Ein irisierendes Klangnetz

- Bis in die Vorhalle des Münchner Herkulessaals reichten die Instrumentenaufbauten beim dritten musica-viva-Konzert. An den Saal-Flanken, am Saal-Ende und auf der Empore waren Instrumentalisten postiert und natürlich auf der Bühne. Dirigent Peter Rundel agierte via Monitor und sorgte souverän für den Zusammenhalt der versprengten Musiker. Das Aufgebot galt drei Uraufführungen, die sich mit Raum, Zeit und Klang eigenständig auseinander setzen: "Side-eye to joyce & echnaton" von Daniel Smutny, "DW 8" von Bernhard Lang und "Gefächerter Raum" von Isabel Mundry, die mit vier musikalischen Abschnitten ein Drittel ihrer Oper "Odyssee - ein Atemzug", die sie im Auftrag der Deutschen Oper Berlin gerade komponiert, vorstellte.

<P>Mundrys stets differenziert und nie grell wirkende Musik fasziniert durch ihre Dichte und Komplexität. Nicht nur ein großes Orchester (die BR-Symphoniker), sondern ein weiteres solistisches Ensemble (das ensemble recherche), den BR-Chor und die Solisten Salome Kammer und Matthias Koch (Altus) lässt sie ein fest gewirktes, aber stets lichtes, irisierendes Klangnetz über den Raum spannen. Dabei fließen die Szenen durch gehaltene Töne ineinander über. Ihr geht es nicht um das Nacherzählen einer Geschichte, deshalb müssen die Sänger keinen Text transportieren, sondern nur Wortfetzen oder mal eine Mini-Kantilene (Koch), aber mehr Atem- und Stimmgeräusche, instrumentale Töne - virtuos produziert von Salome Kammer und dem Chor. Eine zuweilen witzige Kombination aus Live- und zuvor vom Rundfunksymphonieorchester eingespielter und auf Venyl-Schallplatten gepresster Musik präsentierte Lang in "DW 8" für Orchesterloops und 2 Turntanle-Solisten. In dieser mit minimalistischen Dauerwiederholungen arbeitenden Komposition wurde die per Hand beschleunigte jammernde, knisternde und knackende Schallplatten-Musik zum (Nostalgie-)Ereignis.</P><P>Wie diese beiden Werke, so bewegten sich auch Smutnys "Seitenblicke" mit dem Untertitel Songalbum für Kammerorchestergruppen und Zuspiel auf klanglich gar nicht aggressivem Grund. Die in und außerhalb des Raumes produzierten Töne amalgamierten mit jenen vom Band, wobei das Jonglieren und Ironisieren mit wohl vertrauten Floskeln und Jazzanklängen amüsierte.</P>

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