Irgendein Papier braucht's immer

- An diesem - seinem - Örtchen führt für jeden irgendwann einmal kein Weg vorbei, weshalb sich Josef Lana eigentlich ganz gut, ganz stark fühlen müsste. Und doch ächzt und greint, schimpft und schwitzt der "Scheißhaussepp", denn die Behörden machen ihm das Leben schwer. Irgendeinen Wisch, irgendein Papier braucht's immer, denn "ohne Genehmigung ist der Mensch nur eine Behauptung". Sigi Zimmerschied ist zurück in München und benutzt nun - als Betreiber einer Bedürfnisanstalt - im Theater im Fraunhofer die (öffentliche) Toilette als dankbare Metapher für allerlei gesellschaftskritische Betrachtungen.

<P>Apropos Papier - eher kratzig-hart als flauschig-weich geht's zu. Nichts für Ästheten, was der Passauer Kabarettist da produziert, Nebengeräusche werden nicht vermieden beim anarchisch-amüsanten Abriss über das Klo im Wandel der Zeiten, von Großvaters Jugendstil-Abort bis zum digitalisierten Pissoir der späten Neunziger, von verklemmt bis enthemmt.<BR><BR>Doch Zimmerschied bietet - bei aller Derbheit - viel mehr als ein eindimensionales "Deckel auf, Deckel zu". Erst allmählich enträtseln sich die Additionen, die sein Kleinunternehmer da veranstaltet. Das Publikum ist passiver Mitspieler, steht mit ihm an im Amt, das über Schicksale entscheidet. Und hier entlädt sich die kaum verhaltene Wut des Künstlers auf Bürokratie und Bürokraten, auf die Odyssee zwischen den Zuständigkeiten für Zuluft und Abluft, zwischen "Raumklimaangleichungsstelle" und "Bulimiezentrale". Und mag zu seinem Häusl selbst der Ministerpräsident zu Fuß gehen, hier zeigt sich des Satirikers Alter Ego verwundbar.<BR><BR>Als "AK", als Amtskabarettist, so stellt sich schließlich heraus, hat Lana in seiner Not angeheuert, nur wenn er zur Gaudi der Beamten die Hosen herunterlässt, gibt's das ersehnte Dokument. Ein kluger Trick Zimmerschieds, denn er erlaubt ihm, jäh aus der Rolle zu fallen, sich selbst zu benoten und seine Kunst zu kommentieren.<BR><BR>Viele Punkte gibt's, denn er kann einfach alles, auch wenn der Schatten des Ruhms ein wenig länger geworden ist. Scharfzüngig, angriffslustig, virtuos, voller zynischem Zorn auf jede Form von Obrigkeit und Dumpfsinn - so kennt man Sigi Zimmerschied, auch wenn er als Josef Lana an verschlossenen Kabinen lauscht. Das hängt noch eine Weile in der Luft, auch wenn schon längst gespült wurde.</P><P>Bis 19. 3., Di.-Sa., 20.30 Uhr; Tel. 089/ 26 78 50.</P><P> </P>

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