Irrsinn und Sarkasmus

- Kriege sind nicht zu Ende, wenn die Waffen schweigen. Das Trauma danach ist auch eine Art Krieg. Während in unseren Köpfen die Bilder des selbstmordbomber-zerfetzten Irak längst das Morden im auseinanderfallenden Jugoslawien überlagert haben, ruft es uns der mazedonische Dramatiker Dejan Dukovski mit seinen fatalen Folgen ins Gedächtnis zurück.

Dukovskis "Pulverfass" führt eine psychisch kaputte, krankhaft gewalttätige Nachkriegsgeneration vor, die Mario Andersen jetzt in einem zyankalisch animierten Balkan-Varié´té´ auftanzen lässt. Noch ein Trumpf für den Münchner inkunst-Verein.

Unter greller Auftaktmusik peitscht der Confé´rencier im lila schillernden Cut 15 Typen wie zu zähmende Raubtiere in das offene rostige Stahlgehäuse, von Jörg Brombacher wandelbar entworfen als öffentlicher Platz, Bus, Bahnhof oder Knast. Die vier Frauen werden rechts seitlich erhöht in einen schmalen Käfig gesperrt. Und dann, immer auf der Kippe des sarkastischen Amüsements, elf knallharte Szenen, mit wenigen Ausnahmen knallhart gut gespielt, dass sicher niemand die Halle 7 verlässt ohne ein Gespür für diesen tragisch mörderischen Balkan-Irrsinn.

Angel hat einen Polizisten zum Krüppel geschlagen, tötet gleich danach den 17-jährigen Aze. In jeder Sequenz werden Menschen bedroht, ausgeraubt, Frauen vergewaltigt, geht einer tödlich getroffen zu Boden, der eben noch Peiniger war. Der Anlass ist meist nichtig, ein Blechschaden, Eifersucht, verletzte Eitelkeit. Der Autor hütet sich, in politisch-soziale Details zu gehen.

Aber klar ist: Hier behauptet sich ein Machotum, das noch hinter den letzten Krieg bis zur langen Türkenherrschaft zurückreicht. Nur ein versteckter Verweis darauf in einer der besten Szenen: "Er (der Busfahrer) trinkt seinen Kaffee und wir werden in den Arsch gefickt. Ist doch so. . . War es so unter den Türken?", schreit der junge Andrej, der vom Fahrer dann kaltblütig niedermäht wird.

Ein bisschen hätte Andersen kürzen können, tat es wohl nicht, damit jeder der 15 Darsteller zum Zuge kommen konnte.

Trotzdem: ein hochspannendes Stück über das Phänomen irrationale Emotionalität - auch aktuell d a s kriegsauslösende Übel.

Bis 13. 1., 089/ 53 29 78 29.

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