Die Ironie ist sein Geschäft

- Er kam nach München, um Karriere zu machen. Oder sich andernfalls aufzuhängen. Das ist nun mehr als 50 Jahre her, und natürlich hat er Karriere gemacht: Herbert Asmodi, der an diesem Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert und beteuert: "Das Schlimmste ist doch, geboren zu werden."

<P></P><P>So schlimm kann es aber nicht gewesen sein: Immerhin hat es Asmodi mit brillant ironischen Theaterstücken zu großem Erfolg und als Fernsehautor zusätzlich zu wirklicher Berühmtheit gebracht. Alles scheint für den gebürtigen Heilbronner wie am Schnürchen gelaufen zu sein: "Sieben Jahre lang hatte ich mich in Heidelberg beim Studium herumgetrieben. Examina hatte ich vermieden. Bei Klassenarbeiten bekam ich immer Brustschmerzen."</P><P>Eine Empfehlung brachte ihn 1952 zum Münchner Merkur, wo er alle zwei Wochen ein Feuilleton schrieb. Abends ging er ins Theater, lernte in der "Kanne", dem späteren "Schumann's", die richtigen Leute kennen und schrieb die ersten Stücke: "Jenseits vom Paradies" und "Pardon wird nicht gegeben". "Dem Fernsehen verdanke ich viel", sagt Asmodi. Natürlich auch die Bekanntheit bei einem breiten Publikum, seit dem Dreiteiler "Die Frau in Weiß.</P><P>"Bush ist der mit seinem Gesicht identischste Präsident: die wandelnde Lüge aus Texas."<BR>Herbert Asmodi</P><P>Heute aber reagiert dieser elegante alte Herr ganz harsch auf das Thema Fernsehen. Wie jemand, der froh ist, seinen trockenen Brotberuf los zu sein, sagt er: "Mit 65 Jahren habe ich in aller Freundschaft mit diesem Medium Schluss gemacht." Fernsehen ist für ihn Zeitverschwendung: "Ich möchte noch so vieles lesen und wiederlesen", lautet die Begründung, und sie lässt durchklingen, was ihm wirklich viel bedeutet: die Literatur.</P><P>Seine Gedichte hat man seiner Schlaflosigkeit zu verdanken: Wenn der von ihm leidenschaftlich genossene Rotwein und das Schlafmittel gar nicht mehr halfen, dann dichtete er. 1975/76 erschienen die Bände "Jokers Gala" und "Jokers Farewell". Seit dem Beginn seines Ruhestands, das Fernsehen betreffend, veröffentlichte Asmodi auch Prosa, zuletzt die Erzählungen "Landleben". Auch heute noch widmet er den Vormittag der Arbeit, dem Schreiben. "Ich habe immer geschrieben", sagt er, als ob er die Welt sonst nicht ertragen könnte.</P><P>Zwar war er Komödienautor, aber, wie viele von ihnen, auch ein ernster, pessimistischer Typ: "Ein Lächeln bekommen Sie nicht, das passt nicht zu mir", sagt er, als er fotografiert wird. Er kokettiert nicht, wenn er sagt: "Nach 80 Jahren langt es einem. Erst recht, wenn man sieht, was derzeit passiert. George W. Bush ist der mit seinem Gesicht identischste Präsident: die wandelnde Lüge aus Texas."</P><P>Natürlich hat Asmodi längst ein bisschen gelächelt, nicht bei diesem Satz, aber als er sich weigert, neben der Büste Moliè`res zu posieren. Liebevoll streichelt er sie, die in seiner Wohnung zwischen der modernen Kunst und den alten Möbeln steht, die er sammelt: "Die Verbindung von neu und alt hat mich schon immer interessiert. Was das Alte angeht: An den schadhaften Stellen erkennt man die Qualität." Da blitzt seine Liebe zu scharfsinnigen Formulierungen wieder durch. Nicht nur zum Geburtstag, auch zu einem erfüllten Leben möchte man ihm gratulieren. "Gott schütze uns vor Erfüllung", entrüstet er sich. Die Ironie war eben immer sein Geschäft.</P>

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