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Bruno Jonas: „Die CSU schreibt derzeit die beste Polit-Realsatire“

Star-Kabarettist wird 65

Bruno Jonas über Abstürze, Lampenfieber und die Modelleisenbahn von Seehofer

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Kabarettist Bruno Jonas erzählt, mit welcher Taktik er das Publikum auf seine Seite zieht. Über die derzeitige Situation innerhalb der CSU amüsiert sich das Geburtstagskind köstlich.

München - Groß gefeiert wird am Sonntag nicht. „Die Familie kommt, und meine Frau macht wieder eine Prinzregententorte. Glaub ich. Mit sieben Böden. Im letzten Jahr hab ich vom Hinschauen drei Kilo zugenommen“, grinst Bruno Jonas. Am Sonntag wird er 65. Mehr Nahrhaftes vom Ausnahme-Kabarettisten, das er beim Interview in Haidhausen auftischt, lesen Sie hier: 

Auftritte: Die bergen immer eine Absturzsituation in sich. Aber man kann steuern, ob der Abend gut wird oder nicht. Denn das liegt an mir. Wenn ich schon auf die Bühne gehe und mir denke: Das wird nix, dann wird’s auch nix. Wie beim Skifahren. Ich kann auf dem Berg stehen und sagen: Oh, tolle Abfahrt! - oder ich sage: Öha, das ist jetzt ein bisserl steil… Dann kann man auch gleich oben bleiben. 

Publikum: Das ist immer auf deiner Seite. Wenn du Lampenfieber hast und das zeigst, dann hat das Publikum Angst um dich. Es will, dass der Abend gelingt. Eine Ausnahme sind CSU-Parteiveranstaltungen, wenn du dort auftrittst. 

Die Erziehung: In meiner Metzgerfamilie wurde Mozart eher selten gehört. Eher Freddy Quinn. Als ich als Jugendlicher beim Passauer Stadttheater im Opernchor sang, teils auch als Solist, haben meine Eltern nie eine Aufführung gesehen. Gelobt wurde selten. Als ich einen Latein-Einser im Jahreszeugnis hatte, sagte meiner Mutter zwischen Theke und Kasse nur: „Schau, dass des so bleibt.“ Vielleicht hat mich das auch zum Kabarett gebracht - der Wunsch nach Anerkennung. Der Niederbayer redet ohnehin nicht gern. Die elterliche Anerkennung hat lange gedauert. Heute wird ein Kind ja schon gelobt, wenn es drei Striche zeichnet. Ui, ein kleiner Picasso… 

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Horsts Eisenbahn: Es könnte sein, dass Horst Seehofer künftig mehr Zeit für seine Modelleisenbahn hat. Da schaut er dann den Zügen hinterher, die schon abgefahren sind. 

Kampfabstimmung: Das ist für die CSU sicherlich eine äußerst schwierige Situation, weil sie keine demokratische Übung mehr haben. 

Glyphosat-Kandidat: Vielleicht wird ja der Glyphosat-Schmidt der künftige Ministerpräsident Bayerns. Sozusagen der Kompromiss-Kandidat. Aber es stimmt schon: Das Leben schreibt die besten Geschichten, und die CSU derzeit die beste Polit-Realsatire. 

Mozarts „Don Giovanni“: Das ist für mich das Größte. Die Dramatik ist einmalig, und Mozart zeigt alle Klangfarben von Weltuntergang bis zum höchsten Glück. Ich glaube, dass der Don Giovanni am Schluss gerne in die Hölle fährt. Warum? Weil es seine Lust steigert, weil er in seiner Super-Geilheit neugierig auf den Exzess ist, der auf ihn wartet. 

Gesang: Ich war jahrelang im Opernchor und liebe Oper sehr. Aber Opernsänger als Hauptberuf? Das ist der Welt zum Glück erspart geblieben. Rampenlicht: Ich mag gut ausgeleuchtete Bühnen, wo man das Publikum nicht sieht. Ich will die Leute gar nicht sehen. Und wenn die Zuschauer im Dunkeln sind, gibt auch ihnen das Sicherheit, das Wissen, nicht von mir gesehen werden zu können.

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