Ironie und Tragikomik

- Dreizehn Jahre nach dem Erscheinen der Günter-Grass-Erzählung "Unkenrufe" kommt nun die Verfilmung des Werks in die Kinos. Der Film behandelt - teils satirisch - das Thema Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und anhand der Gründung einer "Deutsch-polnischen Friedhofsgesellschaft" die Beziehungen beider Länder.

Literaturnobelpreisträger Grass hofft, dass der Film zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Polen und Deutschen beitragen kann: "Damit wir von den Klischeevorstellungen, die wir wechselseitig voneinander haben, Abstand nehmen."

Wie gefällt Ihnen die Verfilmung Ihrer Erzählung?

Grass: Für einen Autor ist es ja sehr schwierig, einen Film ganz und gar zu akzeptieren, weil er immer das ganze Buch im Kopf hat, weil es immer mit Verlusten im sprachlichen Bereich parallel läuft. Aber ich finde, dass dieser Film die Idee des Buchs überträgt und auch den ironischen Tonfall sowie das Tragikomische der ganzen Geschichte. Die Hauptdarsteller, Krystyna Janda und Matthias Habich, sind wunderbar. Es gibt aber einige Dinge, die mir nicht so gelungen vorkommen. Was im Buch nur andeutungsweise in die Vergangenheit zurückgeht, Alexander Reschkes Vergangenheit als Hitlerjunge und Aleksandra Piatkowskas Vergangenheit in der sozialistischen Jugendorganisation, das ist mir zu plakativ dargestellt. Die Uniformen sehen alle aus, als wären sie gestern gekauft worden.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Verfilmungen Ihrer Werke gemacht?

Grass: Ich glaube, dass die Verfilmung der "Rättin" nicht gelungen ist, und auch "Katz und Maus" ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. "Die Blechtrommel"-Verfilmung von Volker Schlöndorff finde ich nach wie vor eine gelungene Sache. Es gibt Anfragen, "Im Krebsgang" zu verfilmen. Aber da muss ich sehr aufpassen. Wenn es darauf hinausläuft, daraus eine zweite "Titanic" zu machen, dann muss ich "Nein" sagen.

Für die Weltpremiere der "Unkenrufe" sind Sie wieder einmal in Ihre Geburtsstadt Danzig zurückgekehrt. Haben Sie dort ein Heimatgefühl?

Grass: Nein. Sicher, ich weiß, dass ich dort herkomme. Der Verlust, das war einige Jahre lang, ich will nicht sagen ein Problem . . .

Es schmerzt schon, wenn man Heimat verliert. Aber ich habe es vom Kopf her akzeptieren müssen, dass wir das verloren haben, weil wir den Krieg begonnen haben, und dann das Unrecht, das wir in die Welt gesetzt haben, rückläufig wurde. Auf der anderen Seite hat mich dieser Verlust als Schriftsteller beredt gemacht, eine Art Obsession, auch zum Schreiben mir ein Thema gegeben und den Ehrgeiz, das, was verloren ist, mit den Mitteln der Literatur, mit den Mitteln der Sprache wieder entstehen zu lassen. Das geht von der "Blechtrommel" bis hin zu "Unkenrufe".

Das Gespräch führte Stefanie Letkin

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