Vor der Premiere

Irrfahrt mit Hummelflug: „Zar Saltan“ am Gärtnerplatz

Humperdincks „Hänsel und Gretel“ natürlich. Vielleicht noch Rossinis „Cenerentola“ (Aschenputtel) oder Dvo(r)áks „Rusalka“, im Ballett „Dornröschen“ oder „Nussknacker“ – aber dann wird es ganz schnell dünn, eintönig und einfallslos, wenn sich ein Opernhaus dranmacht, ein Märchen auf die Bühne zu bringen.

Vor allem, wenn es als Feigenblatt fürs Jugendprogramm herhalten oder als Kassenschlager für den Weihnachtsverkauf taugen muss.

Der Titel von Nikolay Rimsky-Korsakows Beitrag zu diesem Genre führt ein wenig in die Irre. Denn seine Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ ist nicht unbedingt für die Allerkleinsten gedacht. Das Gärtnerplatztheater, das dieses Stück morgen neu herausbringt, trägt dem Rechnung: Empfohlen wird ein Besuch erst ab zwölf Jahren.

Allein die Handlung legt das schon nahe: Es treten auf ein rettender Schwan, der mit menschlicher Stimme spricht, ein Eichhörnchen, das goldene Nüsse knackt, und sieben junge Recken, die dem Meer entsteigen. Wunderdinge geschehen in der Geschichte von der Zarin Militrissa, die mit ihrem Sohn von ihrem Mann verstoßen wird und erst nach einer Irrfahrt und vielen Tapferkeitsproben mit dem Zaren versöhnt wird. Die symbolschwangere Handlung kreist dabei um die Gefahren der Kindheit und um den – oft schmerzhaften – Prozess des Erwachsenwerdens.

Rimsky-Korsakow griff für seine 1899 uraufgeführte Oper auf eine russische Sage zurück, die der Nationaldichter Alexander Puschkin als Vorlage für eine Versballade nutzte. Der große Erfolg blieb zunächst auf Russland beschränkt. Erst nach gut zwei Jahrzehnten fand das Stück seinen Weg in den Westen. Und einen besonderen Fürsprecher es in Regisseur Harry Kupfer. Er inszenierte den „Zaren Saltan“ gleich mehrfach und schuf zu diesem Zweck eine deutsche Bearbeitung, auf die das Gärtnerplatztheater zurückgriff. Regie führt in München Beverly Blankenship, am Pult steht Chefdirigent David Stahl. Der bekommt es mit einer der üppigsten, schillerndsten Partituren von Rimsky-Korsakow zu tun. In der großen Orchesterbesetzung finden sich unter anderem sechs Trompeten, Xylophon, Glockenspiel, Celesta und Röhrenglocken. Und bei einer Nummer dürfte ein großes „Ahh!“ durchs Publikum gehen: Es ist der berühmte „Hummelflug“.

von Markus Thiel

Premiere

am morgigen Samstag,
Telefon: 089/ 2185-1960.

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