Iron Maiden-Sänger Bruce Dickinson auf dem Münchner Musik-Festival „Rockavaria“
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Iron Maiden sind zurück! Mit „Senjutsu“ veröffentlichte die britische Heavy-Metal-Band am 3. September 2021 ihr 17. Studioalbum

Iron Maiden präsentieren ihr 17. Studioalbum – und beweisen sich erneut

Iron Maiden: Albumkritik zu „Senjutsu“ - Im Griff der eisernen Jungfrau

  • Jonas Erbas
    VonJonas Erbas
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Mit „Senjutsu“ legen die britischen Heavy-Metal-Ikonen Iron Maiden ihr 17. Studioalbum vor – und überzeugen vollends!

London - Wirklich präzise lässt sich „Senjutsu“, der Titel des inzwischen sage und schreibe 17. Studioalbums der britischen Heavy-Metal-Ikonen Iron Maiden, aus dem Japanischen ins Deutsche nicht übertragen. Der Begriff nimmt Bezug auf die sagenumwobene Ära der Samurai, kann – vage übersetzt – etwa für Taktik oder Strategie stehen und erinnert so an den vergangenen Glanz der ehrwürdigen Krieger aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Für das kultige Band-Maskottchen Eddie, welches seit jeher die bildgewaltigen Cover der Briten ziert, geht es nach Ausflügen ins alte Ägypten („Powerslave“), in eine futuristische Großstadt („Somewhere in Time“) oder in die Weiten des Weltraums („The Final Frontier“) nun also nach Fernost.

Iron Maiden: Nach sechsjähriger Album-Pause - „Senjutsu“ zündet auf Anhieb

Passender hätte der Albumtitel angesichts seiner schwer einzugrenzenden Bedeutungsvielfalt und dem historischen Kontext, welchem er entstammt, allerdings nicht ausfallen können – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Wie Japans feudalen Feldherren, eilt auch der 1975 in London gegründeten Band ein legendärer Ruf voraus, für den die Männer um Bassist, Songwriter und Gründungsmitglied Steve Harris die Bühnen dieser Welt jahrzehntelang nahezu ununterbrochen beackert haben.

Überhaupt gehen Iron Maiden mit „Senjutsu“ nun endlich wieder in die Angriffsformation über – sechs Jahre, nachdem man mit dem Vorgänger „The Book of Souls“ (2015) unter anderem hierzulande die Spitze der Charts eroberte. Seit dem selbstbetitelten Debüt „Iron Maiden“ (1980) lag noch nie eine derart lange Pause zwischen zwei ihrer Studioalben. Musikalisch knüpfen die sechs Altmeister ebenfalls hörbar an die Mehrdeutigkeit des „Senjutsu“-Begriffes an, vereinen auf gut 80 Minuten Spielzeit jene Elemente, die man sich als Genreliebhaber von einer derart hochkarätig besetzten Band wünschen kann. Bereits der episch-marschierende Titeltrack mit seinem melancholischen Refrain steht beispielhaft für das außerordentlich Niveau, mit dem Iron Maiden auf insgesamt zehn Songs überzeugen.

Iron Maiden: Auf „Senjutsu“ befinden sich Steve Harris und seine Band in Höchstform

Wieder einmal trägt Steve Harris’ vor perfektionistischer Präzision und durchdachter Virtuosität strotzendes Bassspiel weite Strecken des Albums. Was der 65-Jährige seit gut viereinhalb Jahrzehnten aus nur vier Saiten herausholt, sprengt selbst in dieser, von Ausnahmemusikern bevölkerten Stilrichtung jegliche Grenzen. Selbiges gilt natürlich auch für Frontmann Bruce Dickinson, der mit seinem kraftvollen, durchdringenden Gesang gerade den vergleichsweise kürzeren Stücken wie dem rhythmisch-galoppierenden „Stratego“ oder der energiegeladenen, kompakten Rock-Hymne „Days of Future Past“ einen immensen Wiedererkennungswert verleiht.

Progressivere Töne erklingen auf dem durchweg gelungenen „The Writing on the Wall“, das dank seines verspielten Hauptriffs und vereinzelt sogar mit genrefremden Einflüssen aus Blues und Hard Rock auftrumpft. Auf den drei überlangen Songs jenseits der 10-Minuten-Marke, darunter dem keltisch-folkigen „Death of the Celts“ und dem dynamisch durchinszenierten Finale „Hell on Earth“, sticht die dreiköpfige Gitarrenfraktion wie gewohnt mit sauber aufeinander abgestimmten Instrumentalparts heraus. „Senjutsu“ ist damit ein Album in bester Maiden-Manier, das Bewährtes und Neues gekonnt verbindet, ohne sich dabei vom charakteristischen Band-Sound allzu weit zu entfernen.

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