei Monate miteinander. Warum muss das eine Folter sein, wenn es auch Spaß machen kann?

Interview: Tobias Hell

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opernsänger kämpft sich ins Leben zurück: „Es ist ein Wunder“
Bis vor kurzem hat Johannes Martin Kränzle nicht geglaubt, dass er jemals wieder auf der Opernbühne stehen würde. Jetzt probt er sogar bei den Bayreuther Festspielen.
Opernsänger kämpft sich ins Leben zurück: „Es ist ein Wunder“
Schock für Deichkind-Fans: Munich Summer Beats Open 2017 abgesagt
Über tausende Menschen hatten sich schon Tickets gesichert: Die Munich Summer Beats Open 2017 wurden abgesagt. Der Veranstalter erklärt auf Facebook, warum.
Schock für Deichkind-Fans: Munich Summer Beats Open 2017 abgesagt
Mikael Nyqvist: „Ich will das Publikum spüren“
Der schwedische Schauspieler Mikael Nyqvist ist tot. Er sei im Alter von 56 Jahren nach einem Kampf gegen Lungenkrebs gestorben, teilte seine Sprecherin Jenny Tversky …
Mikael Nyqvist: „Ich will das Publikum spüren“
Ilse Neubauer feiert 75.: Ein guter Jahrgang
Das Ilse-Hasi aus der Hausmeisterin, die Oma aus den Eberhofer-Krimis: Schauspielerin Ilse Neubauer ist seit vielen Jahrzehnten bekannt und beliebt: Heute feiert sie …
Ilse Neubauer feiert 75.: Ein guter Jahrgang

Kommentare