Trauer um Schlager-Star und Ex-Dschungelcamper Gunter Gabriel

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Irrwitzige Gitarren-Eleganz

München - Eric Clapton brachte am Sonntagabend nicht nur den Blues auf den Münchner Königsplatz.

Er muss unwillkürlich lächeln, als er zum ersten Mal für ein furioses Gitarrensolo Szenenapplaus erhält, aber Eric Clapton hatte ziemlich lange darauf warten müssen. Zunächst tat sich Clapton ein wenig schwer bei seinem Auftritt auf dem Münchner Königsplatz (15 000 Zuschauer). Natürlich wurde am Ende jedes Stücks artig geklatscht, aber so recht wollte der Funke nicht überspringen. Zu opulent und fast beliebig klang alles. Mitunter erinnerte der bombastische Sound an Pink Floyd selig. Das ist nicht weiter verwerflich, passt aber so gar nicht zum erdigen Blues von Clapton.

Erst als er sich zur Halbzeit des Konzerts mit akustischer Gitarre hinsetzt und ihn seine sehr gute Band zurückhaltender begleitet, kommt zum Blues die Seele. Mit 63 Jahren, diversen überwundenen Suchtkrankheiten und privaten Desastern hat Clapton mittlerweile auch die passende Stimme für den Blues. Brüchig und doch entschlossen klingt er nun, also besser denn je. Sein Gitarrenstil ist immer noch so unverschämt rasant und elegant, dass anderen Gitarristen die Tränen kommen müssen: entweder aus Neid oder Begeisterung.

Selbst einer im Vergleich zur E-Gitarre schwerfälligen akustischen Gitarre entlockt Clapton mit aufreizend lässiger Mühelosigkeit irrwitzige Akkordkaskaden. Er vertraut aber nicht nur auf seine technischen Fähigkeiten, sondern baut auf die Wucht der Musik und seine exzellenten Begleitmusiker, insbesondere den Gitarristen Doyle Bramhall. Der ist ein begnadeter Minimalist und ergänzt perfekt das verspielte Virtuosentum von Clapton.

Und so geschieht das Unwahrscheinliche: Bei eher rauen und sperrigen Blues-Titeln wie "Travelling Riverside Blues" von Robert Johnson singt das Publikum versonnen mit -­ es sind die wahren Höhepunkte des Abends. Nach und nach steigert Clapton dann die Intensität, bis sich die aufgebaute Spannung bei den furios dargebotenen "Motherless Child" und "Little Queen of Spades" bebend entlädt. Keine geringe Leistung, zumal die Titel etlichen im Publikum vermutlich kein Begriff waren. Was nicht weiter verwundert, schließlich stammen sie zum Teil ja auch noch aus der Vorkriegszeit.

Umso beeindruckender, dass es Clapton in einer Zeit, in der Handy-Klingeltöne in den Charts landen, gelingt, Begeisterung für den Blues zu schüren. Am Ende spult er pflichtgemäß seine Pop-Evergreens wie "Wonderful Tonight" und "Layla" ab. Es wäre aber auch ohne diese Hits ein schöner Abend geworden. Ach ja: Das Konzert war mutmaßlich das erste und wohl einzige größere Pop-Freiluftereignis dieses Münchner Sommers, das nicht vom Regen ersäuft wurde.

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